Würzburg/Schweinfurt

Badeunfälle: Warum die Zahlen im Corona-Sommer steigen könnten

Die Prognose des Präsidenten des Deutschen Schwimmlehrerverbandes sieht düster aus: Er rechnet in diesem Jahr mit 20 Prozent mehr Badeunfällen. Was das mit Corona zu tun hat.
In diesem Jahr wird ein Anstieg der Zahl von Badeunfällen befürchtet.
Foto: Carsten Rehder, dpa | In diesem Jahr wird ein Anstieg der Zahl von Badeunfällen befürchtet.

Das Getümmel in den Becken der Freibäder in der Region ist derzeit überschaubar. Viele schwimmen im Corona-Sommer aufgrund der Auflagen in Bädern lieber in Flüssen oder Seen. Der Nürnberger Alexander Gallitz, Präsident des Deutschen Schwimmlehrerverbandes, befürchtet daher eine deutliche Zunahme der Badeunfälle. "Wir müssen mit einem Anstieg von mindestens 20 Prozent rechnen", prognostiziert der Nürnberger im Gespräch mit der Redaktion.

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Ob an Stränden der Nord- und Ostsee oder an Flüssen und Seen in Bayern – all jene Urlauber, die jetzt normalerweise am sicheren Hotelpool oder in Freibädern liegen würden, seien nun in gefährlichen Gewässern unterwegs, so Gallitz. Das betreffe die Region Unterfranken genauso wie alle anderen Regionen in Deutschland.

Weniger Menschen im Wasser machen die Aufsicht in Freibädern leichter.  
Foto: Thomas Frey, dpa | Weniger Menschen im Wasser machen die Aufsicht in Freibädern leichter.  

"An der Ostsee müssen zur Zeit täglich Menschen aus dem Wasser gezogen werden, die sich überschätzt haben. Badeunfall heißt ja nicht gleich Tod durch Ertrinken", so Ex-Leistungsschwimmer Gallitz weiter. Sein Appell: "Verstärkt aufeinander aufpassen, sich im Auge behalten, nicht nur aufs eigene Kind starren. Und im Notfall Hilfe holen, sich also bitte keinesfalls selbst in Lebensgefahr bringen."

Ansturm auf Badegewässer in Unterfranken

2019 sind in Unterfranken laut DLRG-Statistik elf Menschen bei Badeunfällen gestorben. Diese Zahl könnte sich, so Gallitz, nun signifikant erhöhen. Tatsächlich tummeln sich in Badeseen, im Main und in anderen unterfränkischen Gewässern schon jetzt jede Menge Menschen. Den Überblick zu behalten, ist bei dem Ansturm an heißen Tagen oft schwer. Auch für die Profis von Waserwacht und DLRG. Was die Region erwartet, wenn die Sommerferien Ende des Monats losgehen, kann man nur erahnen. 

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Udo Niehaus aus Schonungen (Lkr. Schweinfurt) ist Vorsitzender des DLRG-Bezirksverbandes Unterfranken. "Grundsätzlich erwarten wir ein erhöhtes Besucheraufkommen an den heimischen Gewässern und daraus resultierend die Gefahr von steigenden Ertrinkungszahlen auch in Bayern", sagt er. Allerdings lasse sich aus den Beobachtungen der letzten Jahre keine valide Prognose der Zahlen ermitteln. So habe man schon in heißen Sommern wider Erwarten weniger Badetote registriert als in verregneten Sommern.

DLRG wacht an relevanten Stellen der Region 

"Aus der Corona-Pandemie mit verändertem Besucherverhalten an heimischen Seen verbietet sich dann einfach eine Prognose", so Niehaus. Die DLRG werde entsprechende Wachdienste an den relevanten Stellen in Unterfranken sicherstellen und jedem möglichen Opfer die bestmögliche Hilfestellung leisten. 

Die Teilnehmer eines Stand-up-Paddling-Kurses machen an der Mainlände in Eibelstadt (Lkr. Würzburg) ihre ersten Versuche mit dem Bord. Für einen solchen Spaß ist es wichtig, sicher schwimmen zu können.    
Foto: Daniel Peter | Die Teilnehmer eines Stand-up-Paddling-Kurses machen an der Mainlände in Eibelstadt (Lkr. Würzburg) ihre ersten Versuche mit dem Bord. Für einen solchen Spaß ist es wichtig, sicher schwimmen zu können.    

Mehr denn je steht durch die zu erwartenden Gefahren im Sommer der Pandemie ein Problem im Fokus, das seit vielen Jahren offenbar nicht in den Griff zu bekommen ist: Die mangelnde Schwimmfähigkeit im Land. "Nicht nur bei Kindern, auch bei Erwachsenen sieht es schlimm aus" , sagt Schwimmlehrer Alexander Gallitz. 60 bis 70 Prozent würden als nicht schwimmsicher gelten, beherrschten es nicht, unter Wasser auszuatmen oder sich vom Wasser tragen zu lassen.  Als schwimmsicher gilt, wer 200 Meter zurücklegen und sich unter Wasser orientieren kann.  

Corona: Ausgefallene Schwimmkurse verschärfen Problem 

Etliche Schwimmkurse sind aktuell wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. In Bayern gibt es aktuell weiterhin keine Freigabe für die Kurse. Das bedeutet, dass weitere Kinder nicht ausgebildet in die Sommerferien starten und damit gefährdet sind. "Das Seepferdchen reicht nicht aus", betont Gallitz. Und wer sich nicht traue, mit dem Kopf unter Wasser zu tauchen, werde es in einer Notsituation schwer haben. 

Deutscher Schwimmlehrerverband: Präsident Alexander Gallitz setzt sich für die Schwimmfähigkeit der Menschen im Land ein und kritisiert das Schulschwimmen in Bayern, bei dem durch strenge Notenvorgaben die Lust am Schwimmen baden gehe.   
Foto: Michael Siegmund | Deutscher Schwimmlehrerverband: Präsident Alexander Gallitz setzt sich für die Schwimmfähigkeit der Menschen im Land ein und kritisiert das Schulschwimmen in Bayern, bei dem durch strenge Notenvorgaben die Lust am ...

"Schwimmen lernt man auch nicht in einem einzigen Kurs, das ist ein Prozess, der dauert – die Elemente bauen aufeinander auf." 50 Stunden, so die Schätzung, brauche man, um sicher schwimmen zu lernen. Niemand könne erwarten, dass ein Kind nach einem Anfänger-Schwimmkurs in der Lage sei, das Brustschwimmen zu beherrschen.

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