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BI Lindelbach sieht verpasste Chancen

Derrickkran: Als technisches Denkmal von 1936 gibt der Derrick-Kran eine imposante Vorstellung von der Arbeit im Lindelbacher Muschelkalk-Steinbruch.
Foto: Antje Roscoe | Derrickkran: Als technisches Denkmal von 1936 gibt der Derrick-Kran eine imposante Vorstellung von der Arbeit im Lindelbacher Muschelkalk-Steinbruch.

Zwei verpasste Chancen bedauert die Bürgerinitiative (BI) gegen einen neuen Steinbruch in Lindelbach. Ein Sondergebiet Naherholung „Am historischen Steinbruch“ scheiterte im Patt im Gemeinderat.

Wie BI-Sprecher Michael Jäger erklärt, habe sich mit dem Vorschlag, den Bürgerentscheid nicht binnen drei Monaten, sondern später durchzuführen, die Hoffnung verbunden, dass der Marktgemeinderat dann die Initiative ergreift und gegebenenfalls mit einem Ratsbegehren Position zum Thema Steinbruch bezieht bzw. zu einer alternativen Lösung beiträgt. Das sei aber nicht geschehen.

Ein Ratsbegehren oder eine Bürgerwerkstatt zur Einbindung der Bevölkerung wären für die BI ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Hauptziel der BI sei die Verhinderung eines neuen Muschelkalksteinbruchs. „Es gibt 700 Nein-Stimmen“, so Jäger. „Die können wir nicht ignorieren.“ Gleichwohl setze man auf den Dialog und sei nicht einfach nur dagegen.

Eine weitere Chance, eine Brücke zwischen den Positionen „Neuer Steinbruch“ und „Kein neuer Steinbruch“ zu bauen, hatte Jäger im Gemeinderatsantrag der Aktiven Bürgerschaft/ödp gesehen. Die Fraktion hat einen Bebauungsplan Sondergebiet Naherholung „Am historischen Steinbruch“ beantragt. Der Bereich um das Naturdenkmal historischer Steinbruch Lindelbach mit dem Industriedenkmal Derrickkran habe sich in den letzten Jahren immer stärker in einen Naherholungsbereich mit überregionalem Zuspruch entwickelt, seien wahre Publikumsmagnete.

Geordnete Parkmöglichkeiten fehlen

Doch es fehlen geordnete Parkmöglichkeiten und eine klare Abgrenzung der Freizeitnutzung und der für den Naturschutz bedeutenden Bereiche. Mit einem Konzept und entsprechenden Bebauungsplan sollten deshalb die Voraussetzungen für eine Aufwertung des Gebiets um den historischen Steinbruch geschaffen werden.

Soweit der ödp-Antrag, der zunächst etwa 18 Hektar Fläche umfasste, beginnend an der Wohnbebauung Lindelbach Nord-West bis einschließlich des alten Steinbruchgeländes. Vorab angefragt, hätten sich sowohl das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) wie auch das Landratsamt kritisch geäußert, berichtete Bürgermeister Michael Sedelmayer dem Marktgemeinderat. Zum einen befänden sich die Ackerflächen in einem laufenden Flurbereinigungsverfahren und stünden nicht ohne weiteres zur Verfügung. Das Landratsamt wiederum hatte in einer ersten Stellungnahme laut Sedelmayer darauf hingewiesen, dass der positive Gestaltungswille zu wenig definiert sei. Verhinderungsplanung sei nicht erlaubt. Teilbereiche des Naherholungsgebietes würden sich mit dem Areal überschneiden, für das im Februar ein Bauantrag für einen neuen Steinbruch eingereicht wurde.

Wanderrouten, MTB-Strecken, Naturschätze und Geschichte – rund um den alten Lindelbacher Steinbruch kommen viele Ausflügler auf ihre Kosten.
Foto: Antje Roscoe | Wanderrouten, MTB-Strecken, Naturschätze und Geschichte – rund um den alten Lindelbacher Steinbruch kommen viele Ausflügler auf ihre Kosten.

De facto bereits ein Freizeitgelände

Um dem Flurbereinigungsgesetzt Genüge zu tun, habe man die landwirtschaftlichen Flächen aus der Planung genommen, erklärte ödp-Fraktionsvorsitzender Alfred Holl. Man plane jetzt unmittelbar um den historischen Steinbruch samt Erschließung. Das Areal sei seit 13 Jahren im Regionalplan nicht mehr als Vorrang- bzw. Vorbehaltsgebiet für Muschelkalkabbau vorgesehen. „Es ist an uns festzulegen, wie das genutzt werden soll“, argumentierte Matthias Henneberger (ödp). De facto, so Holl, sei es bereits Freizeitgelände und wird auch so beworben.

Die Ratskollegen sahen aber auch die Zweischneidigkeit, durch die Erschließung „die Menschen explizit noch vor die Haustür fahren zu lassen“, was Nina Faust (Grüne) und sinngemäß auch Heiko Lörner (CSU) zu Bedenken gaben. Michael Rost (UWG) sieht es persönlich bereits als „Naherholungsgebiet“ und gut wie es ist an.

Helga Burkert (CSU) als Lindelbacherin fiel es „schwer, mich zu positionieren“. Sie wolle mit den Anwohnern sprechen, ob das gewollt ist, Sedelmayer mit den Eigentümern der Grundstücke, die überplant werden sollen. Planen sei legitim und nötig, genau wie es bei einem Gewerbegebiet gemacht wird, mahnte Henneberger. Die Bürger und die Träger öffentlicher Belange würden im Verfahren beteiligt. Das sei der Sinn eines Bebauungsplanes.

Die Abstimmung mit sieben zu sieben Stimmen bedeutete jedoch die Ablehnung des Antrags. Für Henneberger, der sehen will, wie die Bürger einbezogen werden können, seien aber die jetzt gewonnenen Informationen hilfreich, um das Konzept mit der verkleinerten Planung auszufeilen. Stark begrüßt hätte das Sondergebiet Naherholung BI-Sprecher Jäger. Gerade zum Schutz der sensiblen Arten sehe er eine Lenkung der Besucher und zentrales Parken als sinnvoll an.

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