Schwebheim

Wie der "Schlammtourismus" gering bleibt

Martin Weth, Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes Unterer Unkenbach, zeigt die Möglichkeiten des Klärwerks in Heidenfeld auf.
Foto: Hans-Peter Hepp | Martin Weth, Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes Unterer Unkenbach, zeigt die Möglichkeiten des Klärwerks in Heidenfeld auf.

Weil Klärschlamm künftig immer weniger als Dünger auf den Feldern ausgebracht werden kann, suchen Kommunen, Wissenschaft und Wirtschaft neue Lösungswege. Bei der Sitzung des Abwasserzweckverbandes Unterer Unkenbach wurden die Möglichkeiten zur Klärschlamm-Verbrennung diskutiert. Der Verbund zwischen den Dörfern Schwebheim, Heidenfeld und Röthlein hatte für den Landkreis Schweinfurt eine Expertise der Fachhochschule Weiden/Oberpfalz angefordert.

Die Forscher favorisieren die Lösung, dass Klärschlamm vor Ort entwässert, in der neuen Trocknungsanlage Hofheim beinahe den gesamten Wasseranteil verliert, um abschließend im Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) verbrannt zu werden. Alternativ, das wurde bei der Sitzung im Schwebheimer Bürgerhaus deutlich, könnte man vor Ort den Schlamm selbst mit der Kraft der Sonne trocknen und direkt in den Schweinfurter Hafen transportieren.

Schlamm muss deutlich an Wasser und Gewicht verlieren 

Martin Huber von der FH Weiden zeigte auf, dass der Klärschlamm deutlich an Wasser und Gewicht verlieren muss, damit ihn das Gemeinschaftskraftwerk – oder konkurrierende Anbieter in Deutschland – zum Befeuern nutzen kann. Ziemlich genau 90 Prozent der Feuchtigkeit muss der Schlamm verloren haben, damit er eingesetzt werden kann. Das bedeutet für die Klärwerke im Schweinfurter Land (und in den Hassbergen), dass der Schlamm zuerst entwässert und danach fachgerecht getrocknet werden muss.

Die FH kommt zu dem Schluss, dass man die Entwässerungen vor Ort allen anderen Möglichkeiten vorziehen sollte. Natürlich könne man diese Aufgabe auch an externe Dienstleister abtreten. Letzteres stellt wohl eine gute Möglichkeit für die kleineren der Klärwerke im Landkreis dar, die meisten untersuchten Anlagen aber könnten die Entwässerung in Eigenregie übernehmen.

Anschließend gibt es zwei Möglichkeiten der fachgerechten Trocknung. Huber sprach sich für die technische Trocknung aus, weil man hier Ergebnisse exakt steuern könne und weil die Verantwortung für das ganze Procedere mit dem Verschicken der entwässerten Schlammmengen übergeben werde. Die neue Anlage im nahen Hofheim verfüge über ausreichend Kapazität. Der "Schlammtourismus" bliebe so denkbar gering.

Solartrocknung mit gleichem Ergebnis

Schwebheims Gemeinderat Christian Hennings hatte nachgeforscht und eine Firma gefunden, die mit der solaren Trocknung in einer Art Gewächshaus die gleichen Ergebnisse verspricht. Der Zwischentransport nach Hofheim wäre so nicht notwendig.

Mit unterschiedlichen Argumenten tauschten die Mitglieder des Zweckverbands das Für und Wider der beiden Methoden aus, ohne einen Beschluss zu fällen. Deshalb muss auch Aidhausens Bürgermeister Dieter Möhring noch auf einen möglichen Beitritt des AZV in den neuen Zweckverband nach Hofheim warten. Möhring zeigte die technischen Fähigkeiten der neuen Anlage auf und äußerte große Bedenken gegen solare Trocknung, wie er sie aus der Praxis kennt. In Hofheim reichen die Kapazitäten, so berichtete der Bürgermeister, für die Kreisgemeinden aus Schweinfurt und den Hassbergen aus. Da beide Landkreise Gesellschafter des GKS sind, seien die Kosten für die Verbrennung relativ gering, meinte Möhring.

In Heidenfeld wird der Klärschlamm für den AZV Unterer Unkenbach in Silos gesammelt und im Faulturm entsteht bei der Trocknung Biogas. Vor rund zehn Jahren, so berichtet Martin Weth, Vorsitzender des AZV, habe man diese Erweiterung fertig gestellt. Auf dem Gelände ist zudem ausreichend Platz, um Klärschlamm solar zu trocknen. Weth schätzt, dass der entwässerte Trockenschlamm aus dem Bereich unterer Unkenbach mit 15 Lkw-Fuhren pro Jahr nach Hofheim gefahren werden könnte, lediglich fünf  Fuhren benötige man dann für die letzte Fahrt zum GKS.

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