Würzburg

7 Tipps zum Aufräumen und Ausmisten: Wie man unnötigen Ballast loswird

Ständig sammeln sich Dinge in der Wohnung an, die wir eigentlich nicht brauchen. Da hilft nur: Platz schaffen! Ordnungsexpertin Carina Schütz hat Tipps gegen das Chaos.
Ausmisten und aufräumen – das tut nicht nur der Wohnung gut, sondern der ganzen Familie, sagt die Würzburger Verbraucherberaterin Carina Schütz.
Foto: Silvia Gralla | Ausmisten und aufräumen – das tut nicht nur der Wohnung gut, sondern der ganzen Familie, sagt die Würzburger Verbraucherberaterin Carina Schütz.

Während des Corona-Lockdowns verbringen die Menschen wieder viel mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden. Da fallen einem plötzlich all die unnützen Dinge auf, die einem in der Wohnung im Weg sind. Anscheinend liegt das Sammeln von Dingen in unseren Genen. Doch während man in der Steinzeit Beeren, Wurzeln oder Früchte sammelte, horten wir heute Schuhe, Bücher und sonstigen Krempel. "Das Entrümpeln der Wohnung schafft nicht nur mehr Struktur im Alltag, es sorgt auch für Ordnung im Kopf und das kann sehr befreiend sein", sagt Carina Schütz, Rechtsberaterin und Ordnungsexpertin beim VerbraucherService Bayern in Würzburg.

Ausmisten und aufräumen – das tue nicht nur der Wohnung gut, sondern der ganzen Familie, sagt Schütz: "Wir sparen dadurch Zeit und Geld." Eine ordentliche Wohnung sei schneller geputzt und biete mehr Wohlfühlpotenzial. Und wer konsequent und regelmäßig ausmiste, schaffe nicht nur mehr Platz. Er tue, wenn er die ausgemisteten Sachen nicht einfach bloß wegwirft und entsorgt, auch etwas für die Nachhaltigkeit.

"Doch oft fühlen sich Menschen beim Aussortieren derart überfordert, dass sie schnell frustriert sind oder gar nicht erst anfangen wollen", sagt Schütz. Der VerbraucherService bietet deshalb jetzt Ordnungsseminare an. Und Carina Schütz gibt Tipps, wie man Frustration beim Ausmisten vermeiden und das Entrümpeln durch ein systematisches Herangehen vereinfachen kann.

Um systematisch ans Ausmisten heranzugehen, hilft eine Checkliste. 
Foto: Patty Varasano | Um systematisch ans Ausmisten heranzugehen, hilft eine Checkliste. 

1. Weniger Frust durch Systematik: Checkliste erstellen

"Erstellen Sie eine Checkliste, wie Sie beim Ausmisten der Wohnung vorgehen wollen", sagt Schütz. Wichtig dabei sei, dass man sich nicht alles auf einmal vornimmt, sondern klein anfängt. Wie alles andere im Leben sei auch Ausmisten Übungssache. "Fangen Sie mit Bereichen an, die Sie jeden Tag sehen", empfiehlt die Expertin. Die Freude am Ergebnis sei Motivation weiterzumachen. Von Vorteil sei es auch, sich beim Ausmisten Hilfe zu suchen: "Am besten von Menschen, die mit Ihnen im Haushalt leben."

Verkaufen, verschenken oder entsorgen: Geeignete Tüten oder Kartons helfen, Ordnung zu schaffen.
Foto: Patty Varasano | Verkaufen, verschenken oder entsorgen: Geeignete Tüten oder Kartons helfen, Ordnung zu schaffen.

2. Ausmisten in drei Kategorien

Viele Menschen haben Probleme, sich von Dingen zu trennen. Fast jeder kennt die Ein-Jahr-Faustregel: "Wenn Sie eine Sache mindestens ein Jahr nicht benutzt haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie die Sache auch in Zukunft nicht benutzen." Schütz rät, drei Kategorien zu bilden: Die erste umfasst Dinge, die wir häufig brauchen. Diese sollten einsatzbereit dort aufbewahrt werden, wo wir sie benötigen. Kategorie zwei sind Sachen, die wir selten benötigen, wie Plätzchen-Ausstecher oder Liebgewonnenes, wie Andenken oder Fotos.

