WÜRZBURG

60 Jahre DAHW: Gesundheit als Menschenrecht!

In Tansania erforscht die DAHW eine mögliche Prophylaxe gegen Lepra. Das Bild zeigt zwei Gesundheitshelferinnen bei der Registrierung der Familienmitglieder eines ehemaligen Patienten. Kontaktpersonen haben ein vier- bis achtfach erhöhtes Infektionsrisiko.
Foto: Jochen Hövekenmeier/DAHW | In Tansania erforscht die DAHW eine mögliche Prophylaxe gegen Lepra. Das Bild zeigt zwei Gesundheitshelferinnen bei der Registrierung der Familienmitglieder eines ehemaligen Patienten.

Es ist das größte Lepra-Hilfswerk Deutschlands und eines der größten weltweit. Gegründet wurde die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe vor 60 Jahren als Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk (DAHW) in Würzburg.

Hier hat die Organisation bis heute ihren Hauptsitz, hier arbeiten rund 50 Angestellte in der Entwicklung, Koordination und Begleitung von aktuell 151 Programmen und Projekten in 20 Ländern. Und natürlich: in der Spendenwerbung. 12,2 Millionen Euro investiert die DAHW in diesem Jubiläumsjahr nicht nur in die Bekämpfung von Lepra und Tuberkulose, sondern genauso in Prävention, Rehabilitation und berufliche Eingliederung.

Empfang durch die Stadt Würzburg

„Gesundheit ist ein Menschenrecht und kein sozialer Luxus“, sagte DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm am Mittwochabend bei einem Empfang der Stadt Würzburg im Rathaus anlässlich des 60-jährigen Bestehens.

Es sind Armutskrankheiten, auf die sich das Hilfswerk konzentriert – sie haben hierzulande so wenig bekannte Namen wie Schistosomiasis, Chagas, Leishmaniose, Elephantiasis oder Buruli Ulcer, die „kleine Schwester“ der Lepra. Die DAHW hat sich in den vergangenen Jahren geöffnet und als Gesundheitswerk breiter aufgestellt.

Kampf gegen Lepra bleibt wichtig

Gleichwohl wird man trotz rückläufiger Fallzahlen nicht müde, auf die Bedrohung durch Lepra und ihre Folgen hinzuweisen und im Kampf gegen die Krankheit nicht nachzulassen. Deshalb investiert die Organisation – mit ehrenamtlichen Mitarbeitern in ganz Deutschland – gezielt in Forschungsprojekte, weil ansonsten für die Lepraforschung kaum Geldgeber aufzutreiben seien.

Dass sich das „Aussätzigen-Hilfswerk“ 2003 in Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe umbenannt hat – daran „knabbert“ die einzige Frau unter den damals sieben Gründungsmitgliedern noch heute. Die 91-jährige Irene Kober verriet dies beim Empfang freimütig im Gespräch mit DAHW-Präsidentin Gudrun von Wiedersperg.

Kober erinnert sich noch gut an ihren 31. Geburtstag, der die Vereinsgründung am Tag darauf zur Folge hatte: „Wir wollten einfach irgendwie helfen.“ Schrecklich seien die Bilder gewesen, die der Journalist Franz Graf Magnis damals aus Äthiopien mitgebracht hatte. Allein die Veröffentlichung der – unbebilderten – Texte war genug: „Wir wurden von Spenden überrollt“, berichtete Kober, „wer wusste denn von Lepra?“

Dass ihr Verein je diese Größenordnung annehmen würde, damit hatten die Gründer 1957 nicht gerechnet. Rund zwei Millionen Leprakranke und rund vier Millionen Tuberkulosepatienten haben seitdem Hilfe der DAHW erhalten. Dabei schaut das Werk nicht nur auf sich selbst: „Ohne unsere Spender und Unterstützer wäre dies alles nicht möglich“, unterstreicht von Wiedersperg.

„Aushängeschild für die Stadt“

Oberbürgermeister Christian Schuchardt würdigte die DAHW als eine der „großen humanitären Bürgerinitiativen der Welt“. Würzburg sei stolz, Ausgangspunkt und bis heute deren Zentrum zu sein. Das Hilfswerk sei ein Aushängeschild der Stadt und Ausdruck internationaler Solidarität.

Die DAHW, bereits seit 1958 in Tansania vertreten, habe auch beim Zustandekommen der Städtepartnerschaft mit Mwanza am Viktoriasee geholfen. Die Organisation versteht sich eben nicht nur als „Anwalt der Armen und Kranken“, wie Geschäftsführer Kömm darlegte, sondern auch als „Mittler zwischen Welten und Kulturen“.
An OB Christian Schuchardt überreichte er zusammen mit Irene Kober einen Antrag, in Würzburg eine Straße oder einen Platz nach Hermann Kober zu benennen.

Der Freistaat ehrt die DAHW im Oktober mit einem Staatsempfang in der Residenz.

 

Daten und Fakten

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) betreut in diesem Jahr 151 Projekte und Programme in 20 Ländern mit 12,2 Millionen Euro. Seit ihrer Gründung am 18. Januar 1957 war die DAHW in 82 Ländern tätig.

Im Jahr 2015 (neuere Zahlen noch nicht verfügbar) sind immer noch mehr als 220 000 Menschen neu an Lepra erkrankt.

Zwar weist die Statistik der Welt-Gesundheitsorganisation WHO lediglich 210 758 Neuerkrankungen aus, allerdings haben einige Länder keine oder fehlerhafte Daten geliefert. Experten der ILEP (Internationale Vereinigung der Lepra-Hilfswerke) schätzen die realistischen Zahlen daher zwischen 220 000 und 250 000.

Mehr als zehn Millionen Menschen sind 2015 an Tuberkulose erkrankt, rund 1,8 Millionen daran gestorben. Täglich sterben fast 5000 Menschen an Tbc. Sowohl Lepra als auch Tbc sind Krankheiten der Armut, Lepra zählt zudem zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTDs). Bereits in den 1970er Jahren hat die DAHW in die Forschung investiert und mit dem Forschungszentrum Borstel die Kombinationstherapie MDT (Multidrug-Therapy, ein Mix aus den Antibiotika Rifampicin, Dapson sowie Clofazimin) entwickelt. Eine erfolgreiche Studie hat die DAHW auf Malta durchgeführt, so dass die MDT 1983 von der WHO als weltweiter Standard eingeführt wurde. Weil Lepra endlich heilbar war, stellte sich der Erfolg schnell ein: Die Zahl der Patienten sank in den 80er Jahren von rund acht Millionen auf rund 600 000.

Frei gewordene Kapazitäten nutzte die DAHW, um Kompetenzen für den Kampf gegen Tbc aufzubauen und Patienten zu unterstützen.

Durch gute Vernetzung in ihren Projektländern ist die DAHW auch ein gefragter Partner bei der Katastrophenhilfe. Beispiele für eine erfolgreiche Kombination von Nothilfe und nachhaltigem Wiederaufbau sind die Engagements nach dem Tsunami in Südostasien 2004, das schwere Erdbeben in Pakistan 2005 oder die Jahrhundertflut ebenfalls in Pakistan 2010. Die DAHW ist Mitglied im Bündnis „Entwicklung hilft“. (Quelle: DAHW)

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