Schweinfurt

Warum die Diakonie den Pflegebonus noch nicht ausgezahlt hat

Noch warten die Mitarbeiter der Schweinfurter Diakonie auf die Auszahlung der Prämie. Vorstand Keßler-Rosa erklärt warum und äußert klare Forderungen an die Politik.
Nicht alle Pflegekräfte konnten den bayerischen 'Pflegebonus' bislang erhalten. Bei der Diakonie Schweinfurt hat das mehrere Gründe.
Foto: Andreas Lösch | Nicht alle Pflegekräfte konnten den bayerischen "Pflegebonus" bislang erhalten. Bei der Diakonie Schweinfurt hat das mehrere Gründe.

Die Zeiten, in denen für Pflegekräfte applaudiert wurde, sind in der öffentlichen Wahrnehmung für manch Beobachter vorüber. So erreichten auch diese Redaktion Leserzuschriften, in denen die fehlende Wertschätzung des Pflegepersonals, gerade in Zeiten der Pandemie, bemängelt wurde. Trotz reger Diskussionen habe sich für die Pflegenden bislang kaum etwas geändert. Auch die einmalige Auszahlung des "Pflegebonus" von 1000 Euro verhindere diesen Eindruck nicht. Doch selbst diese Einmalzahlung ist bisher nicht bei allen Antragstellern angekommen. Ein großer Arbeitgeber der Region erklärt, warum das so ist.

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Laut Informationen der Redaktion habe die Diakonie Schweinfurt den Pflegebonus bislang noch nicht an ihre Mitarbeiter ausgezahlt, obwohl dies bis Ende August vom Landesamtes für Pflege als Ziel genannt wurde. Eine Nachfrage bei Jochen Keßler-Rosa, Vorstand des Diakonischen Werks Schweinfurt, bestätigte zwar, dass das Geld noch nicht bei den Mitarbeitern angekommen ist. Jedoch machte er deutlich, dass eine Auszahlung zu einem früheren Zeitpunkt nicht möglich und auch nicht rechtlich vorgeschrieben gewesen sei. Die Mitarbeiter werden den Bonus, so Keßler-Rosa, nun zur nächsten Gehaltsauszahlung Ende September erhalten. "Ich kenne das Problem", sagte der Vorsitzende. Die Diakonie als Arbeitgeber selbst habe das Geld vom Staat Anfang August noch nicht auf dem Konto gehabt. Somit sei eine frühere Auszahlung an die Mitarbeiter gar nicht möglich gewesen.

Keßler-Rosa fordert mehr als nur ein "Trostpflaster"

Grund dafür sei ein "immenser Verwaltungsaufwand", der bei 1500 Beschäftigten viel Zeit in Anspruch nehme. "Es gibt natürlich sehr viel kleinere Firmen, bei denen es deutlich schneller geht", erklärte Keßler-Rosa. Für ihn verfehle die Diskussion um den Pflegebonus allerdings das eigentliche Problem. "Ich bin ja froh, dass unsere Pflegekräfte etwas kriegen", so Keßler-Rosa. Jedoch dürfe das nicht als Trostpflaster für die widrigen Umstände herhalten. "Die Politik muss generell etwas ändern", sagte der Vorsitzende und bemängelte, dass trotz Pandemie bislang nichts Spürbares geschehen sei.

Von Seiten der Regierung habe sich bislang nichts getan. Auch Tarifverhandlungen, die die Arbeitsbedingungen grundsätzlich verbessern sollten, gab es laut Keßler-Rosa keine. "Gerade in der jetzigen Phase ist der Druck auf die Pflegekräfte sehr groß und wir machen uns Gedanken um die Zukunft des Berufs", sorgte sich der Vorsitzende. Pflegekräfte würden schon lange darauf warten, anders und besser bewertet zu werden als bisher. Es gehe nicht nur um eine bessere Bezahlung, auch um mehr Anerkennung und bessere Arbeitszeiten.

Bereits im Mai äußerte Keßler-Rosa gegenüber dieser Redaktion Zweifel daran, dass die einmalige Auszahlung eines Pflegebonus die grundsätzliche Situation der Pflegeberufe verbessern werde. Vielmehr sei es ein Versuch der Politik, die eigentlichen Probleme zu vertuschen.

Neben dem bayerischen Corona-Pflegebonus (bis zu 500 Euro) wurde vom Bund ein Bonus in Höhe von bis zu 1000 Euro beschlossen. Diesen erhalten jedoch nur Beschäftigte, die in der Altenpflege tätig sind. Den bayerischen Bonus erhalten alle, die in Krankenhäusern, Rettungsdiensten oder Pflegeeinrichtungen direkt mit Patienten arbeiten. Die Länder und die Arbeitgeber in der Pflege können die Corona-Prämie des Bundes ergänzend bis zur Höhe der steuer- und sozialversicherungsabgabenfreien Summe von 1500 Euro aufstocken, heißt es im Bundesgesetz, das Mitte Mai beschlossen wurde.

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