Schweinfurt

Wasserproben-Prüfung mit einer Welslänge Abstand

Düngerreste, Natriumwerte und noch viel mehr. Wie steht es um die Qualität des Brunnen- und Brauchwassers in der Region? 
Was ist außer Wasser noch im Nass? Ein Ehepaar aus Schwebheim lässt sein Brunnenwasser beim VSR testen.
Foto: Uwe Eichler | Was ist außer Wasser noch im Nass? Ein Ehepaar aus Schwebheim lässt sein Brunnenwasser beim VSR testen.

"VSR-Gewässerschutz" nennt sich der Verein, der auf dem Schillerplatz Plasteflaschen entgegen nimmt: Beprobt wird privates Brunnenwasser aus Schweinfurt und Umgebung. Angefangen hat die Aktion mal mit der Wacht am Rhein, als "Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse". Dessen Ursprünge gehen zurück bis in die 70er, als der Schicksalsstrom der Deutschen eher die trübe Müllkippe der Nation war. Ab 1981 haben sich dann mehrere überregionale Bürgerinitiativen zusammengeschlossen, Sitz ist Geldern in Nordrheinwestfalen. 

Bekannt wurde der Verein durch sein Laborschiff "Reinwasser". Mittlerweile sind die Experten auch mit mobilen Laborwägen unterwegs und prüfen, für einen kleinen Obolus, die Wasserqualität an den Quellen: auf Nitrat-, Säure- und Salzgehalt. Gegen Aufpreis wird das kostbare Nass auch auf Eisen, Phosphat oder Bakterien untersucht. Zwei Stunden lang macht der VSR Station. Apropos Keime: Eigentlich wollte das Team mit zwei Ständen anrücken. In Coronazeiten greift ein Hygienekonzept, so dass das Trio seine Kunden mit Mundschutz und teilweise hinter Plexiglas erwartet."Eine Welslänge Abstand" fordern die Gewässerschützer vom Niederrhein augenzwinkernd.

70 Proben schon in der ersten Stunde

Schon nach einer Stunde haben die Prüfer 70 Proben zusammen, insgesamt werden es wohl rund 100 werden. Der eigene Brunnen im Garten liegt offenkundig im Trend. Bereits die Sparmöglichkeiten bei Niederschlagswasser-Gebühren machen Zisternen & Co attraktiv.  Planschbecken, Teiche, Gemüsebeete werden kostengünstig mitbewässert.

Ein Ehepaar aus Schwebheim bringt eine Flasche vorbei, deren Inhalt auf Düngerreste analysiert werden soll. Trotz des Regens der letzten Tage würden sie zunehmend fallende Pegel bemerken, Stichwort Klimawandel. Eine Schweinfurterin sorgt sich wegen Legionellen. Die Erreger sind zwar nicht das Hauptthema. Sie können aber gefährlich werden, wenn man sie unter der Dusche einatmet, sagt Diplomphysiker und Pressesprecher Harald Gülzow, der heißes Durchspülen der Leitungen empfiehlt. Im Grundwasser sollten sie nicht auftauchen. Mit dabei sind die Helfer Lennart Hoster und Milan Toups, die über den Bundesfreiwilligendienst zum VSR gekommen sind.

Rechtlich gesehen darf jeder sein eigenes Brunnenwasser trinken 

 "Die Gurke muss gerade sein", nennt Gülzow flapsig einen der Gründe, warum die Nitratwerte in Deutschland immer noch (zu) hoch sind, fast 30 Jahre nach dem Erlass der europäischen Nitratrichtlinie. Mineraldünger (für ebenso großes wie billiges Gemüse), das Ausbringen von Gülle oder Gärreste aus Biogasanlagen sind für den VSR die Hauptübeltäter. Nitrat sei krebserregend und schwäche das Immunsystem, so der Vereinssprecher. Der Grenzwert liegt gemäß Richtlinie von 1991 bei 50 Milligramm pro Liter: Dieser Wert wurde in den letzten drei Jahren deutschlandweit in jeder fünften Probe überschritten, heißt es beim Verein. Im europäischen Vergleich gilt die Qualität des deutschen Grundwassers als mau, anders als beim bestens überwachten Leitungswasser. Sein eigenes Brunnenwasser darf der Bürger (rechtlich gesehen) ungeprüft schlürfen. Ob es ratsam ist, testen die Laboranten vor Ort. 

Herr der Reagenzgläser: Diplomphysiker Harald Gülzow in seinem mobilen Labor.
Foto: Uwe Eichler | Herr der Reagenzgläser: Diplomphysiker Harald Gülzow in seinem mobilen Labor.

Der Raum Schweinfurt-Würzburg-Kitzingen sei schon stark belastet, sagt Gülzow. Die Messwerte der Jahre 2017 bis 2019 finden sich in der Karte, die der Verein online gestellt hat. Damals waren Brunnen in Gerolzhofen, Traustadt, Schweinfurt und Hergolshausen besonders belastet, mit Spitzenreiter Geldersheim, wo die 250er Marke geknackt worden ist.

In zwei Wochen sind die Messergebnisse da

Nun wird es etwa zwei Wochen dauern, bis die Messergebnisse zugeschickt werden. Harald Gülzow weiß, dass das Thema Nitrat ein heißes Eisen ist und sich viele Landwirte zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlen. Dass billige Discounter-Preise für Lebensmittel die Wurzeln des Übels sind: Darauf weist der Verein schon auf der Webseite (www.vsr-gewässerschutz.de) hin: "Viele Landwirte haben selber Wasser bei uns untersuchen lassen".  Wo  Ökolandbau betrieben werde, gehe der Nitratanteil deutlich messbar zurück.

Den Vorwurf, der Umweltschutz überlaste die Betriebe mit immer neuen Forderungen und wenig Zeit zur Umsetzung, will Gülzow nicht gelten lassen: "Wir haben 30 Jahre verloren." Es sei möglich, gezielter und sparsamer zu düngen. Nitrat baue sich im Grundwasser auch wieder ab. Nur entsteht dabei laut Verein immer mehr gelöstes Eisen in den Brunnen, mit gelborange verfärbtem H2O. Sprich: Wer beim Gewässerschutz rastet, der rostet?

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