Schwebheim

Wirkstoffe aus Schwebheim gehen auch nach Amerika

Die Nachfrage nach Echinacea-Produkten ist in den USA sprunghaft gestiegen. Kräuteranbauer Christian Hennings baut in Schwebheim den Purpursonnenhut an.
Der Sonnenhut lockt mit seinen kräftigen Farben Bienen und Insekten an.
Foto: Hans-Peter Hepp | Der Sonnenhut lockt mit seinen kräftigen Farben Bienen und Insekten an.

"Die Wirkstoffe des Sonnenhuts werden seit langer Zeit in Mitteln zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt!" Christian Hennings, Kräuteranbauer und Bio-Landwirt aus Schwebheim, erklärt sich so die gestiegene Nachfrage nach Echinacea-Produkten, besonders in den USA. 

Hennings baut in Schwebheim den Purpursonnenhut an, eine für unsere Breitengrade typische Art. Die Blüte und die Blätter des Sonnenhutes locken Bienen und Insekten an, es summt und brummt auf dem Feld mit den blühenden Pflanzen.

Der Sonnenhut gedeiht bestens in Schwebheim. Im ersten Jahr werden die Pflanzen mannshoch und strahlen mit ihren Blättern und Blüten weit über das Land. In den kommenden Jahren erreiche man diese Wuchshöhe nicht mehr, erklärt Christian Hennings. Rund drei Jahre kann der Sonnenhut an einer Stelle wachsen. Danach funktioniert das Zusammenspiel zwischen Pflanze, Erde und Wasser nicht mehr richtig. Wie in der konventionellen Landwirtschaft auch gilt auch beim Kräuteranbau in Schwebheim die Regel der Fruchtfolge auf den Äckern.

Im zweiten Anbau-Jahr erreichen die Pflanzen noch eine Wuchshöhe von rund einem Meter. Christian Hennings zeigt dies in einem 'erntereifen' Acker.
Foto: Hans-Peter Hepp | Im zweiten Anbau-Jahr erreichen die Pflanzen noch eine Wuchshöhe von rund einem Meter. Christian Hennings zeigt dies in einem "erntereifen" Acker.

Alle Pflanzenteile werden genutzt

Blüten und Stengel werden von den Erntemaschinen gemäht und gehäckselt, die Wurzeln später aus dem Boden geborgen. Christian Hennings nutzt zur Ernte eine alte Maschine "made in DDR". "Die ist robust, besitzt eine einfache, aber wirkungsvolle Technik und kann gut gewartet werden", meint der Bio-Bauer. Die purpurne Art des Sonnenhuts benötigt viel Wasser, das in Schwebheim zur Zeit noch in ausreichender Menge vorhanden ist. An vielen Stellen findet man Grundwasser in niedriger Tiefe, Felder werden aber auch beregnet.

Tonnenweise wird der in Schwebheim geerntete Sonnenhut zur Verarbeitung zu einem Spezialisten in der Nähe von Stuttgart gefahren.  Dort entstehen sowohl aus den oberirdischen Teilen als auch aus den Wurzeln die Grundstoffe für unterschiedlichste Natur-Medikamente. Interessant für den amerikanischen Markt sind Mittel, die zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten gerade in der Naturmedizin eingesetzt werden, auch zur Linderung bei Schnupfen und Halsentzündung. Das Werk presst mit einer Kraft von bis zu 17 Kilogramm je Quadratzentimeter den Saft aus den Pflanzenteilen, befreit ihn von Trübstoffen und füllt den "Sonnenhut-Saft" ohne Zusatz von Konservierungsstoffen ab. Reststoffe der Produktion wandern als Biodünger zurück in die Landwirtschaft.

In großen Lkw-Aufliegern werden die geernteten und gehäckselten Pflanzenteile direkt von Schwebheim zu den Verarbeitern transportiert.
Foto: Christian Hennings | In großen Lkw-Aufliegern werden die geernteten und gehäckselten Pflanzenteile direkt von Schwebheim zu den Verarbeitern transportiert.

Vom Sonnenhut gibt es auch Sorten, die weniger Wasser benötigen und tiefer wurzeln. Sie unterscheiden sich auch in der Farbe und den Wirkstoffen von der in Schwebheim dominierenden purpur leuchtenden Art.

Nur noch fünf Kräuter-Bauern

Früher gab es in Schwebheim rund 30 Landwirte, die sich auf den Anbau von Kräuter verstanden, derzeit gibt es  im Kräuterdorf gerade noch fünf. Christian Hennings übernahm vor fast genau 30 Jahren den Bauernhof von Hans Fischer, der zum Bürgermeister von Schwebheim gewählt wurde. Er ist im Kräuterdorf bestens vernetzt,wuchs hier auf, engagiert sich seit Jahren für seine Mitbürger und wurde im Mai wieder in den Gemeinderat gewählt. Hennings ist erster Vorsitzender des Schwebheimer Beregnungsvereins und damit Ansprechpartner für Ämter, wenn es um die Bewässerung der Felder  geht. Er pflegt den Kontakte zu den Spediteuren, die die Kräuter tonnenweise direkt in Schwebheim abholen, arbeitet mit den Firmen zusammen und besitzt gute Kontakte nach Übersee.

Wirkstoff und Einsatz in der Medizin

Sonnenhut enthält vor allem Cichoriensäure, Polyethine, Flavonoide (unter anderem Kaempferol vereinzelt ätherische Öle und im besonderen Maße eine Gruppe namens Alkylamide.  Im Internet wird auf ein  Glycosid namens Echinacosid verwiesen, das womöglich entzündungshemmende Eigenschaften hat und das Immunsystem stärken kann. Echinacoside finden sich ausschließlich in den Wurzeln der Echinacea angustifolia und Echinacea purpurea.

Was sagt die Schulmedizin?

Ein Schulmediziner wie Dr. Eckehard Römmelt (Schwanfeld) nutzt Mittel mit Echinacea nicht zur Bekämpfung von Erkältung und Co. Er setzt als eher konservativer Arzt auf andere Arzneien. Diplom-Medizinerin Uta Geiling (Euerbach) dagegen greift auf Mittel mit Wirkstoffen aus dem Sonnenhut zurück, um eine akute Behandlung von Erkältungskrankheiten durch die vermehrte Produktion von weißen Blutkörperchen entgegen zu wirken. Die langfristige Einnahme von Echinacea-Produkten habe aber keinen stärkenden Einfluss auf das Immunsystem, meinte Geiling. Eine Schädigung durch die vermehrte Einnahme von  Echinacea sei allerdings ausgeschlossen.

Blick in ein Feld mit dem Purpur-Sonnenhut.
Foto: Hans-Peter Hepp | Blick in ein Feld mit dem Purpur-Sonnenhut.
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