Theilheim

100 Tage Thomas Herpich: Vom Stand weg in die Vollen

Er war ein kommunalpolitischer Neuling, trotzdem ginge es für den neuen Bürgermeister von Theilheim sofort überall in die Vollen.  Welche Pläne er für die Gemeinde hat.
Theilheims Bürgermeister Thomas Herpich setzt auf neue digitale Strukturen im Rathaus. 
Foto: Melanie Schmidt | Theilheims Bürgermeister Thomas Herpich setzt auf neue digitale Strukturen im Rathaus. 

Nachtwanderung ist angesagt nach dem 100-Tage-Gespräch. Auf der Suche nach einem Leck im Wassernetz  wird Thomas Herpich in der Nacht noch zusammen mit den Mitarbeitern des Bauhofes ausschwärmen und die Theilheimer Kanäle abhorchen. Nein, das habe er sich vorher ganz sicher nie vorgestellt, bestätigt der neue Bürgermeister, dass er so etwas einmal tun würde.

Herpich, Typ anpackender Schatzsucher, nimmt es schmunzelnd mit. Das Leck verursacht allein nachts pro Stunde ein Mehr an Trinkwasserverbrauch von um die 3000 Liter . Er freut sich eher, dass mit dem zurzeit sehr jungen Team im Bauhof Dinge zuverlässig gerichtet werden können. Wasser und Abwasser werden die nächsten Jahre große Themen bleiben. "An Krediten wird kein Weg vorbei führen. Es reicht nicht, sich auf einer stets sinkenden Pro-Kopf-Verschuldung auszuruhen", blickt er voraus.

"An Krediten wird kein Weg vorbei führen."
Thomas Herpich - Seit 100 Tagen Bürgermeister

Dass er selbst einspringt, ist symptomatisch. "Ich mache hier zurzeit zwischen 30 und 50 Prozent Verwaltungsarbeit, was ich als Bürgermeister gar nicht sollte", überschlägt er seine ehrenamtliche Tätigkeit im Rathaus. "Aber ich muss einfach in die Projekte mit einsteigen, um vorwärts zu kommen mit den Aufgaben". Begründet ist das Arbeitspensum von zurzeit 70 bis 80 Wochenstunden auch damit, dass das Rathaus seit Monaten ohne den erkrankten Geschäftsstellenleiter auskommen muss. "Das ist eine echte Schwierigkeit", sagt der kommunalpolitische Neuling Herpich, der sich mit diversen Initiativen bislang eher als "lebende außerparlamentarische Opposition" begriff.

Ungewöhnlich war schließlich auch der Einstieg

Äußerst ungewöhnlich war schließlich auch der Einstieg, bei dem drei der zuletzt gefassten Gemeinderatsbeschlüsse direkt wieder aufzuheben waren, unter anderem weil sie unzulässig (wir berichteten) auf die Arbeit der neuen Gemeinderäte vorgriffen. Auch der Haushaltsplan für das laufende Jahr hatte noch gefehlt.

Für Herpich ging es sofort überall in die Vollen. Er hat sich durchgekämpft, mit seinen "Rookies" - wie die Anfänger im American Football genannt werden – den vielen ebenfalls Neuen im Gemeinderat. Ein Klausurwochenende diente dazu, Ziele zu definieren. Er habe eine extreme Themendichte festgestellt, außerdem: "dass wir sehr nahe beieinander liegen", das Dorf gestalten zu wollen mittels Städtebauförderprogramm. Herpichs Feststellung: "Wir sitzen alle im selben Boot und rudern in die gleiche Richtung – auch bei den Zukunftsthemen wie Natur-, Klima-, Umweltschutz, wo ich nicht ganz sicher war". Der Start ist für ihn gut geglückt. Herpich: "Da baue ich darauf, dass das die nächsten fünfeinhalb Jahre so weitergeht".

Ein Herzensprojekt ist, für eine neue digitale Infrastruktur zu sorgen

Nach zwei Monaten sei er auf Augenhöhe mit den Prozessen der Verwaltung angekommen und könne mittlerweile nicht mehr nur reagieren, wie er sagt. "Extrem positiv war von Anfang an die konstruktive und produktive Zusammenarbeit mit der Verwaltung", benennt er die wichtigste Voraussetzung dafür. "Es macht ja auch Spaß. Das ist so meine Welt, die verschiedenen kleinen Dinge im Griff zu behalten und zu schauen, dass es funktioniert", freut er sich.

Ein Herzensprojekt sei, für eine neue digitale Infrastruktur zu sorgen sowie Verfahrensweisen in der Bearbeitung zu ändern. Ein Dokumentenscanner ersetzt jetzt bereits die Regale in seinem Büro. Wenn alles konsequent digital durchstrukturiert ist, wird sich seine Arbeitszeit halbieren, glaubt er, und trotz Corona ein Mehr an Transparenz bringen, für welche er angetreten sei. Corona koste zwar täglich Zeit, doch gleichzeitig hielt es ihm den Rücken frei, weil keine Messen stattfanden, die der Projekt-Manager als Selbständiger betreut.

Der beste Moment bisher? Es war die Verabschiedung der Viertklässer – einerseits – "weil sie mir tatsächlich zugehört haben". Oder doch die erste Eheschließung, korrigiert der 59-Jährige: "Ich glaube ich war nervöser als das Brautpaar."

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