Schweinfurt

ZF baut Kleinbus der Zukunft

Gemeinsam mit der Ego Mobile AG hat ZF diesen „People Mover“ entwickelt, einen Kleinbus mit der Länge eines Mittelklassewagens, der 15 Passagiere mitnehmen kann.
Foto: Karl-Heinz Körblein | Gemeinsam mit der Ego Mobile AG hat ZF diesen „People Mover“ entwickelt, einen Kleinbus mit der Länge eines Mittelklassewagens, der 15 Passagiere mitnehmen kann.

Die Zahl klingt ambitioniert: Schon in zwei Jahren will ein neues Gemeinschaftsunternehmen, das ZF mit der Ego Mobile AG eingegangen ist, bis zu 3500 Fahrzeuge produzieren – und das in einer Fabrik, die es heute noch gar nicht gibt. Der Partner des auch in Schweinfurt ansässigen Automobilzulieferers ist eine Gesellschaft, die aus der Technischen Universität Aachen hervorgegangen ist. Dort hat der Professor Günther Schuh den elektrischen Streetscooter entwickelt, mit dem die Post mit großem Erfolg auf den deutschen Straßen Pakete zustellt.

Das Fahrzeug des neuen Unternehmens, an dem ZF zu 40 Prozent beteiligt ist, ist der Ego Mover. Er wird elektrisch betrieben und weitgehend mit Komponenten von ZF – Antrieb, Lenkung, Bremse, Soft- und Hardware – ausgestattet. Vorgesehen in erster Linie für den Stadtverkehr, legen die Hersteller auf Aerodynamik keinen besonderen Wert und schaffen mit dem senkrechten Aufbau Platz für bis zu 15 Insassen – bei der Länge eines Mittelklassefahrzeuges.

Das Fahrzeug eigne sich damit für einen Verkehr unabhängig von festen Linien und für On-Demand-Angebote (auf Abruf) , sagt Schuh. Der Aufbau ist austauschbar, so dass sich der Mover auch als Zustellfahrzeug einsetzen lässt. Teststrecken werden noch in diesem Jahr in Friedrichshafen und Aachen eröffnet. 72 Städte haben bereits ihr Interesse angekündigt.

Daten und Wissen sammeln

Bei der Präsentation des Movers beim ZF Technical Day in Friedrichshafen prognostizierte der seit fünf Monaten amtierende Konzernchef Wolf-Henning Scheider, dass schon 2025 eine Millionen derartiger Fahrzeuge unterwegs sein werden. VW, Daimler oder Renault entwickeln ähnliche Konzepte.

Scheider und Schuh sind jedoch davon überzeugt, dass die Partnerschaft des Unternehmens und der universitätsnahe Firma Ego Mobile schneller zu Ergebnissen kommt. Mit dem Mover werde ZF keineswegs zum Automobilhersteller, erklärte Scheider. Es gehe vielmehr darum, Wissen und Daten für selbstlernende Systeme zu sammeln. Ziel ist ein autonom fahrendes Vehikel.

Lieferfahrzeug für die Stadt

Das autonome Fahren war eines der Hauptthemen der Veranstaltung auf dem ZF-Versuchsgelände am Bodensee. Vorgestellt wurden ein Fahrzeug für die Belieferung auf der letzten Meile. Ein autonom-fahrendes Auto, das emissionsfrei und höchst effizient Warenzustellung in Städten ermöglicht. Der Zusteller muss nicht mehr fahren und parken, das Fahrzeug folgt ihm selbstständig von Haus zu Haus.

Während dies noch Zukunftsmusik ist, ist der automatisierte Betriebshof schon greifbar nahe. ZF rüstet Lkw so aus, dass sie auf geschlossenen Geländen – Fabriken, Speditionen, Flug- oder Seehäfen – ohne Fahrer auskommen und beispielsweise Wechselbrücken selbstständig rangieren. Die für die Vernetzung nötigen Kameras, Radargeräte, Laser und der Hochleistungsrechner stammen allesamt von ZF.

Mit der Übernahme von TRW vor zweieinhalb Jahren hat sich das Unternehmen die dafür nötige Kompetenz erworben. Mit ähnlichen Konzepten arbeitet ZF auch an einer Fabrik der Zukunft.

Hybrid mehr als eine Übergangslösung

Vor allem im Einsatz bei mittelschweren und schweren Lastfahrzeugen sieht Schuh gute Chancen, um den Zugang zu Innenstädten zu sichern. Derzeit sind die Systeme im Dauertest, die Markteinführung steht unmittelbar bevor. Möglich sei ein Spriteinsparung von vier Prozent. „Hier zählt jedes Gramm CO2“, sagt Scheider.

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