Schweinfurt

Wie Anton Mangold den Jazz neu entdeckt

Das Anton Mangold Quartett gastierte wieder einmal in der Disharmonie. Ein Abend voller neuer musikalischer Landschaften und vielversprechender junger Musiker.
Der Saxofonist Anton Mangold stellte in der Disharmonie mit seiner Band die neue Jazz-CD 'Da Xia' vor.
Foto: Oliver Schikora | Der Saxofonist Anton Mangold stellte in der Disharmonie mit seiner Band die neue Jazz-CD "Da Xia" vor.

Ein Oktober-Abend in der Disharmonie zu Corona-Zeiten, rund 20 Gäste, alle mit Maske, sitzen gespannt auf die rund einstündige Show auf fein säuberlich auseinander gestellten Stühlen. Die Musiker, bis auf den Saxofonisten, alle mit Maske. Im Grunde fragt man sich schon bei dieser Beschreibung, was das mit Konzerten wie wir sie kennen und lieben zu tun hat.

Wenn es eine Musikrichtung gibt, die einem alle Sorgen nehmen kann, dann ist es der Jazz. Denn auch wenn Corona Einschränkungen bietet, gerade jetzt vor allem in Schweinfurt, dann ist es diese Musik, gespielt von einer der beeindruckendsten jungen deutschen Jazz-Bands im Moment, dem Anton Mangold Quartett. Während draußen in der Realität die Corona-Ampel für Schweinfurt auf dunkelrot steht wegen eines Inzidenz-Wertes über 100, steht aufgrund des Könnens der Band drinnen die Fuß-Wippen-Ampel aller Jazz-Fans auf leuchtend grün.

Anton Mangold, mittlerweile 29 und studierter Jazz-Saxofonist, der auch ein Diplom in klassischer Harfe hat, ist wahrlich einer der Schweinfurter Musiker, die man ganz besonders im Blick haben sollte. Er ist Kulturpreisträger der Stadt, bekam mit seiner Band den jungen deutschen Jazzpreis 2017. Nach dem Debüt-Album "Bejing Underground" aus dem Jahr 2017 kam in diesem Jahr das neue Album "Da Xia" heraus, das die Band in 60 Minuten voller Energie und Spielfreude vorstellte.

Video

Bandleader Anton Mangold am Saxophon, Felix Schneider-Restschikow am Piano, Zhihan Xu als Gast an der Gitarre, Bassist Theodor Spannagel und an den Drums  Max Stadtfeld anstatt Zhitong Xu webten einen Klangteppich aus komplexen rhythmischen Strukturen, in dem sich der Zuhörer minutenlang verlieren konnte. Diese fünf Musiker schaffen es, Alltagssorgen einfach wegzuspielen, weil man beim Zuhören gar nicht dazu kommt, an irgendetwas anderes zu denken als an die Musik und zu lauschen, mit welcher Melodien-Wendung die Band in den nächsten Sekunden um die Ecke kommt. Außerdem muss man sich ja aufs Fuß-Wippen konzentrieren.

Eingängige Melodien und stetiger rhythmischer Energiefluss, das macht die meist von Anton Mangold komponierten Songs auch auf dem neuen, deutlich erwachsener wirkenden Album "Da Xia" aus. Live ist diese Band eine echte Wucht. Da wird die selbst propagierte Philosophie, nicht zu sehr akademischer musikalischer Perfektion zu folgen als vielmehr der Freude am Musizieren, an Energie und Stimmung umso deutlicher. Das sind echte Jazzer, echte Improvisations-Talente, deren Stücke übergangslos ineinander übergehen.

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Und vor allem macht Anton Mangold, desse Kompositionen man seine Nähe zur Weltmusik anhört, ohne den modern Jazz zu verleugnen, einen Fehler nicht: Er und sein Saxophon lassen immer den anderen Mitspielern genügend Raum, sich verwirklichen zu dürfen. Gerade das macht einen Sound aus, der in der deutschen Jazz-Welt der 2020er-Jahre weiter für Aufsehen sorgen wird.

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