Würzburg

Betreutes Wohnen: Was dahinter steckt und für wen es sich eignet

Selbstständig in einer Wohnung leben und dennoch Unterstützung bekommen, wenn man sie braucht: Betreutes Wohnen gilt für viele Senioren als Alternative zum Pflegeheim.
Barrierefreiheit ist beim Betreuten Wohnen nicht nur in der Wohnung wichtig, sondern auch auf dem Weg zum Einkaufen.
Foto: Maurizio Gambarini/dpa | Barrierefreiheit ist beim Betreuten Wohnen nicht nur in der Wohnung wichtig, sondern auch auf dem Weg zum Einkaufen.

Immer mehr Senioren wünschen sich, ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit so lange wie möglich zu bewahren. Sind sie dann aber doch auf Hilfe und Entlastung angewiesen, ist für viele das Betreute Wohnen als Wohnform eine echte Alternative zum Pflegeheim. Was sich dahinter verbirgt, für wen es sich eignet und welche Angebote es gibt.

Was versteht man unter Betreutem Wohnen?

Betreutes Wohnen (auch Service-Wohnen genannt) ist eine Wohnform, bei der Senioren in einer barrierefreien Wohnumgebung leben, die auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgelegt ist. Bei dem Begriff "Betreutes Wohnen" komme es jedoch öfter zu Missverständnissen, so Tobias Konrad, Wohnberater und Abteilungsleiter Seniorenarbeit beim Kommunalunternehmen des Landkreises Würzburg: "Der Begriff Betreuung impliziert etwas, was viele Leute missverstehen." Das komme daher, dass Komplexe für Betreutes Wohnen oftmals neben Pflegeheimen angesiedelt oder gar angedockt seien und viele Leute davon ausgingen, dass sie somit "mitbetreut" würden. "Der Träger, dem das Gebäude gehört, in das ich einziehe, führt nicht automatisch auch die Pflegeleistungen durch", erklärt Konrad.

Beim Betreuten Wohnen habe man immer einen ambulanten Pflegedienst mit im Boot, der die Serviceleistungen erbringt, die man mit ihm vereinbart hat. Zu den Grundleistungen zählen ein Hausnotruf-System, ein Haustechnischer Service (Hausmeister, Gebäudereinigung, Winterdienst) sowie die Unterstützung beim Schriftverkehr (zum Beispiel bei Anträgen für die Versicherung). Zusatz-Serviceleistungen wie Reinigung, Wäsche, Essensversorgung, Boten- und Begleitdienste sowie ambulante Haus- und Krankenpflege können bei Bedarf "dazugekauft" werden.

Seine Kollegin bei der Stadt Würzburg, Ina Semmel, fügt hinzu: "Der Begriff Betreutes Wohnen ist nicht rechtlich geschützt. Jeder könnte ein Haus hinstellen mit Wohneinheiten und könnte sagen, er biete Betreutes Wohnen an."

Für wen eignet sich Betreutes Wohnen und ab welchem Alter kann ich einziehen?

"Eigentlich kann man in ein Betreutes Wohnen nicht zu früh einziehen", sagt Konrad. Einige Einrichtungsträger hätten dennoch Minimalaltersgrenzen, um eine Durchjüngung der Bewohner zu vermeiden. "Man hat eine Zielgruppe, die in einem gewissen Altersbereich liegt, aber noch keinen Pflegebedarf haben muss", sagt Konrad. Seine Kollegin Ina Semmel sagt: "Es gibt in der Stadt Würzburg verschiedene Häuser, die darauf schauen, dass die Bewohner am Anfang noch aktiv und relativ selbstständig sind." Für viele Leute sei der Umzug in das Betreute Wohnen eine bewusste Entscheidung, gerade weil sie noch fit genug sind. Konrad sagt, es gebe Leute, denen die Belastung mit Haus und Garten schlichtweg zu groß sei. Sie sagen, sie wollen die Zeit, in der sie noch fit sind, nutzen, um Angebote des Trägers wahrzunehmen oder möglicherweise die Nähe zur Stadt auszunutzen.

"Eigentlich kann man in ein Betreutes Wohnen nicht zu früh einziehen."
Wohnberater Tobias Konrad
Muss ich ausziehen, wenn ich pflegebedürftig werde?

