Würzburg

Bistum Würzburg: Bischof will Zahl der Dekanate reduzieren

Die katholische Kirche muss sparen, die Finanzlage im Bistum ist laut Bischof Franz Jung "sehr angespannt". Den Diözesanräten hat er nun mehr über die Reformen verraten.
Bischof Franz Jung informierte bei der Herbstvollversammlung des Diözesanrats im Exerzitienhaus Würzburg über den Prozess 'Pastoral der Zukunft'. Er setzt auf einen geordneten Verlauf.
Foto: Markus Hauck POW | Bischof Franz Jung informierte bei der Herbstvollversammlung des Diözesanrats im Exerzitienhaus Würzburg über den Prozess "Pastoral der Zukunft". Er setzt auf einen geordneten Verlauf.

Bei der Herbstvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Würzburger Exerzitienhaus informierte Bischof Franz Jung  über den Stand bei der "Pastoral der Zukunft". Dieser Prozess werde zum 24. Oktober 2020 abgeschlossen sein, erklärte er den Delegierten der höchsten Laienvertretung im Bistum. Auch die "sehr angespannte" Finanzlage war bei der Versammlung ein Thema. Ebenso die Zahl der Dekanate. So plant der Bischof laut Mitteilung des Ordinariats nur noch neun statt 20 Dekanate. Sie sollen identisch mit den Landkreisgrenzen verlaufen.

Gleichwohl sei beim Prozess noch nichts fix beschlossen, hieß es. Anhand eines Kriterienkatalogs werde in den Dekanaten "die Sinnhaftigkeit der neuen Einheiten überprüft". Die zuständigen Gremien sollen dann mindestens mit einer Zweidrittel-Mehrheit dafür stimmen, andernfalls  werde der Bischof den Zuschnitt festlegen.

"Das ist ein ambitioniertes Unterfangen, permanentes Nachbessern wird nötig sein."
Bischof Franz Jung über den Prozess "Pastoral der Zukunft"

Zuletzt war von 40 pastoralen Räumen beziehungsweise größeren Territorien die Rede. Bei der Frühjahrsversammlung des Diözesanrats hatte der Bischof bereits Eckpunkte der Reform vorgestellt und angekündigt, keine XXL-Pfarreien schaffen zu wollen.

Bis Oktober 2020 werden  laut Bischof Jung auch einheitliche pastorale Standards festgelegt und die Rätestruktur an die neuen Einheiten angepasst. "Das ist ein ambitioniertes Unterfangen, permanentes Nachbessern wird nötig sein." Der Bischof will zudem die Entlastung der Pfarrer bei der Verwaltung voranbringen – etwa auch durch eine engere Vernetzung von Diözesanbüros und Caritas, ohne dass dafür neue Stellen geschaffen werden müssen.

Eine andere "Herausforderung für die Zukunft" sind laut Jung auch die von den Orden betriebenen geistlichen Zentren wie Dettelbach, den Engelberg, den Kreuzberg oder Fährbrück. "Wie kann man diese Orte geistlich profilieren und erhalten, wenn die Orden, die das bisher gewährleisteten, bereits oder in absehbarer Zeit nicht mehr da sind?"

Bischof Jung: Bistumshaushalt muss auf lange Sicht heruntergefahren werden

Der Bischof habe in diesem Zusammenhang angeregt, ob eventuell diese Orte Aufgaben für die umliegenden Pfarreien übernehmen könnten. Und betont, dass sicher sei, dass das Bistum angesichts der weiter "sehr angespannten finanziellen Lage" nicht alle Werke übernehmen könne, die zahlreiche Orden jetzt gerne angesichts ihres eigenen Nachwuchsmangels der Diözese übertragen wollten. Dazu gehören zum Beispiel Schulen. Diese Option bestehe natürlich, so der Bischof, das hätte aber Auswirkungen auf viele andere Bereiche im Bistum. Und da auf lange Sicht der Bistumshaushalt heruntergefahren werden müsse, werde ehrenamtliches Engagement in der Zukunft für das Bistum immer wichtiger.

Auch die Entschädigung für Betroffene sexuellen Missbrauchs sprach der Bischof an. Weil inzwischen das systemische Versagen der Kirche bei der Ahndung der Missbrauchsfälle feststehe, müsse die Institution den Opfern jetzt Schmerzensgeld zahlen. Jung hat den Angaben zufolge gegenüber den Diözesanrats-Delegierten Summen von bis zu 400.000 Euro pro Fall genannt. Das bedeute eine zusätzliche finanzielle Belastung für die einzelnen (Erz-) Diözesen.

Diözesanratsvorsitzender Michael Wolf: Ortskirche dürfe auf keinen Fall eine Kirche der wenigen Willigen sein und den Rest der Gesellschaft aus den Augen verlieren.
Foto: Markus Hauck POW | Diözesanratsvorsitzender Michael Wolf: Ortskirche dürfe auf keinen Fall eine Kirche der wenigen Willigen sein und den Rest der Gesellschaft aus den Augen verlieren.

Diözesanratsvorsitzender Michael Wolf spricht die Frauenfrage an

Diözesanratsvorsitzender Michael Wolf ging in seinem Vortrag ebenfalls auf die Strukturreform ein. In den künftigen pastoralen Räumen müsse auf allen wichtigen Ebenen eine Laienvertretung bestehen. Gut durchdacht sein müssten auch die Maßnahmen für eine finanziell gesicherte Zukunft des Bistums. "Auf keinen Fall darf sich unsere Ortskirche in einen Wohlfühlraum einrichten, eine Kirche der wenigen Willigen sein und den Rest der Gesellschaft aus den Augen verlieren", so Wolf.

Zur Frauenfrage sagte Wolf: "Kann es denn wirklich sein, dass Frauen von Ämtern aufgrund eines anderen Chromosoms und Traditionen, die schon lange überholt sind, ausgeschlossen werden?" Dieser  Diskussion müsse sich die Kirche stellen. "Das betrifft nicht nur die Geweihten, sondern uns alle."

Mit Informationen von KNA

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