Werneck

Werneck ehrt seinen großen Sohn und Künstler

Ausstellung zum 100. Geburtstag von Franz Vornberger: Gemälde zeigen den Menschen in seiner Zerrissenheit und in seinem Leid.
Körperteile dominieren auf den Bildern Franz Vornbergers, hier "Landung" von 2001, das Heinz Kruppa betrachtet.
Foto: Silvia Eidel | Körperteile dominieren auf den Bildern Franz Vornbergers, hier "Landung" von 2001, das Heinz Kruppa betrachtet.

Köpfe, Gliedmaßen, Körperfragmente – diese Motive stechen in den Bildern des Künstlers Franz Vornberger heraus. Der Mensch in seiner Zerrissenheit, in seinem Leid und seiner Verzweiflung steht bei ihm im Mittelpunkt. Weil der bekannte Sohn Wernecks am 12. November 100 Jahre alt geworden wäre, würdigt ihn die Gemeinde mit einer Ausstellung im Rathaus, zusammengestellt aus Bildern, die er seinem Heimatort hinterließ.

63 Bilder, oft düster, teils auch in kräftigen Farben, gemalt mit Acrylfarben, mit Ölkreide oder als Aquarelle, verschenkte er 2007 und 2008, seinem Todesjahr, an seine Geburtsgemeinde. Zwar lebte Franz Vornberger ab 1950 in Nürnberg, aber auf seine Herkunft Werneck war er immer stolz.

"Die Saat geht auf" lautet der Titel dieses Acryl-Gemäldes von Franz Vornberger, das dauerhaft seinen Platz vor dem Bürgermeisterzimmer im Wernecker Rathaus gefunden hat.
Foto: Silvia Eidel | "Die Saat geht auf" lautet der Titel dieses Acryl-Gemäldes von Franz Vornberger, das dauerhaft seinen Platz vor dem Bürgermeisterzimmer im Wernecker Rathaus gefunden hat.

Das wusste der 80-jährige Heinz Kruppa, ehemaliger Vorsitzender des Historischen Vereins Markt Werneck, der die Einführung in die Werkschau gab, die Stefanie Büttner zusammengestellt hatte. Kruppa hatte den Künstler selbst mehrmals getroffen. Als einen "bescheidenen, zurückhaltenden, liebenswürdigen Menschen" beschrieb er ihn den interessierten Werneckern, die Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl bei der Ausstellungseröffnung begrüßte. Für den richtigen musikalischen Ton sorgte dabei Michaela Weisenberger.

Appell an die Humanität der Menschen

Der 1919 geborene Franz Vornberger hatte eine Ausbildung zum Dekorationsmaler absolviert, war dann aber 1939 zur Wehrmacht eingezogen worden. Erst 1945 kam er aus britischer Gefangenschaft zurück. Diese Erfahrung des Zweiten Weltkriegs prägte den jungen Mann, der in seiner Kunst mit der menschlichen Kreatur und ihren Hinterlassenschaften haderte.

So drückte es seine Tochter Eva in ihrem Brief an den Historischen Verein aus, den Kruppa vorlas. Das Leitmotiv des Sisyphus, einer strauchelnden Figur, sei für ihren Vater maßgeblich gewesen. Er habe mit seinen oft leidvollen Bildern an die Humanität der Menschen appelliert, ein Anliegen aktueller denn je, so Kruppa.

Bei der Ausstellungseröffnung im Wernecker Rathaus führte Heinz Kruppa in Leben und Werk des Künstlers Franz Vornberger ein.
Foto: Silvia Eidel | Bei der Ausstellungseröffnung im Wernecker Rathaus führte Heinz Kruppa in Leben und Werk des Künstlers Franz Vornberger ein.

Franz Vornberger hatte es sich nie leichtgemacht, war ständig auf der Suche und von Selbstzweifeln geplagt. Nach dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg verdiente er sein Geld zunächst mit gebrauchsgrafischen Arbeiten. In seinem eigentlichen Beruf erprobte er verschiedene Stile: Abstrakter Expressionismus wechselte zu einem streng konstruktiven Bildaufbau.

Durch einen Lehrauftrag an der Akademie 1982 entwickelte sich im Kontakt mit jungen Künstlern schließlich sein ganz eigener Stil: Er verband die wilde Malerei mit den Erfahrungen seines langen Künstlerlebens. "Vornberger malte nun figürlich, ohne sich an die Regeln der herkömmlichen Figurenmalerei zu halten", erläuterte Kruppa. Expressionismus und Surrealismus verbanden sich. Seinem Motiv der zerstörten Ganzheit setzte er aber auch immer das Gegenbild der erlebten Natur gegenüber.

Ausstellung auch in der Kunstvilla in Nürnberg

Zahlreiche Ausstellungen und Auszeichnungen würdigten Vornbergers Kunst. Der lange Unterschätzte wurde gegen Ende seines Lebens ein allgemein anerkannter Altmeister, resümierte Kruppa.

Gegen Ende seines Lebens malte Franz Vornberger immer wieder verschiedene "Engel", wie auch der Titel dieser Schenkung an die Gemeinde Werneck lautet.
Foto: Silvia Eidel | Gegen Ende seines Lebens malte Franz Vornberger immer wieder verschiedene "Engel", wie auch der Titel dieser Schenkung an die Gemeinde Werneck lautet.

Neben Gemälden und Zeichnungen schuf Vornberger auch Glasfenster für Kirchen oder große Mosaiken am Delphinarium und Giraffenhaus des Nürnberger Zoos. Sein Triptychon "Golgotha permanent" wird in jeder Passionszeit in der Nürnberger Lorenzkirche aufgebaut. Neben Werneck würdigt auch die Stadt Nürnberg mit einer Ausstellung in der Kunstvilla bis März 2020 ihren großen Sohn: "1919 – Generation Bauhaus, Franz Vornberger".

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