Würzburg

Ausbau in Würzburg: Sonderpädagogen braucht das Land!

Inklusion und Integration - für Schulen eine gewaltige Herausforderung. Um die nötigen Lehrkräfte dafür zu haben, wird die Sonderpädagogik an der Uni Würzburg ausgebaut.
Das Institut für Sonderpädagogik am Wittelsbacherplatz wird um einen Lehrstuhl erweitert.
Foto: Robert Emmerich | Das Institut für Sonderpädagogik am Wittelsbacherplatz wird um einen Lehrstuhl erweitert.

Der Freistaat will die Inklusion voranbringen, immer mehr Kinder mit und ohne Förderbedarf werden gemeinsam unterrichtet. Das fordert die Lehrkräfte und bedeutet: Es werden dringend mehr Sonderpädagogen gebraucht. Deshalb soll die Zahl der Studienplätze in Bayern um die Hälfte steigen: Die Universität Regensburg kommt als dritter Standort mit einer neuen Fakultät hinzu, mit Erstsemestern voraussichtlich ab dem Wintersemester 2020/21. In München und Würzburg werden die Kapazitäten ausgebaut.

Sechster Lehrstuhl: Schwerpunkt Sehbehinderten-Pädagogik

So erhält die Sonderpädagogik der Würzburger  Universität ab Oktober einen sechsten Lehrstuhl speziell für Sehbeeinträchtigungen – eine Fachrichtung, die es fürs Studium in Bayern bislang nicht gibt. Praktische Expertise und Kooperationsmöglichkeiten bietet in Würzburg die Blindeninstitutsstiftung. Der künftige Lehrstuhlinhaber - die Stelle war bis März ausgeschrieben - soll auch die allgemeine Heil-, Sonder- und Inklusionspädagogik unterstützen.

In Gang gesetzt wurde der Ausbau in Bayern durch die fraktionsübergreifende „Arbeitsgruppe Inklusion“ im Landtag und deren Vorsitzenden Norbert Dünkel. Der mittelfränkische CSU-Politiker verweist auf das Fehlen von sonderpädagogischem Fachpersonal: Immer mehr Schüler seien im Unterricht verhaltensauffällig, dazu komme die Inklusion von Kindern mit Behinderung und die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund.

Bald über 300 Plätze für Studienanfänger in Würzburg

Der neue, sechste Lehrstuhl für Sonderpädagogik in Würzburg soll ab Oktober eingerichtet und voraussichtlich zum Sommersemester 2020 besetzt werden. So steht es in den kürzlich unterzeichneten Zielvereinbarungen der Uni mit dem Wissenschaftsministerium.  Vor allem an Förderschulen sei der Bedarf an Sonderpädagogen groß, heißt es darin.

Derzeit hat die Uni fünf Lehrstühle für die spezielle Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen, Verhaltensstörungen, Geistiger Behinderung, Sprachheil- und Körperbehindertenpädagogik. Sie wurden vor einem Jahr mit jeweils einer Mittelbaustelle verstärkt. Die Plätze für Erstsemester konnten damit auf 276 erhöht werden, durch den neuen Lehrstuhl sollen mindestens weitere 30 folgen.

Würzburg neben München die wichtigste Anlaufstelle

Weil Regensburg erst aufgebaut wird, bleibt die Uni Würzburg - neben München - in Bayern der wichtigste Ausbildungsort für künftige Sonderpädagogen. Rund 1500 Studierende sind laut Uni-Pressestelle für die Lehramtsstudiengänge eingeschrieben, hinzu kommen knapp 300 Bachelor- und Masterstudierende. Der neue Lehrstuhl besteht aus einer Professur, drei Mitarbeiterstellen und einem halben Verwaltungsposten. 

Professor Roland Stein, geschäftsführender Vorstand des Instituts für Sonderpädagogik, freut sich über den Zuwachs. Mit dem Schwerpunkt der Pädagogik bei Blindheit und Sehbehinderung werde eine Lücke geschlossen. Bundesweit gebe es nur sehr wenigen Professuren für diesen Bereich. Neue Konkurrenz durch die entstehende Sonderpädagogik in Regensburg fürchtet er nicht: "Das entlastet die beiden anderen Standorte."

SPD-Abgeordneter Halbleib mahnt Gesamtkonzept an

Der Ochsenfurter SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib hält den Ausbau für einen "Schritt in die richtige Richtung". Vor zehn Jahren sei die Behindertenrechtskonvention beschlossen worden. Mit Blick darauf fehle allerdings noch "ein Konzept, wie der sonder-, sozial- und heilpädagogische, pflegerische und psychologische Sachverstand in allen Schularten und als Aufgabe des gesamten Schulsystem umgesetzt werden kann", schreibt er in einer Mitteilung.

Im Aufbau einer Sehbehinderten- und Blindenpädagogik in Würzburg sieht er einen "Gesinnungswandel" der Staatsregierung: Noch vor drei Jahren habe sie auf SPD-Anfrage das Fehlen der Fachrichtung mit dem geringen Bedarf begründet.

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