"Wenn das mit der ambulanten Pflege und den Angehörigen gut vereinbar ist, kann letztlich auch jemand im Betreuten Wohnen bis zuletzt bleiben", sagt Tobias Konrad. Wenn es aber nicht mehr anders ginge, sei der Vorteil des Betreuten Wohnens, dass der Schritt von der Häuslichkeit in eine vollstationäre Pflege nicht mehr der große sei, weil man die Umgebung schon kenne.

Was kostet Betreutes Wohnen?

Die Kosten beim Betreuten Wohnen teilen sich in drei Bereiche auf: die Mietkosten oder die Kosten für den Kauf der Wohnung plus Nebenkosten, die Servicepauschale sowie mögliche Zusatzleistungen, und – bei Bedarf – die Betreuungs- und Pflegekosten, sofern ein Pflegebedarf auftritt. Wie hoch die Mietkosten sind, hängt davon ab, ob es sich um öffentlich geförderte Wohnungen (Sozialbauwohnungen) oder um frei finanzierte Miet- und Eigentumswohnungen handelt. 

Anders als beim Pflegeheim unterscheiden sich die Kosten beim Betreuten Wohnen sehr deutlich und sind abhängig von verschiedenen Faktoren: Die Lage der Einrichtung, die Größe der Wohnung, der Umfang der Servicepauschale und der Umfang der Zusatzleistungen. Hinzukomme, erklärt Ina Semmel, dass man die Kosten für Betreutes Wohnen in der Regel selbst tragen müsse, weshalb die Entscheidung gut durchgerechnet sein müsse. "Je mehr Serviceleistungen ich dazu buche, desto mehr steigt der Preis", betont Semmel.

Bei Senioren mit Pflegegrad werden die Kosten der Pflegeleistungen von der Pflegekasse getragen. Wer eine niedrige Rente bezieht, kann Zuschuss-Optionen prüfen lassen. Tobias Konrad rät Interessenten immer, sich vorab genau darüber zu informieren, was in der Betreuungspauschale drin steckt. Miet- und Betreuungsvertrag werden beim Betreuten Wohnen in der Regel separat abgeschlossen und abgerechnet.

Wie unterscheiden sich die Preise beim Betreuten Wohnen?

"Das ist einrichtungsabhängig", sagt Semmel und verweist auf die Zusammensetzung der Kosten beim Betreuten Wohnen. "Die einen haben eine hohe Grundpauschale und sind günstiger im Zukauf von Leistungen, die anderen haben eine geringere Grundpauschale, sind aber teurer im Zukauf von Leistungen."

Worauf sollte man bei der Auswahl einer Wohnanlage achten?

Auf jeden Fall darauf, ob die Wohnung barrierefrei ist, sagt Ina Semmel. "Was nützt mir eine betreute Wohneinrichtung, wenn ich Treppen vor der Tür habe?" Außerdem sollte man sich folgende Fragen stellen: Ist eine Präsenzkraft da oder habe ich einen Notfallknopf, sodass ich sie jederzeit erreichen kann? Kann ich in der Wohnung auch noch leben, wenn ich auf einen Rollstuhl angewiesen bin? Habe ich fußläufig alles erreichbar? Habe ich Infrastruktur in der Nähe, Anbindung an den ÖPNV? "Auch der Weg dahin muss barrierefrei sein", sagt Semmel. Die Wohnberaterin verweist für weitere Informationen auf eine Checkliste der Stadt Würzburg.

"Was nützt mir eine betreute Wohneinrichtung, wenn ich Treppen vor der Tür habe?"
Wohnberatertin Ina Semmel über die Ansprüche an Betreutes Wohnen
Wo kann ich mich zum Thema Betreutes Wohnen in Unterfranken beraten lassen?

"Da würde ich immer auf die Pflegestützpunkte vor Ort verweisen", sagt Tobias Konrad. "Die Stützpunkte sind eine Anlaufstelle für Senioren und Pflegebedürftige, wo sie sich rund ums Thema Pflege im Allgemeinen informieren können." Eine unabhängige Wohnberatung sei Teil ihres Angebots. "Dort kommen die Leute an die Informationen vor Ort, sozusagen an die Adressen", erklärt Konrad. In fünf Landkreisen in Unterfranken gibt es bereits Pflegestützpunkte – in Rhön-Grabfeld,  Schweinfurt, Haßberge, Würzburg und Kitzingen

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