Würzburg

Buch zur Serie „ungeklärte Kriminalfälle“ erschienen

Ungelöste Kriminalfälle
Foto: Stefan Pompetzki | Ungelöste Kriminalfälle

Gut 25 Jahre nach dem schrecklichen Mord an Sharon Harper am Würzburger Tierheim ist das Alibi eines Verdächtigen geplatzt. Der US-Soldat Michael T. Brosius hatte Wochen vor der Ermordung der 19-jährigen Irin am 2. Juni 1990 eine 20-jährige US-Soldatin in Giebelstadt erstochen – auf verblüffend ähnliche Weise.

Er schien ein Alibi zu haben: Als Sharon starb, saß er angeblich als Verdächtiger wegen des Mordes an Tammy Ivon (für den er lebenslänglich erhielt) in U-Haft. Doch die Annahme war wohl falsch, wie durch unsere Serie „Ungeklärte Kriminalfälle“ ans Tageslicht kam: Diese Redaktion hatte über den ersten Mord an der US-Sanitäterin Tammy Ivon berichtet, auch über die Festnahme des Verdächtigen Michael Brosius.

Der geriet schnell in Verdacht und soll binnen weniger Tage ein Geständnis abgelegt haben. Aber wenn Aussagen der damaligen US-Pressesprecherin Babs Angel gegenüber dem Reporter stimmen, wurde der Verdächtige des Mordes an Tammy Ivon in Giebelstadt erst am 21. Juli festgenommen – vier Tage nach dem zweiten Mord an Sharon Harper in Würzburg. Er hätte die Möglichkeit gehabt, ihn zu begehen, was Würzburger Mordermittler von ihren US-Militärkollegen bis vor kurzem nicht wussten.

Für den erfahrenen Ermittler Karl Erhard gehörten Brosius und einer seiner Freunde durchaus zum Kreis der Verdächtigen im Fall Harper. Nach Informationen unserer Redaktion hatten Würzburger Mordermittler die These geprüft, ob an den jeweiligen Morden zwei Männer beteiligt waren. Zwar wussten US-Ermittler, dass im ersten Fall ein weiterer Mann mit Täter und Opfer von Würzburg nach Giebelstadt gefahren war. Doch die Identität hatten sie bis zum Prozess nicht herausgefunden.


Ein Stubenkamerad von Brosius, der im Harper-Fall als Komplize in Betracht kam, wurde später wegen eines Frauenmordes in den USA verurteilt. Er sitzt die Strafe in El Paso ab, Brosius in Fort Leavenworth. Das geplatzte Alibi hat die Würzburger Ermittler wieder Hoffnung schöpfen lassen, den Mord an Sharon Harper nach 25 Jahren doch noch zu klären – wenn ihnen die US-Behörden helfen.

Dank der archivierten Spuren vom Tatort haben sie die Chance, einen der Männer des Mordes an der 19-Jährigen zu überführen – oder von dem Verdacht reinzuwaschen: Bei der Leiche wurde ein Haar und anderes Material gefunden. Die Spuren werden derzeit von Mord-Ermittlern unter die Lupe genommen. Dazu passt, dass die beiden Verdächtigen in der Würzburger Diskothek „Green Goose“ verkehrten, die häufig von US-Soldaten besucht wurde.

Derzeit überprüfen Mord-Ermittler noch Aussagen von Zeugen, die als Gäste oder Personal damals im „Green Goose“ verkehrten – wie jene Zeugin, die glaubt, derselbe Mörder habe beide Frauen getötet. Brosius kam von da in der Nacht, als er in Giebelstadt Tammy Ivon ermordete. Sharon, die junge Irin, war privat meist mit US-Soldaten aus Würzburg oder umliegenden Garnisonen unterwegs. An ihrem letzten Abend verabredete sie sich aus einer Telefonzelle am „Letzten Hieb“ (nahe der Leighton Barracks in Würzburg) mit einer Freundin. Sie stieg dann in ein Auto in Richtung Innenstadt, wo sie verabredet war.

Am Tag darauf wurde ihr blutiger Leichnam unterhalb des Tierheimes gefunden, hinter Büschen versteckt. Die Irin muss sich gegen sexuelle Zudringlichkeiten gewehrt haben, bis der Mann zum Messer griff. Sharon gelang die Flucht aus dem Auto, der Mörder verfolgte sie und tötete sie mit fünf Stichen in den nackten Oberkörper. Den Verletzungen nach versuchte sie verzweifelt, die Angriffe abzuwehren. In dem Fall wurde ebenso wenig die Mordwaffe gefunden wie im Mordfall Ivon in Giebelstadt – obwohl man mit einem Leichenspürhund gesucht hatte.

Über die Staatsanwaltschaft Würzburg wurde ein Rechtshilfeersuchen an die USA gestellt, um die Verdächtigen zu überprüfen. Auf Antwort warten die Ermittler seit längerem. „Vielleicht sorgen die neuen Fakten dafür, dass die Zusammenarbeit schneller wird,“ hofft ein Mordermittler. Sollte sich der Verdacht konkretisieren, würde ein deutscher Ermittler in die USA fliegen, um die zwei Verdächtigen in ihren Gefängnissen zu verhören.

Mit einem Geständnis ließe sich der Fall vielleicht ebenso klären wie ein zweiter aus der Reihe „Ungeklärte Kriminalfälle“, die im Frühjahr als Serie vorgestellt worden waren: Noch während sie lief, hatte sich das Schicksal der seit zwei Jahren in Spanien vermissten Würzburger Touristin Marianne Irlbeck geklärt. Sie war beim Wandern in einer einsamen Gegend abgestürzt und gestorben, wie sich herausstellte.

Die beiden Fälle und 22 weitere aus der Serie sind jetzt im gleichnamigen Buch erschienen. „Ungelöste Kriminalfälle“ hat 176 Seiten, kostet 9,99 Euro und ist in allen Main-Post-Geschäftsstellen erhältlich.
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