Mönchstockheim

Warum ein Gottesdienstbeauftragter Beerdigungsfeiern leiten möchte

Michael Dotzel ist Gottesdienstbeauftragter. Als solcher darf er derzeit keine Beerdigungsfeiern leiten. Der Wunsch der Gläubigen diesbezüglich ist aber da.
Seit gut sechs Jahren Gottesdienstbeauftragter in der Pfarreiengemeinschaft Marienhain: Michael Dotzel, hier bei der Wortgottesfeier in der Kirche Mariä Himmelfahrt von Mönchstockheim.
Foto: Erhard Scholl | Seit gut sechs Jahren Gottesdienstbeauftragter in der Pfarreiengemeinschaft Marienhain: Michael Dotzel, hier bei der Wortgottesfeier in der Kirche Mariä Himmelfahrt von Mönchstockheim.

Gut sechs Jahre ist Michael Dotzel schon Gottesdienstbeauftragter in der Pfarreiengemeinschaft Marienhain. Die Pfarreiengemeinschaft Marienhain umfasst acht Gemeinden – von Stammheim im Westen bis Mönchstockheim im Osten.

Mit ihm sind weitere acht Personen als Gottesdienstbeauftragte in der Pfarreiengemeinschaft aktiv. Sie sorgen zusammen mit Pfarrer Andreas Engert, dem Leiter der Pfarreiengemeinschaft, Pfarrer Damian Emeka Ikejiama und Diakon Erich Müller dafür, dass jeden Sonntag in jeder der Gemeinden eine Eucharistiefeier oder ein Wortgottesdienst stattfindet. Zu den Aufgabenbereichen von Gemeindereferent André Christof, der auch Mitglied des  Seelsorgerteams der Pfarreiengemeinschaft ist, gehören unter anderem der Religionsunterricht, die Vorbereitung der Kinder auf die Erstkommunion und die Seniorenarbeit.

Alle Gemeinden kennenlernen

Michael Dotzel hat am dritten Adventssonntag den Wortgottesdienst in Mönchstockheim gehalten. Die Feier wurde mitgestaltet von einigen Mitgliedern der Pfarrband Mönchstockheim, die Orgel spielte Bernward Kober. Alle, Gläubige, Ministranten, Musikanten, kommen mit Maske, alle achten auf Abstand im Gotteshaus. Die Pfarrband Mönchstockheim ist viel größer, aber coronabedingt darf nur eine begrenzte Anzahl von Personen auftreten.

Ihm sei es in der Anfangszeit wichtig gewesen, alle Gemeinden kennenzulernen, sagt Michael Dotzel rückblickend. "Jede Gemeinde hat ihren eigenen Charakter, ihre eigenen Gepflogenheiten"– so seine Erfahrung. Ihm sei es wichtig, die Wortgottesfeiern  so zu gestalten, dass sich die Gläubigen persönlich angesprochen fühlen, und er bekomme viele positive Rückmeldungen für seine Art der Gestaltung. Besonders wichtig sei es ihm, die Kinder anzusprechen und im Gottesdienst "mitzunehmen".

Sie gehören der Pfarrband Mönchstockheim an, die aber coronabedingt nur mit stark reduzierter Besetzung den Gottesdienst am 3. Advent mitgestalten durfte (von links): Silke Weigand, Sandra Gessner, Günter Barth und Christine Voit. 
Foto: Erhard Scholl | Sie gehören der Pfarrband Mönchstockheim an, die aber coronabedingt nur mit stark reduzierter Besetzung den Gottesdienst am 3.

Was ihn besonders bewegt: Einige Gläubige hätten ihm gegenüber den Wunsch geäußert, wenn es einmal "so weit sei", dass sie von ihm beerdigt werden möchten. Er würde diesem Wunsch gerne nachkommen, aber im Augenblick herrscht in der Diözese Würzburg Unklarheit, wie es mit den Beauftragungen für Beerdigungen überhaupt weitergeht, so die Auskunft von Pfarrer Andreas Engert an Michael Dotzel nach seiner Nachfrage bei der Diözese.

Michael Dotzel ist auf einer Liste von Interessenten vermerkt, die die Beauftragung für Beerdigungen gerne annehmen würden. Bevor diese Beauftragung jedoch erfolgen kann, muss zunächst ein spezieller Weiterbildungskurs absolviert werden. Wann ein solcher Kurs wieder stattfindet, ist zur Zeit noch unklar.

Beauftragung für Beerdigungen

Kirchenrechtlich dürfte die Beauftragung für die Beerdigungen kein Problem sein, denn im Kirchenrecht (canon iuris canonici) ist festgehalten: "Spender der Sakramentalien ist der Kleriker, der mit der erforderlichen Vollmacht ausgestattet ist; einige Sakramentalien können gemäß den liturgischen Büchern nach dem Ermessen des Ortsordinarius auch von Laien gespendet werden, welche die entsprechenden Eigenschaften haben" (CIC can. 1168).

Und in der Verlautbarung der Deutschen Bischofskonferenz "Kirchliche Begräbnisfeiern in den Bistümern des Deutschen Sprachraums" aus dem Jahr 2009 ist zu lesen: "Die Begräbnisfeiern können, abgesehen von der Messe, von einem Diakon geleitet werden. Wenn die pastorale Notwendigkeit es verlangt, kann die Bischofskonferenz mit Genehmigung des Apostolischen Stuhls auch einen Laien dazu beauftragen."

Beteiligung von Laien

Nach Meinung von Michael Dotzel könnte die Erlaubnis für die Gottesdienstbeauftragten, Begräbnisfeiern leiten zu dürfen, ein Beitrag zur stärkeren Beteiligung von Laien an gottesdienstlichen Vollzügen sein – und die stärkere Beteiligung von Laien ist ja das Gebot der Stunde: Gerade angesichts des immer größer werdenden Priestermangels könnte diese Form der Seelsorge durch Menschen, denen man persönlich verbunden ist – insbesondere an Wendepunkten des Lebens -  hilfreich sein.

Der Tod  eines Menschen, mit dem man sehr verbunden ist, hat für jeden Menschen eine besondere Bedeutung, und wenn man sich in dieser Situation begleitet weiß von einem Seelsorger, dem man persönlich nahe steht, kann das ein großer Trost sein. Darüber hinaus würden dadurch die Priester entlastet.

Dass ihm gegenüber schon verschiedentlich der Wunsch geäußert wurde, von ihm beerdigt zu werden, veranlasste Michael Dotzel, in dieser Richtung initiativ zu werden – mit Einverständnis und Zustimmung von Ortspfarrer Andreas Engert. Zu klären wäre, ob weitere Gottesdienstbeauftragte ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Michael Dotzel. Dann hätte man gute Argumente, um dieses Anliegen weiter voranzutreiben.

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