Würzburg

Corona: Immer mehr Mütter und Väter beantragen eine Kur

Die Belastung in den Familien ist und war durch die Corona-Pandemie groß. Daher beantragen mehr Elternteile als zuvor eine Kur - mit oder ohne Kind. Was zu beachten ist.
Vielen Frauen (und auch Männer) fühlen sich durch die Herausforderungen der Corona-Pandemie erschöpft, ausgelaugt und überfordert: Wie eine Mutter/Vater-Kind-Kur helfen kann.
Foto: encrier | Vielen Frauen (und auch Männer) fühlen sich durch die Herausforderungen der Corona-Pandemie erschöpft, ausgelaugt und überfordert: Wie eine Mutter/Vater-Kind-Kur helfen kann.

Extreme Erschöpfung, ständige Anspannung und große Verunsicherung – so lässt sich die Situation vieler Mütter und Väter nach 16 Monaten Corona-Pandemie zusammenfassen. "Viele Frauen und Männer können nicht mehr", sagt Martina Zawierta, Sachbearbeiterin Kur und Erholung beim Caritasverand der Diözese Würzburg. Und trotzdem hätten viele in 2020 auf eine Kur verzichtet – aus Angst vor einer Ansteckung oder auch aus Sorge, die Kinder könnten noch mehr Unterricht verpassen. Doch nun steige die Nachfrage nach Mütter/Väter- und Mutter/Vater-Kind-Kuren wieder, berichtet auch die Dachorganisation, das Müttergenesungswerk (MGW).

Rund 35 Prozent weniger Kurteilnehmerinnen und -teilnehmer kamen 2020 für eine Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme in eine der mehr als 70 vom MGW anerkannten Kliniken. Die Auswirkungen der Krise sind auch dort unmittelbar spürbar, 2020 brachen die Belegungszahlungen auf 57 Prozent ein. Viele Kliniken waren von März bis Ende August 2020 sogar ganz geschlossen. Auch in Unterfranken wurden 2020 weniger Kuren in Anspruch genommen. Beantragten 2019 über den Caritasverband Würzburg 290 Mütter und elf Väter mit und ohne Kinder eine Kur, waren es 2020 nur noch 216 Mütter und elf Väter. 

"Mir wurde alles zu viel! Ich stand kurz vor einem Burnout."
Teilnehmerin einer Mutter-Kind-Kur

Auch Elisabeth Klinger (Name von der Redaktion geändert) war von der Corona-Situation in Kombination mit Homeoffice und der gleichzeitigen Betreuung der zweieinhalbjährigen Tochter  überfordert. Dazu kamen noch Rückenprobleme und Asthma. "Mir wurde alles zu viel. Ich hatte das Gefühl, an meine Grenzen zu geraten", sagt die 35-Jährige. "Ich stand kurz vor einem Burnout!" Von einer Freundin hatte sie von der Möglichkeit einer Mutter-Kind-Kur gehört. Und sie hatte Glück: Ihr Hausarzt verordnete die Kur und sie wurde nach einer Beratung bei der Caritas auch genehmigt.

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Schon vor Corona war der Bedarf nach ärztlich verordneten Auszeiten groß: "Mütter sind durch die Alltagsbelastungen, die Doppelbelastung Familie und Beruf, Partnerschaftsprobleme oder Trennung vom Partner, Verhaltensauffälligkeiten der Kinder, Krankheit in der Familie, pflegebedürftige Angehörige, Schulschwierigkeiten der Kinder grundsätzlich schon stark beansprucht", sagt Caritas-Beraterin Zawierta. Die Pandemie habe den Gesundheitszustand und die psychosoziale Belastungssituation der Mütter noch zusätzlich verschlechtert: "Viele Mütter empfanden die andauernde Situation im Homeschooling, teilweise verbunden mit Homeoffice als unerträglich."

"Der Großteil unserer Anträge geht durch."
Martina Zawierta, Caritasberaterin Kur und Erholung

Noch vor knapp zehn Jahren sei es nicht einfach gewesen, Mutter-Kind-Kuren bei den Krankenkassen durchzusetzen. Dies habe sich aber geändert, so Zawierta: "Der Großteil unserer Anträge geht durch." 13 Prozent betrug die Ablehnungsquote im vergangenen Jahr. Mehr als die Hälfte der Frauen legte daraufhin Widerspruch ein – 65 Prozent aller Anträge wurden im zweiten Anlauf positiv beschieden.

Eine Kur ist kein Urlaub

Eine Teilnehmerin aus Unterfranken, die mit ihrer Tochter eine Kur an der Nordsee machen konnte, berichtet, dass sie sich in der Klinik im kleinen Ort Norddeich direkt am Meer gleich wohlgefühlt habe: "Es tat einfach gut mal rauszukommen", sagt die 35-Jährige. Doch eine Kur ist kein Urlaub. Jeden Tag standen verschiedenen Anwendungen auf dem Therapieplan: Massagen, Entspannungs- und Atemtechniken, Nordic Walking, aber auch Vorträge über Erziehung und Ernährung.

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Ihre kleine Tochter wurde vormittags betreut, am Nachmittag blieb Zeit für gemeinsame Ausflüge oder Spaziergänge. "Uns hat die Bewegung an der Nordseeluft einfach gut getan." Kinder können ihre Eltern zur Kur begleiten, wenn sich zu Hause niemand um sie kümmern kann, erklärt die Cartas-Beraterin. Sie dürfen bis zu zwölf Jahren, im Ausnahme­fall bis zu 14 Jahren mitfahren. Bei Kindern mit Be­hinderungen gibt es keine Alters­grenze. Für die Dauer der Kur beur­lauben Schulen die Kinder. Sie erhalten dann dort Unter­richt und Hausaufgabenbetreuung, so Zawierta.

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Nach drei Wochen fühlte sich die Teilnehmerin deutlich besser: "Ich würde so eine Kur auf jeden Fall wieder machen." Auch jetzt – sechs Monate später – wirke die Kur noch nach. "Ich bin gelassener. Ich habe gelernt, dass man es nicht allen recht machen kann." Und: "Vieles läuft seit der Kur entspannter für mich."

Müttergenesungswerk

Unter dem Dach des Müttergenesungswerks arbeiten über 70 anerkannte gemeinnützige Kurkliniken. Der Bedarf ist groß: 2019 machten 47 000 Mütter und Väter eine solche Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme, 2020 waren es Corona-bedingt nur 32 000. Mutter-Kind-Kur, Vater-Kind-Kur sowie eine reine Mütter-/Väterkur sind Pflicht­leistungen der Krankenkassen. Das Müttergenesungswerk, gegründet 1950 von Elly Heuss-Knapp als Spendenorganisation, kämpft seit über 70 Jahren für diese Kuren, die es auch nur in Deutschland gibt.
Ziel war und ist es, kranken Müttern und Vätern individuell zu helfen, unter anderem mit Beratung und Nachsorge sowie mit Spenden. Erst seit 2002 ist es dem Müttergenesungswerk gelungen, dass diese Kurmaßnahmen wie alle anderen Kuren auch, von den Krankenkassen voll bezahlt werden müssen, seitdem können auch Väter diese Kuren in Anspruch nehmen. Bis heute arbeitet das Müttergenesungswerk auch politisch und öffentlich als Stimme für kranke Mütter, für Väter und für pflegende Angehörige: ww.muettergenesungswerk.de
Quelle: clk
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