Bergtheim

Ärger in Bergtheim: Grabsteine des Alten Friedhofs umgelegt

Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht: Bauhofmitarbeiter prüften die Standfestigkeit der Grabsteine und legten rund 20 einfach um. Die Bürger sind schockiert.
Ein Foto vom 24. Oktober dieses Jahres auf dem Alten Friedhof in Bergtheim. Gemeindearbeiter hatten instabile Grabsteine umgelegt. Kurz danach wurden sie - so gut es ging - und mit Unterstützung des Fachmanns Tilmar Hornung wieder aufgestellt.
Foto: Irene Konrad | Ein Foto vom 24. Oktober dieses Jahres auf dem Alten Friedhof in Bergtheim. Gemeindearbeiter hatten instabile Grabsteine umgelegt.

In Bergtheim gibt es Ärger. Es geht um die Parkanlage des Alten Friedhofs zwischen der Bahnhofstraße und der Lindenallee. Sie steht seit 1986 als Ensemble unter Denkmalschutz. Im Oktober hatten die Bauhofmitarbeiter der Gemeinde im Alten Friedhof übereifrig und widerrechtlich Grabsteine umgelegt. Mittlerweile sind sie - so gut es ging - wieder aufgestellt und standsicher gemacht worden.

"Die Aktion des Bauhofs war mit mir nicht abgesprochen", zeigt sich Bürgermeister Konrad Schlier zerknirscht. Auch wenn auf dem Alten Friedhof längst keine Beerdigungen mehr stattfinden, gibt es Menschen, die hier die Gräber ihrer Angehörigen besuchen. Dass die Gemeindearbeiter "bei einer Riesendummheit" die Grabsteine umlegten, empfinden viele als pietätlos. Noch dazu kurz vor Allerheiligen, dem traditionellen Tag der Friedhofsbesuche.

Rund 20 Grabsteine sind betroffen

Bürgermeister Schlier ist betreten. Die Bauhofmitarbeiter würden in ihrem Aufgabengebiet relativ selbständig arbeiten. In den Tagen vor Allerheiligen prüften sie routinemäßig die Standfestigkeit der Grabsteine auf dem Neuen Friedhof und ebenso auf dem Alten Friedhof. Weil sie wussten, dass die Parkanlage „Alter Friedhof“ samt sämtlicher Grabmale der Gemeinde gehört, legten sie mit ihren Maschinen die Grabsteine, die nicht mehr standsicher waren, kurzerhand um. "Wir räumen den Alten Friedhof", habe Bauhofleiter Werner Gerber seinerzeit erklärt.

Diskussion über die Grabsteine im Alten Friedhof in Bergtheim (von links:) Bürgermeister Konrad Schlier, Fritz Gerhard und Bildhauer Tilmar Hornung.
Foto: Irene Konrad | Diskussion über die Grabsteine im Alten Friedhof in Bergtheim (von links:) Bürgermeister Konrad Schlier, Fritz Gerhard und Bildhauer Tilmar Hornung.

"Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld", bestätigen Nachbarn und entsetzte Dorfbewohner die Aktion. Rund 20 Grabsteine seien bei der Aktion umgeworfen und großenteils beschädigt worden. "Drei bis vier" waren so kaputt, dass sie von Gemeindearbeitern kurzerhand zur nahen Bauschutt-Recyclinganlage auf einem hohen Schuttberg abgeladen worden waren.

Angehöriger lässt keine Entschuldigung gelten

Im Oktober, nach der Hau-Ruck-Aktion des Bauhofs, sei Bildhauer Tilmar Hornung äußerst schockiert gewesen. Er habe beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege angerufen und sich beim Bürgermeister beschwert. Ein Denkmal sei zu erhalten und Eigentum verpflichtet. Die Gemeinde müsse den Schaden umgehend wieder beheben, so Hornung.

Das wurde von Bürgermeister Schlier sofort in die Wege geleitet. Mehrere Tage lang und unter Hornungs fachkundiger Aufsicht haben die Bauhofmitarbeiter die umgestürzten historischen Grabsteine - so gut es ging - wieder aufgestellt.

Einer, der dennoch keine Entschuldigung gelten lässt, ist der 70-jährige Fritz Gerhard. "Selbst wenn der Papst gekommen wäre und unseren Grabstein hätte mitnehmen wollen, hätte ich nein gesagt." Er will "bis vors Gericht gehen". Vor lauter Ärger über die unsensible Vorgehensweise der Gemeinde könne er nicht mehr schlafen. Unbegreiflich sei das alles.

Bauhofmitarbeiter hatten die Sicherheit der Besucher im Auge

"Ich hätte unseren Grabstein auf eigene Kosten standsicher gemacht, wenn ich nur ein Wort davon gesagt bekommen hätte", beteuert Gerhard. Er forderte die Gemeinde auf, einen neuen Grabstein in gleicher Art und mit gleichen Schriftzügen aufzustellen. Aber das sei aus Denkmalschutzgründen nicht möglich, so Hornung.

Ob die Grabsteine unter diesem Berg auf der Bauschutt-Recyclinganlage noch zu finden sind? Beim Brechen des Bauschutts in der nächsten Woche soll sorgfältig auf Überreste der Grabsteine geachtet werden.
Foto: Irene Konrad | Ob die Grabsteine unter diesem Berg auf der Bauschutt-Recyclinganlage noch zu finden sind? Beim Brechen des Bauschutts in der nächsten Woche soll sorgfältig auf Überreste der Grabsteine geachtet werden.

Der schwarz-schwedische Naturstein der Familie ist nicht mehr da. Er gehört zu denen, die auf dem Schuttberg des Recyclinghofes liegen. Michael Schmitt, Leiter des Recyclinghofes, weiß in etwa, in welchem Bereich die Grabsteine des Alten Friedhofs sein müssten. Er verspricht, beim Brechen der Steine in der kommenden Woche "extrem aufzupassen". Allzuviel Hoffnung habe er jedoch nicht.

Trotz wiederholter Entschuldigung des Bürgermeisters bleibt Fritz Gerhard empört über "diese gefühllose Vorgehensweise der Bauhofmitarbeiter". Das gehe auch anderen Dorfbewohnern so. Bürgermeister Schlier versprach ihm eine öffentliche Entschuldigung.

Selbstverständlich wolle er "kooperativ sein", sagt er. Aber das Kind sei nun mal in den Brunnen gefallen. Die Bauhofmitarbeiter hätten nicht aus "bösem Willen" gehandelt, sondern die Sicherheit der Besucher im Auge gehabt. "Es tut mir unheimlich Leid", bedauert Schlier, dass Gefühle von betroffenen Angehörigen und von geschichtsbewussten Dorfbewohnern verletzt wurden.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Texts wurde nicht deutlich, dass die gesamte Parkanlage "Alter Friedhof" und nicht nur der Friedhof selbst im Besitz der Gemeinde ist. Wir haben die Stelle entsprechend korrigiert.

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