Ochsenfurt

Zuckerrüben: Ernte unterdurchschnittlich, Preise im Keller

In der Zuckerfabrik in Ochsenfurt startet die Rübenverarbeitung. Die Erträge sind in diesem Jahr ähnlich schlecht wie das Marktumfeld.
Die Zuckerrübenkampagne 2019 ist gestartet: Am Donnerstag wurden im Raum Gerolzhofen die ersten Rüben zum Abtransport nach Ochsenfurt verladen.
Foto: Klaus Vogt | Die Zuckerrübenkampagne 2019 ist gestartet: Am Donnerstag wurden im Raum Gerolzhofen die ersten Rüben zum Abtransport nach Ochsenfurt verladen.

Mit unterdurchschnittlichen Erträgen und vor dem Hintergrund einer weiterhin angespannten Erlössituation startet die Südzucker AG am Wochenende in ihrer Zuckerfabrik in Ochsenfurt in die Produktionskampagne. Voraussichtlich bis zur Jahreswende wird dort die Ernte aus dem fränkischen Anbaugebiet dort verarbeitet. Auf 24 400 Hektar wurden in diesem Jahr in Franken Zuckerrüben angebaut.

Wie schon im vergangenen Jahr, war das Anbaujahr von langen Trockenperioden gekennzeichnet, sagt Ernst Merz von der Rübenabteilung der Ochsenfurter Zuckerfabrik. "Normalerweise ist der September relativ niederschlagssicher", so Merz. Heuer bleibt der Septemberregen voraussichtlich zum zweiten Mal in Folge aus. Als Konsequenz daraus hat Südzucker die Ertragsprognosen von 70 Tonnen Rüben pro Hektar auf 65 bis 68 Tonnen gesenkt. Der fünfjährige Durchschnitt liegt bei 74 Tonnen. Im vergangenen Jahr haben die hohen Zuckergehalte die geringe Erntemenge zumindest zum Teil ausgeglichen. Heuer bleibt dieser Effekt aus, sagt Ernst Merz.

Auffallend hoch seien die regionalen Schwankungen, sagt auchKlaus Ziegler, Geschäftsführer im Verband fränkischer Zuckerrübenbauer (VFZ). Während im Landkreis Würzburg, insbesondere im fruchtbaren Ochsenfurter Gau, Erträge von 70 Tonnen pro Hektar erzielt werden könnten, liegen die Erwartungen im Raum Rhön-Grabfeld und besonders im Gebiet rund um Gerolzhofen (Lkr. Schweinfurt) aufgrund der sommerlichen Trockenheit deutlich unter 60 Tonnen.

Rüben wie Rettiche

Gerade in der Region Gerolzhofen haben in den vergangenen Wochen die Niederschläge gefehlt. "Der Regen hat Gerolzhofen ausgelassen", weiß Klaus Ziegler. Die Folge: Zuckerrüben, kaum größer als kleine Rettiche, die wie festbetoniert im knochentrockenen Erdreich stecken. Am Donnerstag, als mit dem Verladen und Wiegen der Rüben begonnen wurde, zeigte sich das ernüchternde Ergebnis: Gerade einmal 40 Tonnen auf dem Hektar. Auf die Frage, ob die Landwirte bei so einer enttäuschenden Ernte auf ihre Kosten kommen werden, sagt Rübeninspektor Ernst Merz: "Es wird eng."

Zieglers Hoffnungen ruhen nun auf dem Oktober. Bei ausreichend Niederschlag und spätem Frosteinbruch könnte der Zuckerertrag in dieser Zeit noch um bis zu 20 Prozent ansteigen.

Was die Rübenbauern in diesem Anbaujahr abseits des Ackers beschäftigt hat, sind die  ungünstigen Marktbedingungen. Verursacht durch Produktionsüberschüsse und Exportsubventionen sei der Zuckerpreis am Weltmarkt auf Werte um 280 Euro pro Tonne gefallen, sagt Klaus Ziegler. Innerhalb der EU werde Weißzucker derzeit zu Preisen um 320 Euro je Tonne gehandelt. 400 Euro gelten als Wirtschaftlichkeitsschwelle.

Wie lange das Preistief anhält, sei schwer anzuschätzen, so Ziegler. Analysten gingen allerdings davon aus, dass sich der EU-Zuckermarkt zunehmend vom Weltmarkt entkoppelt und die Preise aufgrund eines Rückgangs der europäischen Produktionsmengen wieder anziehen. Zu dieser Konsolidierung will die Südzucker AG mit der Schließung von fünf Werken in Deutschland, Frankreich und Polen beitragen. 700 000 Tonnen Zucker sollen dadurch jährlich vom Markt genommen werden.

In Franken sinke die Rübenanbaufläche im kommenden Jahr voraussichtlich um rund 1000 Hektar, schätzt der VFZ-Geschäftsführer. Anhaltend sei der Trend zum Anbau von Biorüben. Von derzeit 500 Hektar steige die Anbaufläche für Biorüben innerhalb der kommenden zwei Jahre absehbar auf 900 Hektar. Schon jetzt sind fränkische Rübenbauern für rund eine Drittel der Biozucker-Produktion des Südzucker-Konzerns verantwortlich. Allerdings werden die Rüben nicht in Ochsenfurt verarbeitet, sondern vor der Hauptkampagne im Südzuckerwerk in Rain am Lech.

Lesen Sie auch: Zuckerrübenbauern hardern mit neuen Vorschriften

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