Würzburg

Bürger können zwischen Grün und Grün entscheiden

Heute dominieren Autos, Asphalt und ein Imbiss-Stand den Faulhaber-Platz in Würzburgs Innenstadt. In der Diskussion im Stadtrat um die künftige Gestaltung spielte auch die Würstchenbude auf dem Platz eine Rolle.
Foto: THOMAS Obermeier | Heute dominieren Autos, Asphalt und ein Imbiss-Stand den Faulhaber-Platz in Würzburgs Innenstadt. In der Diskussion im Stadtrat um die künftige Gestaltung spielte auch die Würstchenbude auf dem Platz eine Rolle.

Der Stadtrat macht es den Bürgern nicht leicht: Mit einer Mehrheit von 29 zu 11 Stimmen brachten CSU, SPD, FDP-Bürgerforum, FWG und WL am Donnerstag das Ratsbegehren „Grüner Platz: Innenstadt für alle“ auf den Weg. Wie berichtet, ist das die Alternative zum Bürgerbegehren „Grüner Platz am Theater“.

Der Bürgerentscheid über die Zukunft des Faulhaber-Platzes ist am 2. Juli. Im Stadtrat gibt es zwei Fronten. Der Ton wird rauer.

Oberbürgermeister Schuchardt: Auch wir wollen einen grünen Platz

Dass der gewählte Titel des Ratsbegehrens Verwirrung stiften kann, war den Räten, die ihn beschlossen haben, klar. „Doch die Nähe in den Überschriften ist richtig, weil sie die inhaltliche Überschneidung signalisiert“, sagte Hans Werner Loew (stellvertretender Fraktionsvorsitzender SPD).

Denn: „Auch wir wollen einen grünen Platz im Herzen der Stadt.“ So sagte es Oberbürgermeister Christian Schuchardt, der sich in der Sitzung vehement für die Pläne der Mehrheit des Stadtrats stark machte.

Durch die Verlegung des Straßenraums solle der heutige Parkplatz vergrößert und zur Freizeitgestaltung genutzt werden.

Wo ist der Unterschied zum Bürgerbegehren „Grüner Platz am Theater“?

„Was uns richtig unterscheidet ist die Tiefgarage“, sagte FWG-Fraktionsvorsitzender Josef Hofmann. Die Bürgerinitiative wolle „es Bürgern aus den Randgemeinden erschweren, in die Stadt zu kommen. Diesen Kampf machen wir nicht mit.“

Dass man die Oberflächenstellplätze am Faulhaberplatz nicht ersatzlos streichen kann, betonten mehrere Stadträte, die deshalb eine neue Tiefgarage fordern.

Der zweite Unterschied ist die Bebauung. „Eine Stadt braucht Wohnraum und Platz für Hotels“, erklärte Hans Werner Loew. Christine Bötsch meinte, dass an dieser Stelle ein Gebäude städtebaulich Sinn mache.

Wortlaut des Ratsbegehrens

Diese Haltung wird im Ratsbegehren am 2. Juli so zur Abstimmung gestellt: „Sind Sie dafür, den Kardinal-Faulhaber-Platz nicht zu veräußern und den jetzigen Parkplatz als begrünte Erholungs- und Freizeitfläche zu vergrößern und umzugestalten, mit einer Tiefgarage und einem zurückhaltenden Gebäude als Abschluss des Platzes im Süden?“

Stadträte, die das Aktionsbündnis „Grüner Platz am Theater“ unterstützen, sehen die Angleichung an ihre Ziele kritisch.

Grünen-Fraktionschef Matthias Pilz betonte den Unterschied: „Echte Klimawirkung entsteht nur, wenn an dieser Stelle echte Stadtbäume wachsen.“ Er glaubt, dass das Ratsbegehren mit Grünfläche, Bebauung und Tiefgarage drei konkurrierende Nutzungen anbietet, die sich nicht alle verwirklichen lassen können. „Auch wird nicht geklärt, was ein 'zurückhaltendes Gebäude' sein soll.“

Wohlstand für alle

„Verstehen Sie darunter etwas wie die heutige Würstchenbude?“, fragte Sebastian Roth (Linke). ÖDP-Chef Raimund Binder nannte das Ratsbegehren „unklar.“ Binder: „Mir fehlt der Glaube an ihren Gesinnungswandel.“ Die Überschrift „Innenstadt für alle“ sei unbestimmt. Binder: „Genauso könnten sie 'Wohlstand für alle' titeln.“

Unklarheiten kritisiert aber auch die Gegner des Bürgerbegehrens .

OB spricht von Bullerbü-Darstellung

OB Schuchardt: „Wollen Sie gar keine Bebauung oder wollen sie doch einen Pavillon oder eine Würstchenbude?“ Die vom Aktionsbündnis entworfene Zeichnung eines Parks gegenüber vom Theater bezeichnete er als „Bullerbü-Darstellung“.

Bürgerentscheid 2. Juli: Briefwahl kommt automatisch

Als erste Großstadt Bayerns wird Würzburg künftig die Briefwahlunterlagen für Bürgerentscheide automatisch an alle Wahlberechtigten verschicken. Das hat der Stadtrat am Donnerstag einstimmig beschlossen. Dadurch erhofft sich die Politik, dass mehr Bürger abstimmen und so Entscheidungen auf eine breitere Basis gestellt werden. Die ersten Briefwahlunterlagen bekommen die Würzburger schon zum Bürgerentscheid über den Kardinal-Faulhaber-Platz. Laut Pressestelle des Rathauses werden die Wahlbenachrichtigung und Briefwahlunterlagen zwischen Ende Mai und Mitte Juni verschickt. Bis zum 2. Juli können die Bürger dann darüber abstimmen, ob der Platz vollständig begrünt wird. Oder ob er befestigt, teilweise begrünt und bebaut wird und darunter eine Tiefgarage entsteht.
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Würzburg
Manuela Göbel
Bürgerentscheid Faulhaber-Platz
Bürgerentscheide
CSU
Christian Schuchardt
Christine Bötsch
Hans Werner Loew
Josef Hofmann
Matthias Pilz
Raimund Binder
SPD
Sebastian Roth
Theater
Wohlstand
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (4)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!