HÖCHBERG

Architekturstudent überrascht mit kühnen Plänen

Wie man gestalten könnte, wenn man dürfte wie man wollte, das erfuhr der Bau- und Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung von Johannes Reinhard.
Kühne Pläne: Geht es nach den Ideen des Architekturstudent Johannes Reinhard sähe so die Sanierung und Neugestaltung der Eisernen Hose in Höchberg aus.
Foto: MP-Grafik: Heike Grigull | Kühne Pläne: Geht es nach den Ideen des Architekturstudent Johannes Reinhard sähe so die Sanierung und Neugestaltung der Eisernen Hose in Höchberg aus.

Der Architekturstudent hatte im vergangenen Jahr bei der Gemeinde nach einem Objekt gefragt, über dass er seine Diplomarbeit verfassen könnte und bekam die Möglichkeit, sich mit der „Sanierung und Neugestaltung der Eisernen Hose in Höchberg“ zu befassen.
 
Seine Abschlussarbeit präsentierte er nun dem Gremium.

„Dieser Plan lässt uns reichlich Möglichkeiten zur weiteren Planung“

Peter Stichler Bürgermeister

Zur Veranschaulichung hatte Reinhard nicht nur eine ausgefeilte Power-Point-Präsentation vorbereitet, sondern auch Pläne ausgehängt und drei Modelle angefertigt.

Die Hauptuntersuchung habe dem ehemaligen Jugendzentrum gegolten, das er sowohl bauphysikalisch als auch statisch genauestens unter die Lupe genommen hatte. Dabei kam er zu überraschenden Ergebnissen, von denen auch die Ausschussmitglieder erstaunt waren.

Denn entgegen der üblichen Annahme, das Gebäude sei einsturzgefährdet habe sich gezeigt, dass es sich um ein solides Haus mit dicken Wänden aus dem Jahr 1690 handelt. Besonders beeindruckt zeigte sich Reinhard von der ungewöhnlichen Deckenkonstruktion mit Sprengwerk, dessen Tragfähigkeit seiner Meinung nach mit leichten Mitteln wieder herzustellen sei.

Auch der Gewölbekeller und das ehemalige Billardzimmer seien zweifelsohne erhaltenswert. Die Balkendecke sei von hervorragender Qualität, indes dort, wo die Wände im Laufe der Jahrhunderte falsch gestützt wurden, hätten sich die Böden bis zu 25 Zentimeter abgesetzt.

Daher müsse hier dringend etwas getan werden. Je nachdem wie viel man in die Statik investieren wolle, könne man das Gebäude für alles nutzen.

„Alles ist möglich. Die kostengünstigste Lösung kann man jedoch damit erzielen, wenn man die Räume so klein wie möglich hält“, erklärte er. Deshalb sieht sein Vorschlag eine Arztpraxis vor, da man viele kleine Behandlungszimmer errichten könnte.

Den jetzigen Zugang über den Herrenweg halte er für unsinnig, weshalb er diesen in seiner Planung neben die Treppe legt. Dort wäre zugleich der Einbau eines Aufzuges und somit ein barrierefreier Zugang zum Kirchplatz möglich.

Die Erhaltung des historischen Charakters lag Reinhard besonders am Herzen, nicht zuletzt deshalb, weil das Gebäude im Logo der Marktgemeinde Bestandteil ist.

Dem nicht genug: Weiterhin erarbeitete der Student einen Entwurfsvorschlag über die Treppenanlage zum Kirchplatz sowie über den Neubau eines Bürogebäudes zwischen der „Eisernen Hose“ und der Schulgasse.

Die Eiserne Hose – jetzt ein unattraktiver Grüngürtel ums Gasthaus Lamm – baut Reinhard in seinen Plänen als Weg aus. Die Alte Bibliothek lässt er abreißen, um so genannte Sitzstufen neben der Treppe zu errichten.

Und zum Abschluss noch der Knaller für den Bauausschuss: Platz für eine Tiefgarage mit 14 Stellplätzen unterhalb der Pfarrkirche Mariä Geburt findet der Student auch noch. Und selbst die ist, wie alles in seinen Plänen und Modellen, mit Finessen wie indirekter Beleuchtung ausgestattet.

Reinhard verstand es an diesem Abend, seine Diplomarbeit – die er mit der Note 1,0 abschloss – wie fertige Pläne zu verkaufen. Das verunsicherte das ein oder andere Mitglied derart, dass man dies bereits als beschlossene Sache verstand. Doch Bauamtsleiter Alexander Knahn und Bürgermeister Peter Stichler versicherten: „Ein Student darf in seiner Diplomarbeit fast alles.“

Keine beschlossene Sache, aber sehr wohl eine fundierte Untersuchung stelle diese beeindruckende Arbeit dar, die „uns reichlich Möglichkeiten zur weiteren Planung lässt“, stellte Bürgermeister Stichler fest. Dem konnte der Bau- und Umweltausschuss nur zustimmen und sie bedankten sich bei dem nun mittlerweile diplomierten Architekten.

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