In der dritten Kategorie landet Ungenutztes, Kaputtes und Überflüssiges. "Halten Sie hierfür  ausreichend Kartons und Säcke bereit, damit diese Dinge möglichst zeitnah aus der Wohnung transportiert werden können", so Schütz. Das sei wichtig.

Weniger ist mehr: Ausmisten verschafft mehr Klarheit. 
Foto: Patty Varasano | Weniger ist mehr: Ausmisten verschafft mehr Klarheit. 

3. Warum weniger mehr ist

Eigentlich sollten wir uns bei jedem Kauf fragen: "Brauche ist das wirklich?", sagt Schütz. In den vergangenen 50 Jahren ist die Anzahl der Dinge in deutschen Haushalten enorm angewachsen. Vor 100 Jahren kam ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland mit rund 180 Gegenständen aus. Heute sind es laut statistischem Bundesamt rund 10 000 Dinge, die der Deutsche in seinen vier Wänden hortet. Wie viele davon benutzen wir wirklich? Schätzungen zufolge nehmen wir nur 20 Prozent der Dinge oft und gerne in die Hand. Tatsache ist auch: "Chaos kann belastend sein", sagt Carina Schütz. Es koste Zeit, Geld, Energie und schränke die Lebensqualität ein.

Alles, was man nicht verkaufen oder auf den Flohmarkt tragen will, kann man zum Beispiel vor die Haustüre in eine 'Zu verschenken'-Kiste stellen.
Foto: Patty Varasano | Alles, was man nicht verkaufen oder auf den Flohmarkt tragen will, kann man zum Beispiel vor die Haustüre in eine "Zu verschenken"-Kiste stellen.

4. Wohin mit den aussortierten Sachen?

Wenn alles ausgemistet ist, stellt sich die Frage: Wohin mit den ganzen Dingen? Für einen Flohmarkt aufbewahren, spenden, einlagern oder zum Upcycling verwenden. Der letzte Ausweg: entsorgen. "Sicher gibt es bei Ihnen Dinge, die anderen eine Freude machen oder die andere noch nutzen könnten." So könne man Kleidung zum Beispiel an die Flüchtlingshilfe, Kleiderkammern oder die Caritas spenden oder über Kleinanzeigen in der Zeitung oder im Internet anbieten. 

Auch Schwarze Bretter im Supermarkt eignen sich, um Dinge loszuwerden. Sie können auch eine  Kiste vor Ihre Tür stellen und in großen Buchstaben "Zu verschenken" darauf schreiben, sagt Schütz. "Wenn Sie an einer belebten Straße wohnen, können Sie so viele Dinge in wenigen Stunden loswerden." Bücher, DVDs, Spiele und CDs könne man gut im Internet - zum Beispiel über momox - anbieten.

5. Was beim Verkaufen zu beachten ist

Carina Schütz erklärt bei ihren Seminaren auch, was beim Verkaufen auf eBay Kleinanzeigen zu beachten ist. Damit es dabei keine rechtlichen Probleme gibt, rät sie auf jeden Fall folgenden Satz in die Anzeige zu schreiben. "Der Verkauf erfolgt unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung." Etwaige Mängel dürfe man in der Produktbeschreibung nicht verschweigen. Auch sollte man sich klar machen, dass durch eine Zusage im Chat ein verbindlicher Kaufvertrag zustande kommen kann, den es zu erfüllen gilt. Ein Widerrufsrecht habe der Käufer – anders als gegenüber einem Unternehmer – hier nämlich nicht.

Viele Dinge, die wir nicht mehr brauchen, können vielleicht anderen noch eine Freude machen. Flohmärkte bieten sich an, um solche Dinge zu verkaufen.
Foto: Getty Images | Viele Dinge, die wir nicht mehr brauchen, können vielleicht anderen noch eine Freude machen. Flohmärkte bieten sich an, um solche Dinge zu verkaufen.

6. Wie man einen Flohmarkt vorbereitet

Wer lieber offline – auf einem Flohmarkt – verkaufen möchte, sollte gut vorbereitet sein: "Man braucht Tische und Kleiderstangen, Decken, Wechselgeld, Tüten und Taschen, Klebeband und eine Sitzgelegenheit", sagt Schütz. Die Preise sollte man sich nach Möglichkeit schon vorher überlegen. Da die Preisvorstellungen anfangs häufig zu hoch sind, rät Schütz dazu, sich folgendes vor Augen zu halten: "Es ist weitaus wahrscheinlicher 100 Dinge für je einen Euro zu verkaufen, als eine Sache für 100 Euro." Wer nicht mehr viel mit nach Hause nehmen möchte, packt am besten eine Ein-Euro-Kiste oder einen "Zu verschenken"-Karton zusammen.

