Würzburg

Corona-Umfrage: Note 3,5 für Krisenmanagement der Regierung

Wie geht es Ihnen in der Corona-Krise? Das wollten wir in einer Umfrage wissen. Mehr als 1400  Leser beteiligten sich. Hier sind die Ergebnisse.
52 Prozent der Befragten der Main-Post-Umfrage gaben an, dass sie durch die Corona-Pandemie mehr Zeit hätten. 
Foto: Alina Rosanova | 52 Prozent der Befragten der Main-Post-Umfrage gaben an, dass sie durch die Corona-Pandemie mehr Zeit hätten. 

Das Coronavirus und die seit nunmehr fast einem Jahr – in unterschiedlichen Formen –geltenden Beschränkungen der Grundrechte sind das beherrschende Thema in der Gesellschaft. Deshalb hat diese Redaktion die Leserinnen und Leser in Unterfranken zum Start ins neue Jahr gefragt: Wie geht es Ihnen?

Die Umfrage soll das Stimmungsbild der Region zeigen: Wie genervt sind die Unterfranken von der Pandemie? Wie bewerten sie das Krisenmanagement der Regierung? Auf was freuen sie sich, wenn die Zeit der Einschränkungen vorbei sind?

Die Redaktion war überrascht über die vielen Teilnehmer: 1471 Menschen beteiligten sich an der Umfrage. Herzlichen Dank! Die wichtigsten Ergebnisse der Auswertung finden sie hier grafisch aufbereitet. 

Es wundert nicht, dass die Mehrheit mit der Corona-Pandemie negative Gedanken verbinden: 22 Prozent der Befragten verspüren Ärger, 21 Prozent Traurig- oder Schwermüdigkeit. 14 Prozent haben Angst, acht Prozent Existenzsorgen.

Diese seelischen Belastungen sind ein schwerwiegendes Problem. Laut aktueller Zahlen der Krankenkassen, so Psychiater Dr. Joachim Galuska, als Facharzt lange Jahre auf dem Gebiet der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie tätig, sind die Krankschreibungen in 2020 zwar etwas zurückgegangen, weil es kaum "normale" Grippeerkrankungen gegeben habe. Die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen – vorwiegend Depressionen – haben jedoch deutlich zugenommen.

"Unsere aktuelle Analyse zeigt, wie gerade Menschen mit psychischen Problemen unter den Pandemie-Einschränkungen und -Belastungen leiden", so der Vorstandschef der Krankenkasse DAK-Gesundheit, Andreas Storm. Ein psychischer Krankheitsfall habe im vergangenen Jahr im Schnitt 39 Tage gedauert – so lange wie noch nie seit Beginn der jährlichen Datenerhebung 1997.

"Das ist auch nicht verwunderlich", sagt Joachim Galuska. "Corona-Burnout" sei inzwischen ein gesellschaftlich relevanter Prozess, "der viele psychische Dekompensationen zur Folge hat". Neben Angsterkrankungen und Suchtentwicklungen seien dies depressive Störungen, auch mit schweren Verläufen bis zum Suizid. "Das darf nicht übersehen werden und braucht eine gesellschaftliche Würdigung und Aufmerksamkeit."

Diese These zu stützen scheint auch das Ergebnis auf die Frage: Gibt es etwas Positives, das Sie aus der Krise mitnehmen in den Alltag? Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) schätzten es, dass Ihnen die Pandemie mehr Zeit und Entschleunigung brachte. "Sicher ein Gewinn, der natürlich den gesellschaftlichen Druck widerspiegelt, unter dem bewusst oder unbewusst ein großer Teil unseres Lebens vor Corona ,gelitten' hat", sagt Joachim Galuska. Das zunehmende Ausmaß psychischer Belastungen und die Abnahme sozialer Unterstützungssysteme vor Corona, so der Psychiater aus Bad Kissingen, sei abgelöst worden durch die Corona-bedingten Ängste, Stresssituationen und Vereinsamungen mangels ausreichender sozialer Unterstützung.

"Ein Teil der Gesellschaft genießt sicher die erzwungene Entschleunigung, Homeoffice und Kurzarbeit, für einen anderen ebenfalls erheblichen Teil hat sich der eine Stress durch einen anderen abgelöst", so der 65-jährige Mediziner, der noch als Gesellschafter der Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen tätig ist. "Wenn wir konstruktiv auf die Zukunft schauen wollen, dann brauchen wir zunächst ein sehr ehrliches nicht verschleierndes und schönredendes Gespräch über unsere Seele, über unser Zusammensein, über die Bedeutung von Begegnung, Freundschaft und die Grundwerte unseres Zusammenlebens." Denn sonst, sagt Galuska, "überwinden wir vielleicht das Virus oder lernen mit ihm zu leben, scheitern aber an unserem Leben und werden nicht miteinander glücklich".

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