Würzburg

Corona und die Musik: Live-Streams statt Konzerte

Die ganz großen Bühnen bleiben für Musiker und Bands erst einmal verboten. Wie sich Würzburger Künstler über Wasser halten und ob das überhaupt ausreicht.
Die Band 'The New Black' spielt eigentlich vor vielen Zuschauern – wie hier beim Festival 'Rock im Park' in Nürnberg. Momentan ist das aber undenkbar.
Foto: Su Rosenfeld | Die Band "The New Black" spielt eigentlich vor vielen Zuschauern – wie hier beim Festival "Rock im Park" in Nürnberg. Momentan ist das aber undenkbar.

Die Coronakrise und die damit einhergehenden Maßnahmen treffen auch die Kulturbranche besonders hart. Konzerte wurden aufs kommende Jahr verschoben oder gar völlig abgesagt – und die Umsätze sind eingebrochen. Auch Würzburger Künstler blieben davon nicht verschont. Der Musiker Fabian Schwarz war gerade mit seiner Band "Final Breath" auf Europa Tour, als die ersten Konzerte abgesagt und die ersten Grenzen geschlossen wurden.

Vor den Toren Mailands stehen geblieben

"Im Laufe der Tour wurden bereits vereinzelt Shows gestrichen. Auf dem Weg nach Mailand sind wir dann schließlich wieder umgekehrt und nach Würzburg in den Lockdown gefahren", erinnert er sich. Zurück in der Domstadt konnte der hauptberufliche Gitarrenlehrer seinen Unterricht dann glücklicherweise und beinahe ohne Störungen online über Videochat geben. Lediglich die Internetverbindung bereitete bei manchen Schülern Probleme. "Bei einer Schülerin aus Waldbüttelbrunn war der Unterricht sogar fast nicht durchführbar", erinnert er sich. Mittlerweile sei man wieder zum Präsenzunterricht zurückgekehrt, allerdings mit "verstärkten Hygienevorschriften."

Fabian Schwarz von der Band 'The New Black', der in mehreren Bands mitspielt.
Foto: Christoph Weiß | Fabian Schwarz von der Band "The New Black", der in mehreren Bands mitspielt.

Auch Tim Heberlein, erging es ähnlich. "Wir hätten einige Konzerte gespielt in diesem Sommer", erzählt der Sänger der Post-Hardcore Band Devil May Care aus Würzburg. Für die meisten gebe es zwar bereits Nachholtermine, aber man müsse dennoch sehen, wie man sich an die derzeitige Situation anpasse. Durch sogenannte Wohnzimmerkonzerte versuchen die Künstler, von Zuhause aus die Leute zu erreichen. "Wir geben Live-Konzerte über Social Media, aber in eingeschränkter Besetzung", erzählt der Musiker weiter.

Band-Contest im Internet

Ein Initiator solcher Streams ist auch der angehende Musikproduzent Niko Gwozdz vom Spiral Music Studio. Der 21-Jährige Würzburger hat mit seinem Team vor einigen Wochen sogar einen ganzen Band-Contest in die Online-Welt verlagern können.

Eigentlich sollte der Wettbewerb Ende März im Bechtolsheimer Hof stattfinden. "Als wir den Contest absagen mussten, haben wir beschlossen, die Veranstaltung online stattfinden zu lassen", sagt Gwozdz. Zwölf Künstler machten bei "Kick Out Corona" mit und spielten über den ganzen Abend verteilt aus allen Ecken der Welt. "Ein Künstler war uns sogar aus den USA zugeschalten", sagt er. Das Bewertungssystem lief über eine eigens programmierte Homepage, auf welcher man den Stream auch heute noch ansehen kann. "Aber der ganze Aufwand hat sich gelohnt", bestätigt Gwozdz.

Aber wie sieht es finanziell aus?

Aus ökonomischer Sicht sind Wohnzimmerkonzerte leider keine große Hilfe, erklärt der Musikberater Oliver Plume aus Oerlenbach (Lkr. Bad Kissingen). Er berät Künstler aus ganz Deutschland. "Live-Streams sind zwar eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren, allerdings verdienen die Künstler dadurch kaum etwas", weiß er. Der virtuelle Spendenerlös sei nicht vergleichbar mit den Einnahmen eines Konzerts. "Ich habe sogar ein bisschen die Sorge, dass durch diese Streams weiter die Mentalität 'Musik kostet nichts' zum Vorschein kommt", so Plume.

Die Situation ist ernst

Die Situation sei sehr ernst und für einige existenzbedrohend, führt der Berater weiter aus: "Musiker, die ihr Einkommen hauptsächlich durch Live-Auftritte generieren, hat es sehr hart getroffen", so Plume. Die Soforthilfen des Landes würden nicht alle erreichen, weshalb viele sich arbeitslos melden mussten.

Die beiden Initiatoren des 'Kick Out Corona- Contests': Niklas Griebel (links) und Nico Gwozdz.
Foto: Florian Benelly und Nico Gwozdz | Die beiden Initiatoren des "Kick Out Corona- Contests": Niklas Griebel (links) und Nico Gwozdz.

Einkünfte von Festivals, Volksfesten oder Hochzeiten fallen nun komplett aus. Dabei handele es sich nur um die Spitze des Eisbergs. "Hier hängt ja eine ganze Branche dran. Von Technikern über Verleihern bis hin zu den Veranstaltern und den Clubs vor Ort", weiß der Experte. Die gesamte Kulturszene bange nun um Ihre Existenz.

"Hier hängt ja eine ganze Branche dran. Von Technikern über Verleihern bis hin zu den Veranstaltern und den Clubs vor Ort."
Musikberater Oliver Plume

Unterstützung für die lokalen Szene

Wer seine lokalen Künstler unterstützen möchte, könne dies vor allem durch das Kaufen von Fan-Artikeln, CDs oder Weiterempfehlen der Musik an Freunde tun. Plume: "Ich würde mir wünschen, dass auch die lokalen und regionalen Radiostationen hier etwas mehr den Fokus auf lokale Künstler legen würden, denn es gibt viele tolle und lokale Musiker, die den meisten Menschen nicht bekannt sind."

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