Würzburg

Bonpflicht: Was Würzburger Gastronomen davon halten

Seit 1. Januar gilt die Bonpflicht. Ob sie wollen oder nicht, Gastronomen und Verkäufer sind verpflichtet, Belege auszudrucken. Wie kommt das neue Gesetz in Würzburg an?
Laura Kelly und Gregor Henneberger vom Café Cosmo in Würzburg zeigen einige ihrer ausgedruckten Rechnungen. Seit dem 1. Januar müssen alle Rechnungen ausgedruckt werden, obwohl nur ein Bruchteil der Kunden sie überhaupt will.
Foto: Thomas Obermeier | Laura Kelly und Gregor Henneberger vom Café Cosmo in Würzburg zeigen einige ihrer ausgedruckten Rechnungen. Seit dem 1.

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen und schon gibt es die ersten Ärgernisse. Vor allem Gastronomen ärgern sich massiv. Grund ist die Einführung der Bonpflicht: Seit 1. Januar dieses Jahres müssen Einzelhändler und Gastronomen bei jedem Verkauf einen Kassenbon ausdrucken. Damit will die Bundesregierung Steuerbetrug durch manipulierte Ladenkassen eindämmen, denn laut Bundesrechnungshof werden geschätzt jedes Jahr zehn Milliarden Euro Steuergelder  hinterzogen. Doch vor allem bei Gastronomen kommt die neue Regelung alles andere als positiv an - so auch in Würzburg.

Bei Gregor Henneberger, Geschäftsführer des Cafés Cosmo in der Peterstraße kommen nun hunderte Meter Papier täglich aus der Kasse des Cafés und das alles "für die Katz", so Henneberger, denn nur etwa einer von rund 300 Kunden möchte einen Beleg mitnehmen. "Das ist schade für die Umwelt und so sehen es auch unsere Kunden", sagt er mit dem Hinweis, dass das Café im Grunde viel Wert auf Umweltschutz und Recycling lege. Meist werden Belege auf umweltschädlichen Thermopapier gedruckt, welches nicht im Papiermüll entsorgt werden darf. Und auch die erheblichen Mehrkosten machen dem Betreiber zu schaffen. Fünf bis sechs Euro koste eine Rolle Thermopapier, "da kommt schon einiges zusammen".

So sieht es auch Markus Zang vom Restaurant Sternbäck in der Innenstadt. "Im Grunde ist das großer Schwachsinn", ist seine Meinung zur neuen Regelung. Ihn stören vor allem die Mehrkosten und auch die vermehrte Arbeit, denn die Belege muss zum Großteil er entsorgen. "Unsere Gäste vor allem an der Theke nehmen die Belege nie mit." 

Bäckerei setzt auf Ökobons

Bei Bäckereien wollen nur weniger als drei Prozent der Kunden einen Beleg, wie der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks schreibt. Wegen dieser Verschwendung und Belastung durch das Thermopapier hat eine Würzburger Bäckerei deshalb auf Ökobons, also Belege frei von chemischen Mitteln, umgestellt. Bereits seit 2018 setzt die Bäckerei Köhler auf die Ökobons, mittlerweile verwendet der Vollkornbäcker sie in allen vier Würzburger Filialen.

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"Wir sind ein ökologisches Unternehmen und verkaufen rein ökologische Produkte, deshalb war es für uns klar, auch ökologische Bons einzuführen", sagt Barbara Sauer, Assistentin der Geschäftsführung. Ein Drittel Mehrkosten bedeute dies für das Unternehmen im Gegensatz zu herkömmlichen Thermobons. Die umweltfreundlichen Belege stoppen zwar nicht die durch die Bonpflicht ausgelöste Papierflut, allerdings "hoffen wir, dass wir so auch andere Unternehmen dazu bringen können, auf Ökobons umzusteigen. Der Umwelt zuliebe", so Sauer. 

"Wenn jemand bescheißen will, dann bescheißt er."
Jessica Tokarek, Betreiberin eines Standes auf dem Grünen Markt

Und wie sieht es auf dem Markt aus? Jessica Tokarek ist die Betreiberin des Standes des Leinachtaler Obstbauers. "Meines Wissens und nach den Informationen meines Steuerberaters sind wir momentan noch ausgeschlossen von einer Bonpflicht", sagt sie. Grund sei hier, dass die Marktbetreiber noch ohne digitale Kasse arbeiten. "Da kommen auf uns hohe Kosten zu", so Tokarek. "Eine digitale Kasse würde uns drei- bis viertausend Euro kosten." Außerdem ist sie der Meinung, dass die Bonpflicht die Menschen nicht vor dem Betrug hindern würde. "Wenn jemand bescheißen will, dann bescheißt er."

Mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons

Auch der Handelsverband Bayern spricht sich deutlich gegen die neue Regelung aus und geht davon aus, dass Zahl und Länge der auszugebenden Kassenzettel spürbar zunehmen werden: "Deutschlandweit rechnen wir mit mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr", sagt Pressesprecher Bernd Ohlmann auf Anfrage dieser Redaktion. "Bayernweit liegen wir etwa bei knapp über 300 000 Kilometern."  Die Bonpflicht bedeute deshalb "eine enorme Belastung für den Einzelhandel". Gerade für kleine Händler seien die erheblichen Mehrkosten für Papier, Druck und Entsorgung der liegengebliebenen Bons schwer zu tragen, so Ohlmann. "Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht", sagt er und spricht dabei den Willen an, gegen Betrug vorzugehen, kritisiert jedoch die Art und Weise der Umsetzung.

"Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht."
Bernd Ohlmann, Handelsverband Bayern

Während sie in der Gastronomie gar nicht gut ankommt, stellt die Bonpflicht bei großen Geschäften im Einzelhandel in vielen Fällen keinen großen Unterschied dar, müssen bei Technik oder Kleidungseinkäufen doch zum Umtausch ohnehin Belege ausgedruckt werden. "Wir waren sozusagen vorher auch schon bonpflichtig", erklärt Christian Eck, Geschäftsleiter des Modehauses Gebrüder Götz. "Für uns ändert sich daher nichts."

Nicht nur in der Gastronomie, auch in Blumengeschäften muss jetzt eine Quittung für den Rosenstrauß gedruckt werden. Karin Neyderek vom Blumenhaus Nagengast hat eine deutliche Meinung zur Bonpflicht: "Papierverschwendung. In der Regel wollen unsere Kunden keinen Beleg", weiß sie. Dass sie jetzt trotzdem bei jedem Kauf einen Beleg drucken muss, ärgert sie sehr. So wie viele andere Einzelhändler und Gastronomen.

Über die Bonpflicht
Die Bonpflicht ist ein Teil der neuen Kassensicherungsordnung, die seit dem 1. Januar 2020 gilt. Kassen sollen durch eine technische Sicherheitseinrichtung fälschungssicher werden und so Manipulationen verhindert werden. Die Verordnung ist zwar schon in Kraft, aber nicht alle Unternehmer konnten sich schon eine geeignete Kasse zulegen, daher gewährt das Finanzministerium eine Frist bis Ende September. Die Bonpflicht gilt trotzdem schon von Januar an.
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