SCHWEINFURT

Wie fällt der Richter sein Urteil?

Blick hinter die Kulissen: Bei der moderierten Schöffengerichtsverhandlung wurde ein fiktiver Fall realitätsgetreu nachgestellt.
Foto: Katja Glatzer | Blick hinter die Kulissen: Bei der moderierten Schöffengerichtsverhandlung wurde ein fiktiver Fall realitätsgetreu nachgestellt.

Wie läuft eine Gerichtsverhandlung ab? Welche Aufgaben haben Staatsanwalt und Verteidiger? Und nach welchen Kriterien fällt der Richter sein Urteil? Das konnten sich die etwa 20 Besucher bei einer moderierten Schöffengerichtsverhandlung in der „Woche der Justiz“ anschauen. Moderator Jan Dey – selbst Richter am Landgericht – führte das Publikum durch die Verhandlung, machte Anmerkungen und beantwortete Fragen. Nachdem klar war, dass links der Sitz des Staatsanwaltes ist und rechts Verteidiger und Angeklagter an einem Tisch Platz nehmen, erklärte er das Ritual des Aufstehens. „Es ist üblich sich zu erheben, wenn Richter und Schöffen den Gerichtssaal betreten - als Zeichen des Respekts vor dem Gericht.“

Ausgewählt hatte die Justiz einen fiktiven Fall von Nötigung im Straßenverkehr in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort. So soll ein Mercedesfahrer aus Ebern (Landkreis Haßberge) am 28. Februar dieses Jahres auf der A 71 in Richtung Norden einen Opelfahrer genötigt haben, der ihm zu langsam auf der Überholspur unterwegs war. Nachdem der Opelfahrer nach dem Überholvorgang auf die rechte Spur gewechselt hatte, scherte der Mercedesfahrer vor ihm ein und bremste plötzlich ab. Dadurch wurde der Hintermann zur Vollbremsung gezwungen, verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug, fuhr in die Leitplanke und überschlug sich. Beim Transport ins Krankenhaus verstarb der Geschädigte.

Wie in einer realen Verhandlung wurden Zeugen gehört, nachdem der Angeklagte angegeben hatte, zwar auf der Strecke unterwegs gewesen zu sein, aber von Nötigung und einem Unfall nichts zu wissen. Eine Zeugin, die zum gleichen Zeitpunkt auf der A 71 fuhr, belastete ihn schwer. Seine Partnerin und heutige Verlobte, die mit ihm im Auto fuhr, sagte indes zu seinen Gunsten aus. Kein leichtes Spiel für Richter Konrad Döpfner und seine Schöffen.

Noch weniger für die Besucher, die vor den Plädoyers von Moderator Dey zu ihrem Empfinden befragt wurden. „Ich denke, dass es ziemlich schwer sein wird, den Mann zu verurteilen, denn es gibt meiner Meinung nach keine eindeutigen Beweise. Im Zweifel für den Angeklagten“, mutmaßte ein Besucher. Ein weiterer sah die Beweislage als ausreichend an und tendierte zur Verurteilung. Wieder andere wagten es gar nicht, darüber zu urteilen. „Dafür ist das Gericht zuständig, und ich bewundere es für seine Urteilskraft“, so eine Hausfrau.

Auch von den Plädoyers waren die Besucher überrascht, die nicht unterschiedlicher hätten ausfallen können. So forderte Staatsanwalt Johannes Koscheck zwei Jahre Haft ohne Bewährung, Verteidiger Hubertus Krause plädierte auf Freispruch. Wie das Gericht wirklich entschied – das können sich Interessierte auch am Donnerstag anschauen. Denn da wird die Verhandlung wiederholt.

Besucherin Ingrid Lefort lobte die Woche der Justiz. „Ich finde die Veranstaltungen sehr interessant und habe mir mehrere ausgesucht.“ Es sei wichtig, auch mal hinter die Kulissen des Gerichts schauen zu können. Applaus gab es am Ende für die Gerichtsmannschaft, die ihre Vorstellung realitätsnah gemeistert hatte.

Die moderierte Schöffengerichtsverhandlung wird am Donnerstag, 14 Uhr, wiederholt. Ort: Rüfferstr. 1, Saal 137.

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