Würzburg

Altenheime: Warum werden die Mitarbeiter nicht geimpft?

Vorrang bei den Corona-Impfungen haben momentan die Bewohner der Alten- und Pflegeheime – aber auch auch deren Pflegekräfte. Doch die können sich oft nicht impfen lassen.
Viele Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen stehen im Kontakt mit Corona-Patienten. Doch nicht alle Angestellten können sich impfen lassen.
Foto: Fabian Gebert | Viele Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen stehen im Kontakt mit Corona-Patienten. Doch nicht alle Angestellten können sich impfen lassen.

Auf der Prioritätenliste des Bundesgesundheitsministeriums zu den Corona-Impfungen stehen die Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen ganz oben. Aber auch Mitarbeiter in der ambulanten sowie der stationären Pflege sind in der Liste des Ministeriums zu den Impfprioritäten oben angeordnet. 

Denn häufig sind sie diejenigen, die Kontakt zu Corona-Patienten haben, beispielsweise bei Infektionsausbrüchen in Altenheimen. Dennoch erhält in der Region Würzburg nicht jeder der Mitarbeiter den Impfstoff. 

Mitarbeiter wollen sich impfen lassen

Die Mitarbeiter im Hans-Sponsel-Haus seien noch nicht geimpft worden, sagt Robert Keppner, Leiter des Seniorenheims. Der Impfstoff sei nicht nur für die Bewohner ein Thema, sondern auch für seine 165 Mitarbeiter. Denn rund drei Viertel der Belegschaft wollten sich mit dem Serum gegen das Virus schützen. "Bisher hatten wir die Hoffnung, dass im Rahmen der Impfungen der Bewohner auch die Mitarbeiter geimpft werden können", erklärt der Leiter des Hans-Sponsel-Hauses. Doch das sei mittlerweile ausgeschlossen. Der Impfstoff stehe nur für die Senioren zur Verfügung.

"Das ist kein Vorwurf an das Impfzentrum, die Stadt oder den Landkreis. Die haben nicht mehr Impfstoff."
Alexander Schraml, Vorstand des Kommunalunternehmens des Landkreises Würzburg

Dass die Mitarbeiter in den Senioren- und Pflegeheimen gegen Corona geimpft würden, sei wichtig, findet Alexander Schraml, Vorstand des Kommunalunternehmens des Landkreises Würzburg. Denn nicht nur Senioren, sondern auch jüngere Leute oder Leute mittleren Alters könnten durchaus schwer befallen werden, erklärt er. Auch würde die Mitarbeiterimpfung dem Selbstschutz dienen. "Es besteht noch die Sorge, dass auch geimpfte Menschen Überträger des Virus sein können."

Nur übrig gebliebenes Serum verimpft

Von den insgesamt 400 Mitarbeitern der sieben Pflegeeinrichtungen des Kommunalunternehmens  hätten bisher erst zehn eine Impfung erhalten, berichtet  Schraml. Diese Mitarbeiter hätten den Impfstoff bereits am Tag der ersten Impfung in der Region Würzburg, dem 27. Dezember, geimpft  bekommen, so der Vorstand. Der Grund: An diesem Tag sei Impfstoff übrig geblieben, der verimpft werden musste. "Das ist kein Vorwurf an das Impfzentrum, die Stadt oder den Landkreis", sagt er. "Die haben nicht mehr Impfstoff." 

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Aufgrund der geringen Impfstoffmengen, die zur Verfügung stünden, und der Aufgabe zunächst Bewohner zu impfen, seien lediglich Restmengen an Impfstoff an impfwillige Pflegekräfte verimpft worden, erklärt die Pressesprecherin des Landratsamts Würzburg Eva-Maria Schorno. Damit habe man zu 100 Prozent vermeiden können, dass ungenutzter Impfstoff übrig bleibe. "Lediglich die wenigen Mitarbeiter, die eine Erstimpfung erhalten haben, werden bei der Zweitimpfung auch mit berücksichtigt", so die Pressesprecherin.

38 von 70 Mitarbeitern hatten Corona

Auch im Seniorenzentrum "Fuchsenmühle" in Ochsenfurt stünden die Impftermine für die Mitarbeiter noch aus, sagt Anke Sostmann, Pressesprecherin des Seniorenzentrums. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr hatten sich 38 von den 70 Angestellten der Fuchsenmühle infiziert. Rund 95 Prozent der Mitarbeiter hätten sich nun für eine Impfung entschieden. Bisher hätten jedoch nur zwei Angestellte den Impfstoff zum zweiten Mal erhalten, und ein Mitarbeiter die Erstimpfung. 

"Die Pfleger bilden die Schnittstelle zwischen unserem Heim, den Bewohnern und der Umgebung, sprich der Welt außerhalb unseres Heims", sagt Sostmann. Deshalb ist auch sie dafür, dass neben den Senioren auch die Mitarbeiter der Fuchsenmühle das Impfserum erhalten. 

Impfstoffverteilung weiterhin unklar

Die Frage, wie die Impfstoffe verteilt werden, beschäftigt Schraml. "Wir wissen nicht, nach welchem System der Impfstoff verteilt wird, da haben wir keinen Einblick. Das ist für uns etwas unverständlich." Auch Keppner hofft künftig auf eine klarere Regelung der Impfprioritäten. Klar sei die Regelung bei Bewohnern von Pflege- und Seniorenheimen. Man müsse aber auch unterscheiden können, ob zur höchsten Impfpriorität nur die Pfleger gehören, die im Kontakt mit den Senioren stehen, oder  beispielsweise auch die Mitarbeiter, die in der Verwaltung der Altenheime arbeiten. 

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