Schweinfurt

Zwei Schweinfurter sind Stars im Silicon Valley

Mesosphere-Gründer Florian Leibert (rechts) und Tobias Knaup aus Schweinfurt.
Foto: Mesosphere, Jesse lash | Mesosphere-Gründer Florian Leibert (rechts) und Tobias Knaup aus Schweinfurt.

Der Telefontermin mit Florian Leibert ist für 17.30 Uhr angesetzt, da startet der Schweinfurter gerade in den Tag. Ein paar „Calls“ mit Deutschland hatte er heute schon, jetzt geht es ins Büro mitten in San Francisco. Zusammen mit seinem Schweinfurter Schulfreund Tobias Knaup führt der 34-Jährige hier eine Firma, in die die namhaften Risikokapitalgeber des Silicon Valley viele Millionen investieren. „Mesosphere“ ist gerade mal vier Jahre alt, aber schon mehr als 200 Mitarbeiter stark.

„Unsere Software ist im Prinzip ein Betriebssystem für Rechenzentren oder auch eine Cloud“, sagt Leibert. Vereinfacht gesagt, kann man damit eine Serverfarm oder eine Cloud wie einen einzelnen Computern steuern, nur dass der dann eben nicht ein paar Gigabyte Arbeitsspeicher hat, sondern unendlich viel. „Skalierbarkeit“ ist hier das Zauberwort der Stunde. Laut Leibert hilft Mesosphere Firmen, sich unabhängig zu machen von Anbietern wie Amazon Web Services, wo man Serverkapazitäten anmieten kann. Mesosphere sei längst nicht nur ein Produkt für IT-Firmen, sondern eigentlich für alle, „die durch die digitale Transformation gehen“.

Das kann ein Limo-Fabrikant oder eine Turbinenfirma sein. „Die müssen sich alle neu erfinden. Die haben ganz viele Sensoren mittlerweile und die produzieren Daten, die gespeichert, analysiert und weiterverarbeitet werden. Bei all diesen Schritten hilft unsere Software.“

Schulfreunde starten durch

Angefangen hat alles in Schweinfurt, Leibert und Tobias Knaup gehen am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in eine Klasse. Beide kommen aus dem Landkreis, Leibert aus Zell, Knaup aus Bergrheinfeld. In ihrer Freizeit kleben die beiden im Stattbahnhof beim Computer Club Schweinfurt an den Rechnern. Als Teenager programmieren sie als „Knaup Multimedia“ für erste Kunden. Leibert geht als Austauschschüler in die USA, der Sohn seiner Gastfamilie, Benjamin Hindman, ist der dritte Mitgründer von Mesosphere.

Heute kommt Leibert meist nur noch zur Weihnachtszeit in die fränkische Heimat. Die Anfänge ihrer Software haben Leibert und Knaup im Silicon Valley bei Twitter und Airbnb entworfen. Gastbruder Benjamin Hindman traf Leibert erst bei Twitter wieder, als er nach seinem Informatikstudium zurück in die Staaten gekommen war. Knaup holte seinen Schulfreund dann zu Airbnb. Die Technologie, damals noch als Open-Source-Lösung, half den Webseiten der Firmen, stabiler zu laufen. Ihre Weiterentwicklung haben sie dann mit Mesosphere kommerzialisiert. „Wir haben erkannt, dass die Technologie nicht nur für Firmen aus dem Silicon Valley interessant ist.“

Millionen eingesammelt

Die Risikokapitalgeber haben sie überzeugt, sie hatten ja schon etwas in der Hand. Bis heute haben sie in mehreren Finanzierungsrunden 126 Millionen Dollar eingesammelt, von namhaften Finanziers wie Andreessen Horowitz, aber auch von Hewlett Packard und Microsoft. Von dem Geld stellen sie im Eiltempo Softwareingenieure ein – die besten Köpfe sind auf dem Markt hart umkämpft. Da sind dann die Annehmlichkeiten und Vergünstigungen für Mitarbeiter, die sogenannten „Perks“, selbstverständlich. Kostenloses Mittagessen, Segeltörns, Kickertisch und natürlich darf hier jeder ganz leger in Sneakers ins Büro kommen – Silicon-Valley-Style eben. Es wäre auch kein anderer Standort für die Firmengründung infrage gekommen: das verfügbare Kapital und die Spezialisten, das gibt es in dieser Dichte nur dort. „Wir müssen enorm viele Ingenieure einstellen, die brauchen Erfahrung in der Skalierung von Webseiten, die Hunderte Millionen Nutzer haben“, sagt Leibert. Welche deutsche Seite kann das schon von sich sagen?

Im vergangenen Jahr hat Mesosphere jetzt aber ein zusätzliches Entwicklungsbüro in Hamburg gegründet, auch hier werden fleißig Leute gesucht. Mehrere Regierungsinstitutionen und Dax30-Unternehmen gehören in Deutschland zu den Kunden. Ein Büro in China soll bald aufgebaut werden, in London gibt es eine kleine Vertriebseinheit. Die Firma geht da hin, wo gutes Personal sitzt. Und stellt dann nicht mal drei, vier Leute ein, sondern gleich eine Menge. „Allein in Hamburg haben wir aktuell 40 Stellen ausgeschrieben.“

Ob ihm dabei nicht manchmal schwindlig wird? „Als wir die 200-Mitarbeiter-Marke überschritten haben, da habe ich schon gedacht: Wow!“ Ein bisschen will Leibert relativieren, auch die Technik und der Markt hätten sich rasant weiterentwickelt. Aber klar, es „wirkt extrem schnell, wie im Zeitraffer“.

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