Würzburg

Alltagshelden: Intensivbetten gibt es nicht unendlich

Wie ist es den Helden des Alltags ergangen, die wir zu Beginn der Pandemie besucht haben? "Wir wissen, wir müssen da durch", sagt Pflegedienstleiter Tobias Niederhammer.
Tobias Niederhammer ist für die Organisation und Koordination der Pflege in den Notaufnahmen der  beiden KWM-Standorte  Juliusspital und Missioklinik zuständig.
Foto: Thomas Kreutzer | Tobias Niederhammer ist für die Organisation und Koordination der Pflege in den Notaufnahmen der  beiden KWM-Standorte  Juliusspital und Missioklinik zuständig.

Tobias Niederhammer ist als pflegerischer Leiter für die Organisation und Koordination der Pflege in den Notaufnahmen der Standorte Juliusspital und Missioklinik des Klinikums Würzburg Mitte (KWM), zuständig. Anfang März ging es dort los - mit dem ersten auf Corona positiv getesteten Fall.

"Wir haben inzwischen natürlich viel mehr Routine in der Klinik"

"Wir haben inzwischen natürlich viel mehr Routine in der Klinik", berichtet Niederhammer. "Als die Zahlen  im Sommer zurückgingen, hatte sich alles wieder entspannt. Aber jetzt mit den steigenden Zahlen sind wir natürlich wieder sehr beschäftigt." Zu schaffen sei dies nur durch den Zusammenhalt in einem hochmotivierten Team. "Wir sprechen häufig miteinander und haben regelmäßige Teamsitzungen, in denen jeder seine Sorgen loswerden kann", sagt der Pflegeleiter. "Denn wir wissen, wir müssen da gemeinsam durch, egal, was kommt." 

Die Arbeit mit Vollschutz - also Handschuhen, Kittel, Haube und Visier - bei Verdachtsfällen und bereits positiv Getesteten sei körperlich und seelisch anstrengend. "Aber durch das Team und den Zusammenhalt können wir das bis jetzt ganz gut stemmen. Und wir hoffen, dass das so bleibt."

Was der Pflegeleiter kritisch bewertet: "Wenn ich sehe, wie wir uns über Wasser halten müssen, und den ersten Prellbock spielen,  dann finde ich es schon erschreckend, wenn ich große Demos wie in Leipzig sehe. Und es ärgert mich dann schon, dass diese Leute immer noch nicht begriffen haben, dass das für die Kliniken und die Menschen, die dort arbeiten, eine wirklich herausfordernde Situation ist."

"Es gibt bestimmt ein paar Maßnahmen, über die man streiten kann"

Maskenpflicht und Lockdown light hält Tobias Niederhammer "definitiv" für sinnvoll. Es gebe sicher ein paar Maßnahmen, "über die man streiten kann". Aber man müsse die Zahlen wieder senken: "Weil nämlich jeder Infizierte potentiell ein Kandidat ist, der hier bei uns in die Notaufnahme kommen kann und dann ein Klinik-, Intensiv- oder Beatmungsbett belegt", mahnt der Pflege-Koordinator. "Und diese Betten gibt es, wie wir alle wissen, nicht unendlich."

Niederhammers Wunsch: "Dass die Arbeit hier anerkannt wird, und dass geschätzt wird, was wir tun. Und da geht es mir nicht um Prämienzahlungen sondern um eine Wertschätzung dessen, was wir hier Tag für Tag leisten."  

Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr stellten wir Menschen vor, die während der Ausgangsbeschränkungen das öffentliche Leben aufrecht erhielten. Ein halbes Jahr später haben wir die Helden des Alltags erneut getroffen und gefragt: Wie ist es ihnen seitdem in der Corona-Krise ergangen?

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