WÜRZBURG

Beste Weinlage: Höllisch heiß im Höllenschlund

Schweißtreibend: Im „Höllenschlund“, Würzburgs heißester Weinlage, hat Betriebsleiter Arnulf Hanf  vom Staatlichen Hofkeller schon viel Schweiß vergossen.
Foto: NORBERT SCHWARZOTT | Schweißtreibend: Im „Höllenschlund“, Würzburgs heißester Weinlage, hat Betriebsleiter Arnulf Hanf vom Staatlichen Hofkeller schon viel Schweiß vergossen.

Wo hat Würzburg seinen „Höllenschlund“? Und warum wächst ausgerechnet da der beste Wein Frankens, wenn nicht sogar der allerbeste? Hier wurde schon ein Riesling mit 265 Öchsle geerntet. Der Riesling zählt zur Königssorte unter den Weinen weltweit. Er reift sehr spät. Vom Allerfeinsten! Der „Höllenschlund“ ist das Ende der „Inneren Leiste“, der Nobel-Weinlage am Festungsberg. Es ist ein reiner Südhang, auf den die Sonne im Sommer von früh bis spät brennt. Der „Höllenschlund“ ist die Steigerung, weil es hier auch noch um eine extreme Hanglage geht.

Betriebsleiter und Weinbautechniker Arnulf Hanf vom Staatlichen Hofkeller, der inklusive „Schlossberg“ deutlich mehr als die Hälfte der Inneren Leiste bewirtschaftet, hat bislang auch keine andere Begründung für den Namen „Höllenschlund“ gefunden, den Weinbergsarbeiter erfunden haben. Seit dem 17. Jahrhundert wird hier Wein angebaut. Und es ist an Hochsommertagen wirklich „höllisch“ heiß“. Wer da noch Handarbeit leisten muss, dem brennt der trockene Schlund.

Wenn Thermometer platzen

Bestätigt wird das durch alljährliche Erfahrungen. Arnulf Hanf zeichnet für den Deutschen Wetterdienst seit mehr als 15 Jahren Daten auf. Im Bereich „Höllenschlund“ platzt jedes Jahr das Thermometer, weil die Temperaturen über 50 Grad gehen. Maximale Temperaturen sind nicht bekannt, dafür bräuchte man Spezialgeräte. Hanf geht von über 60 Grad an Hochsommertagen aus. Die Mitarbeiter in den Weinbergen sind deshalb an den Hitzetagen schon frühmorgens ab fünf Uhr in den Weinbergen. In der Gluthitze am späten Nachmittag kann es passieren, dass sogar die Dieselmotoren der Traktoren streiken. Ganz abgesehen davon, dass man sie nicht mehr anfassen kann, weil sie förmlich glühen.

Für den Weinbau an sich ist diese Situation am Festungsberg absolut nicht die Hölle. Als Ende des 17. Jahrhunderts aufgrund der fortschreitenden „Kriegskunst“ die ganzen Festungshänge für ein freies Schussfeld für Artillerie und Handfeuerwaffen gerodet wurden, merkte man sehr schnell, wie vorzüglich sich die windgeschützten, sonnigen Hänge für den Weinbau eigneten. Seither wird hier ohne Unterbrechung Wein angebaut. Das Kleinklima ist hervorragend, so Arnulf Hanf. Der Boden, ein fortgeschritten verwitterter mittlerer Muschelkalk, ist optimal. Vergleichbares findet man in Franken bestenfalls noch in extremen Steillagen. Da fällt ihm nur noch der Homburger Kallmuth ein, oder der Randersackerer Pfülben. Nur ist in Würzburg das ganze Szenario auch noch von der Festung Marienberg gekrönt.

„Sauerampfer“ am Gegenhang

Der Weinbau in Würzburg insgesamt ist deutlich älter. Am Stein beispielsweise. Nur wurden in früheren Jahrhunderten nicht nur Südhänge mit Weinreben bepflanzt. Der ganze Gegenhang am Käppele war Weinberg. Da konnte nur ein „Sauerampfer“ gedeihen. Mit den hohen Qualitätsansprüchen ist zuletzt auch aus Marketing-Gründen die „Äußere Leiste“ verschwunden und nur noch die berühmte „Innere Leiste“ übrig geblieben.

Es sind also ideale Voraussetzungen für die etwas sensibleren Rebsorten Silvaner und Riesling, die hier ausschließlich angebaut werden. Da sind „große Gewächse“ und Spätlesen im Grunde jedes Jahr garantiert. Die Winzer können grundsätzlich, auch in einem schlechteren Jahr, von einem Most zwischen 90 und 110 Öchsle ausgehen.

Eine Besonderheit im „Höllenschlund“ ist dann noch das „Schänzle“ , wie die Mitarbeiter der Leiste sagen. Das ist ein Ausleger der Festungsanlagen zur Stadt hin, der neben der Südlage den totalen Schutz hat, weil er rundum von historischem Gemäuer umgeben ist. 1999 wurde das „Schänzle“ mit Silvaner bepflanzt. Geerntet wird exklusiv für den Würzburger Vogel-Verlag, der dort auch mit Rundumblick auf die Stadt für gute Kunden gelegentlich Veranstaltungen abhält.

Von den etwas mehr als 100 Rebstöcken werden im Normalfall zwischen 200 und 300 Liter bestes Lesegut geerntet und separat vergoren. Das sind dann Tropfen, die garantiert nicht käuflich sind.

Wobei die Meinungen, was wirklich der „Höllenschlund“ ist, wohl auseinandergehen. Gerhard Weiler, Leiter der Staatlichen Schlösserverwaltung in Würzburg, ist sich ziemlich sicher, dass der „Höllenschlund“ just das ist, was die Winzer als „Schänzle“ bezeichnen. Freilich lässt die optische Struktur der Befestigungsanlagen den Begriff Schlund dafür auch zu. Es gibt auch unterirdisch eine kleine Kasematte. Historische Hintergründe gibt es kaum.

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