SCHWEINFURT

Witwerverbrennung

Hanns Peter Zwißler: „Vielleicht tut es manchem Leser ja leid um die beiden“, sagt er über seine beiden Protagonisten.
Foto: Laszlo Ruppert | Hanns Peter Zwißler: „Vielleicht tut es manchem Leser ja leid um die beiden“, sagt er über seine beiden Protagonisten.

Rüdiger Boberg hätte diesen Herbstnachmittag lieber auf seiner Harley verbracht. Mit einer letzten Spritztour in die Haßberge, bevor die Maschine für den Winter eingemottet werden muss. Doch bevor er daheim in die Ledermontur schlüpfen kann, muss er einem Polizisten Einlass in seine Designerwohnung gewähren. Der Polizist teilt ihm mit, dass Bobergs Frau Christina – Ex-Frau, korrigiert Boberg – bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Bei einem selbstverschuldeten, mutmaßlich absichtlichen Unfall als Geisterfahrerin auf der Autobahn.

So beginnt Hanns Peter Zwißlers neuer Roman „Witwerverbrennung“ (Königshausen & Neumann, 16,80 Euro). Der Titel ist symbolisch gemeint. Die Verbrennung findet in Boberg statt. In seinem Gefühl emotionaler Unzulänglichkeit, in seinen Erinnerungen an die fünfjährige Ehe, an gemeinsame Reisen, an Meinungsverschiedenheiten, an Kämpfe. Und in der Frage, ob die Kata-strophe, der Unfall möglicherweise vermeidbar gewesen wäre.

Boberg hat dem Polizisten versprochen, Christinas Zwillingsschwester (zweieiig) zu verständigen. Und während er darauf wartet, Kontakt mit ihr zu bekommen, hängt er seinen Gedanken nach. Er ist ohne Vater aufgewachsen, hat eine enge Bindung zu seiner Mutter. Er ist promovierter Ingenieur, ein bisschen eine Homo-Faber-Figur, also eher rational strukturiert, andererseits durchaus nicht amusisch, in Vielem aber eher vage. Manches ist disparat an diesem Charakter, der vielleicht auch ein wenig exemplarisch für die Generation der um die 40-Jährigen ist: „Es ist kein fester Boden unter dieser Figur, die ja durchaus nicht unsympathisch ist“, sagt Zwißler. „Er ist nie ganz irgendwo angekommen.“

Zwißler ist nah dran an seinem Helden, der einmal mit dieser in guten Zeiten hinreißenden, in schlechten Zeiten anstrengenden Frau mit manischen Zügen zusammen war, die es nie ganz in die Normalität geschafft hat.

Er schreibt farbig, kurzweilig und nicht selten witzig aus der sehr genau beobachteten Perspektive eines wachen, offenen Geistes, der es allerdings ziemlich gut beherrscht, die potenziell bedrohlichen Fragen nach Schuld und Verantwortung auszublenden. Eine weitere Geschichte einer gescheiterten Liebe – mit einer Art unparteiischer Anteilnahme erzählt. „Vielleicht tut es manchem Leser ja leid um die beiden“, sagt Zwißler.

Hanns Peter Zwißler liest am Samstag, 16. März, 12 Uhr, auf der Leipziger Buchmesse, Literaturforum Halle 3 ,buchaktuell': Stand E401. Und am Donnerstag, 16. Mai, 19.30 Uhr, in der Citybuchhandlung Vogel in Schweinfurt, Vorverkauf ab 8. April.

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