Würzburg

Corona-Semester: Wie Studenten jetzt ihre Prüfungen schreiben

Viel läuft im Studium mittlerweile online. Aber auch in der Pandemiezeit finden an den Hochschulen in Würzburg und Schweinfurt noch Präsenz-Prüfungen statt. Wo und warum?
Reduzierte Räume: Auch im Audimax der Würzburger Uni am Sanderring kann wegen der Abstandsregel nur jeder fünfte Platz genutzt werden.
Foto: Esther Knemeyer Pereira | Reduzierte Räume: Auch im Audimax der Würzburger Uni am Sanderring kann wegen der Abstandsregel nur jeder fünfte Platz genutzt werden.

Leere Hörsäle und Seminarräume, kein Treffen und Lernen mit anderen, geschlossene Bibliotheken, fehlende Nebenjobs, digitale Angebote, die aus dem Boden gestampft wurden: Studenten in Bayern trifft die Corona-Pandemie in vielerlei Hinsicht. Und jetzt sind da die Prüfungen, die verschoben, digitalisiert oder – aller Infektionsrisiken zum Trotz – zumindest teilweise in Gruppen vor Ort geschrieben werden. Die einen sind zwar froh, wenn sie nach Wochen der Vorbereitung die Klausuren überhaupt schreiben können. Bei manchen Studierenden und auch Eltern sorgt der Ablauf der Prüfungen aber für Unverständnis.

Präsenzprüfungen mit Maske, Abstand und Desinfektion

Präsenzprüfungen sind laut aktueller bayerischer Infektionsschutzverordnung auch nicht verboten. Voraussetzung dafür sind Maske, Abstand und Desinfektion. Einheitliche Regelungen aber gibt es nicht, das Wissenschaftsministerium verweist auf die Freiheit und Zuständigkeit der einzelnen Hochschulen.

An der Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU) und an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) hat man Schutzkonzepte erarbeitet. Nur ein Bruchteil der Prüfungen findet vor Ort statt. Dafür werden die Teilnehmer in großen Hörsälen oder auf mehrere Räume verteilt. Oder es werden Räume außerhalb angemietet, wie beispielsweise das Würzburger Vogel Convention Center, damit die Prüflinge im Abstand von mindestens 1,50 Meter auseinander sitzen. Und es werden Kontaktdaten erfasst.

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An der Uni schreiben aktuell nur die Mediziner ihre Klausuren in größeren Gruppen. Sie seien wegen ihres früheren Semesterbeginns bereits in der Prüfungsphase. Und es gelte unaufschiebbare Fristen zur Meldung für die Staatsexamina einzuhalten, erklärt Pressesprecher Gunnar Bartsch. Ansonsten gebe es Präsenzprüfungen nur in Einzelfällen in kleineren Gruppen mit weniger als 35 Leuten.

Hoffnung auf bessere Corona-Lage im Februar und März

Wegen der weiter hohen Inzidenzwerte hat die Universität alle zentralen und großen Prüfungen von Januar auf Februar oder März verschoben und auch alle Fakultäten um eine Verlegung gebeten. Oder sie sollen digitale Prüfungsformate einsetzen, die nach einer gesetzlichen Regelung vom Herbst (Bayerische Fernprüfungserprobungsverordnung) im Freistaat jetzt möglich sind. Allerdings fehlt es den Hochschulen teilweise noch an Infrastruktur dafür. Und eine digitale Fernprüfung muss immer zusätzlich und zeitgleich in Präsenzform angeboten werden. Organisatorisch ein ziemlicher Aufwand.

Stille, wo sich sonst Studenten tummeln: Der Eingang zur Neuen Universität am Sanderring in Würzburg in diesem Wintersemester.
Foto: Johannes Kiefer | Stille, wo sich sonst Studenten tummeln: Der Eingang zur Neuen Universität am Sanderring in Würzburg in diesem Wintersemester.

Und lässt sich beim Klausurschreiben im eigenen WG-Zimmer nicht schummeln? Genau dies müsse wegen der Chancengleichheit ausgeschlossen werden, sagt Uni-Sprecher Bartsch. Erst dann könne digital auch in größeren Gruppen geprüft werden. Mündliche Einzelprüfungen gestalten sich einfacher, an der Würzburger Uni können die Studenten hier derzeit zwischen Digital- und Präsenzform wählen. 

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Die Kritik, mit Präsenzprüfungen unnötige Infektionsrisiken einzugehen, weist man an Uni wie FHWS zurück. Weil das Ministerium Anerkennungsfristen und Regelstudienzeit auch für dieses Wintersemester ausgesetzt hat, steht den Studierenden die Teilnahme an den Prüfungen weitgehend frei. Wo sie stattfinden, ist nach Einschätzung der Uni-Leitung die Infektionsgefahr wegen der Schutzvorkehrungen "geringer als in einer Vielzahl von wenig oder nicht geregelten Alltagssituationen". 

Digitale Fernprüfungen an der FHWS noch in der Testphase

Auch an der FHWS finden notwendige Präsenzprüfungen nur mit strengem Infektionsschutz statt: Desinfektion, Lüftung, Wegeführung und Maskenpflicht. Ganz ohne Anwesenheit gehe es nicht, bestätigt Präsident Robert Grebner. Man versuche, auf digitale Formate umzustellen. Mündliche Prüfungen, Referate oder Präsentationen würden derzeit rein digital gehalten.

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Allerdings seien teilweise Präsenzprüfungen erforderlich, "um einen individuellen Studienfortschritt zu ermöglichen", sagt Grebner. Dazu kämen zwischen fünf und – bei wenigen Prüfungen – 300 Studierende zusammen. Digitale Fernklausuren könnten in Zukunft eine Alternative sein, aber noch befindet man sich hier in einer Testphase. Das Prüfungssystem müsse technisch stabil laufen, sagt Grebner. Auch hier gehe es um die Kontrolle und das Gebot von Fairness und Gleichbehandlung gegenüber der Präsenzprüfung. 

Anders als an der Uni kommt eine Verschiebung von Klausuren für die FHWS nicht in Frage. Dafür, so der Präsident, sei die Zeitspanne zwischen Vorlesungsphase und Semesterende zu knapp.

Bibliotheken dürfen bestellte Bücher wieder ausgeben

Bayernweit für Erleichterung bei Studierenden dürfte die Teilöffnung der Bibliotheken sorgen. Zwar bleiben die Lesesäle vorerst dicht, aber zumindest die Ausleihe ist ab diesem Donnerstag wieder erlaubt. Online bestellte Bücher können abgeholt werden, mit FFP2-Maske. Das "Click and Collect" für alle öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken gab Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) am Mittwoch nach einem Beschluss des Ministerrates bekannt. 

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