Schweinfurt

Vier Jahre Jugendhaft für brutalen Schläger und Erpresser

Gericht: Der Hauptangeklagte hat Jüngere „klein gemacht und zum Opfer degradiert“. Was droht dem mitangeklagten 17-Jährigen?
Symbolbild Gericht
Foto: Horst Breunig | Symbolbild Gericht

Eigentlich sollten vier Jugendliche und der 21-Jährige ohne erlernten Beruf auf der Anklagebank sitzen. Wegen eines erkrankten Verteidigers aber wurde das Strafverfahren gegen drei von ihnen abgetrennt. Die zwei jedoch, die besonders bedenkenlos aus einer Gruppe heraus Jüngere teils brutal geschlagen, massiv bedroht und ihnen Geld abgepresst haben, sehen an diesem Montag vor Weihnachten ihrer Strafe entgegen.

Am Ende verurteilt das Jugendschöffengericht Schweinfurt den 21-Jährigen wegen mehrfacher, teils besonders schwerer räuberischer Erpressung, vielfacher gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung, Bedrohung und Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Jugendstrafe von vier Jahren. Er war bei allen zehn Taten der Hauptanklage sowohl der mit Abstand Älteste, als auch die treibende Kraft der Erpressungen und Gewalttätigkeiten gegen die Opfer, für die er stets jüngere Handlanger hatte. Das steht am Ende der Hauptverhandlung sowohl durch sein Teilgeständnis, als auch aufgrund vieler Zeugenaussagen für das Gericht fest.

Der 17-jährige Auszubildende kassiert wegen schwerer räuberischer Erpressung, versuchter Nötigung und gefährlicher Körperverletzung eineinhalb Jahre auf Bewährung sowie einen "Warnschussarrest" von zwei Wochen. Er muss ferner 400 Euro an ein Erpressungsopfer zahlen und ein einjähriges Alkoholverbot einhalten. Bei Verstößen droht der Bewährungswiderruf – und damit 18 Monate Jugendknast.

Im stillen Eck 15 Euro abgepresst

26. Mai, 21 Uhr: Der 21-Jährige und zwei Kumpane nehmen einem 17-Jährigen im Stadtbus die Brille weg, die er nur gegen 20 Euro wiederbekommen soll. Er hat aber kein Geld. Seinen 19-jährigen Begleiter nötigen sie zu dritt, an einer bestimmten Haltestelle am Bergl auszusteigen. Er wird in ein stilles Eck gedrängt, ihm werden 15 Euro und ein Fünfmarkstück abgenommen und gedroht, sollte er zur Polizei gehen, werde man ihn "jagen". Eine mutige junge Frau aber sieht nicht weg, als sie das mitbekommt, sondern steigt ebenfalls aus dem Bus, beobachtet die feige Erpressung – und holt die Polizei.

Zwei Tage später verprügelt der 21-Jährige einen 18-Jährigen auf das Brutalste mit Schlägen gegen den Kopf offenbar aus Frust darüber, dass sich seine Freundin von ihm getrennt und bei dem 18-Jährigen "ausgeweint" hatte. Sollte er zur Polizei gehen, werde es noch schlimmer, droht der berufslose Hauptangeklagte.

Opfer mit Abstechen gedroht

Bereits Mitte März macht ein 14-Jähriger Bekanntschaft mit einer Gang, als er mit dem Fahrrad das frühere Yorktown-Village passieren will. Er wird angehalten, um Zigaretten und Drogen angeschnorrt. Als er verneint, wird er geschlagen und getreten, auch als er schon am Boden liegt. Wieder ist der 21-Jährige mit von der Partie. "Ich hatte Todesangst", sagt das Opfer im Zeugenstand. Nach den Prügeln von der "Viererbande" kommt der 17-Jährige Mitangeklagte dazu. Er und der 21-Jährige pressen dem 14-Jährigen nun mit der Drohung, ihn "abzustechen", sein Geld ab. Sonst würde er nackt ausgezogen und nochmals verprügelt. 170 Euro erpressen sie so von ihm, für die er in der Stadt Schuhe kaufen wollte. Und: wenn er zur Polizei ginge, würden sie zusammenschlagen und umbringen.

Ebenfalls bereits im März hatte der 21-Jährige in einer Gaststätte randaliert, geschlägert, eine Bierflasche nach einem Gast geworfen und mit "Umbringen" gedroht. Und: im Mai hatten beide Angeklagte in der Innenstadt einen 14-Jährigen geschlagen, der ihnen weder "Gras" noch Zigaretten geben konnte. Zwei Frauen verjagte der ältere Berufslose mit Bierspritzern und Drohungen von einer Parkbank, auf die er Anspruch erhob, weil er davor darauf gesessen habe.

"Einer wird klein gemacht"

Beiden Angeklagten attestiert das Gericht nach achtstündiger Verhandlung eindeutig "schädliche Neigungen". Am Ende kommt der 17-jährige Azubi, wie vom Verteidiger beantragt, mit einer Bewährungsstrafe davon, wenn auch unter Auflagen. Bei dem 21-Jährigen stellt der Vorsitzende aber auch die "Schwere der Schuld" fest. Würde er nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt, stünden auf die schwere räuberische Erpressung fünf Jahre. Nach Jugendstrafrecht kassiert er nun immerhin vier.

Fast in jeder Akte der Schweinfurter Jugendszene tauche irgendwo sein Name auf, so der Vorsitzende. Vorstrafen hat er auch schon reichlich, darunter drei Wochen Arrest, die ihn wohl nicht beeindruckt hätten. Durch alle seine Taten ziehe sich ein Muster: "Immer wenn andere dabei sind, wird einer klein gemacht und zum Opfer degradiert." Vier Jahre Jugendhaft seien "das absolute Minimum", so der Vorsitzende. Der Staatsanwalt hatte viereinhalb Jahre gefordert, der Verteidiger auf eine Bewährungsstrafe plädiert. Gegen das Urteil ist Berufung möglich.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Schweinfurt
Stefan Sauer
Angeklagte
Bewährungsstrafen
Erpressung
Hauptangeklagte
Jugendstrafrecht
Körperverletzung und Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit
Nötigung
Staatsanwälte
Strafarten
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!