Der letzte Ausweg: Die Fahrt zur Entsorgung auf einem Wertstoffhof.
Foto: Carina Schütz | Der letzte Ausweg: Die Fahrt zur Entsorgung auf einem Wertstoffhof.

7. Endstation Wertstoffhof 

Was sich partout nicht verkaufen oder verschenken lässt, wandert auf den Wertstoffhof. Dort werden Hausrat und Sperrmüll kostenlos angenommen. Der Sperrmüllabholservice kommt je nach Region für 0 bis 40 Euro. Für Sondermüll, wie Farbe oder Batterien, kann eine Gebühr anfallen, hier sollten sich Verbraucher vorab entsprechend informieren. Wer beim Aufräumen auf alte, kaputte oder ungenutzte Smartphones stößt, kann diese noch bis zum 18. März 2021 (unter Einhaltung der Abstandsregelungen) in der Beratungsstelle des VerbraucherService Bayern (Theaterstraße 23, 97070) für einen guten Zweck spenden.

Das nächste Ordnungsseminar mit Carina Schütz findet am 25. Februar um 17 Uhr statt.
Anmeldung hier oder telefonisch beim VerbraucherService Bayern unter (0931) 30 50 80.

Tipps von Carina Schütz: So sortiert man richtig aus

Küche: Hier herrscht das Chaos meist hinter den Schranktüren. Aussortieren können Sie angeschlagenes Geschirr, zerkratzte Pfannen, defekte Geräte und unbenutzte Utensilien. Tipp: Räumen Sie nur die Dinge in den Schrank zurück, die Sie in den letzten drei Monaten gebraucht haben und achten Sie darauf, Arbeitsflächen nicht unnötig vollzustellen. Abgelaufene Lebensmittel sollten sorgfältig auf ihre Genießbarkeit überprüft oder entsorgt werden.
Wohnzimmer: Hier sollte man statt auf offene Regale eher auf Schränke und Schubladen setzen, um optisch Ruhe in den Raum zu bringen. Darin sollten sich nur noch die Lieblings-DVDs befinden, sowie Foto-Alben und vollständige Spiele, die regelmäßig gespielt werden. Bei Büchern ist es sinnvoller, sie zu leihen, statt zu kaufen. Auch sollte man sich von Sachen trennen, die man nie richtig benutzt hat. Hierunter fallen vor allem Musikinstrumente, die keiner spielen kann und ungenutzte Sportgeräte, die einen vorwurfsvoll anschauen.
Schlafzimmer: Was Sie sofort aussortieren können sind Bettbezüge, die nicht zu den Decken und Kissen passen, kaputte Bettbezüge, Laken und Kissen, tote Pflanzen, Bücher, die Sie nie lesen, Lesebrillen mit den falschen Gläsern. Die meisten ungenutzten Dinge finden sich mit Sicherheit im Kleiderschrank. Auch hier hilft die Ein-Jahres-Regel: Alles was man ein Jahr lang nicht getragen hat, kann weg. Alternativ kann man an einem verregneten Samstag den ganzen Schrank aus- und nur die Dinge einräumen, die man gerne trägt.
Badezimmer: Ähnlich wie beim Kleiderschrank sollte man am besten alles aus- und nur die tatsächlich genutzten Produkte wieder einräumen. Abgelaufene Medikamente, Sonnencremes, jahrealte Pröbchen und Lippenstifte in Farben, die Sie nicht mögen, dürfen rausfliegen, genauso wie eingetrockneter Nagellack und der angelaufene Duschvorhang.
Lagerräume: Garage, Dachboden und Keller sind sozusagen der Endgegner und sollten erst nach einiger Übung angegangen werden. Hier helfen durchsichtige Aufbewahrungsboxen dabei, den Überblick zu behalten.
Buchtipps: Ordnung nebenbei: Aussortieren, aufräumen, aufatmen - Mehr Ordnung und Klarheit - Individuelle Tipps - Psychologische Tricks. Stiftung Warentest 2019. 16,90 Euro.
My Green Home: Dein Guide für ein nachhaltiges Zuhause. Knesebeck Verlag 2020. 26 Euro.
Quelle: Carina Schütz
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