GELCHSHEIM (HAG)

Das Schloss als Christusbetrieb?

Auf unerwartet große Resonanz stieß die von der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde organisierte Veranstaltung zum Thema "Universelles Leben".
Rund 200 Besucher aus der Marktgemeinde und den umliegenden Orten hatten sich in der Deutschherrn-Halle eingefunden. Das Bedürfnis nach Information, das anschaulich und umfassend der Weltanschauungsbeauftragte der Diözese Würzburg, Pfarrer Alfred Singer, befriedigte, resultiert aus dem Verkauf des Gelchsheimer Schlosses. Wie am 13. Januar dieses Jahres berichtet, erwarb der Würzburger praktische Arzt Dr. Rainer Graf das bisher als Wohn- und Erholungszentrum für Rollstuhlfahrer genutzte Anwesen, um dort eine Kurklinik mit Arztpraxis, Physiotherapie und ein Café einzurichten.

In der damals abgegebenen Stellungnahme von Dr. Graf heißt es: "Ich beabsichtige das Anwesen zu nutzen ohne Teilhaber oder Gesellschafter oder finanzielle Hilfe Dritter". Dennoch hielt sich hartnäckig die Vermutung, die Glaubensgemeinschaft Universelles Leben (UL) könnte mit dem Kauf zu tun haben. Es gibt tatsächlich Anzeichen, die in diese Richtung weisen, beispielsweise die kürzlich erfolgten Eintragungen im Handelsregister. In der amtlichen Bekanntmachung vom 9. März 2000 ist dort die "Schloss Gelchsheim Verwaltungs-GmbH" mit den Geschäftsführern Dr. Rainer Graf und Carsten Schlechtweg, Marktheidenfeld, ausgewiesen. Der zweite Eintrag von 13. März lautet: "Schloss Gelchsheim Verwaltungs-GmbH & Co. KG", persönlich haftende Gesellschafter: Firma Schloss Gelchsheim Verwaltungs-GmbH.

Laut Singer ist es bekannt und wird von Menschen, die das UL verlassen haben, bestätigt, dass Dr. Rainer Graf und Carsten Schlechtweg der "Bundgemeinde Neues Jerusalem" angehören, die 1995 die Verantwortung für das UL übernahm. Einen weiteren Hinweis auf die UL-Nähe sieht der Referent darin, dass Carsten Schlechtweg (laut Handelsregister) bereits in verschiedenen "Christusbetrieben" als Geschäftsführer fungiert. Schließlich betrieb Dr. Rainer Graf seine Praxis bisher in Würzburg, Marienstraße 1, einem Gebäude, in dem mehrere Firmen ihren Sitz haben, die als "Christusbetriebe" dem Bereich des UL zuzurechnen sind.

Nur oft ungläubig den Kopf schüttelnd oder auch mal schmunzelnd, aber sonst mucksmäuschenstill, verfolgten die Zuhörer die Geschichte des UL, die Alfred Singer vor ihnen aufrollte. Angefangen bei der Gründerin des "Heimholungswerkes Jesu Christi" (HHW), Gabriele Wittek, die als "Prophetin" bezeichnet wird, aber auch klangvolle Titel trägt wie "Das hohe Geistwesen im Erdenkleid", bis hin zu den wirtschaftlichen Aktivitäten im Umfeld des UL spannte Singer den Informationsbogen. Der Weltanschauungsbeauftragte, der auch die aggressive Haltung und Polemik nicht aussparte, mit der das UL den Kirchen beider Konfessionen gegenüber tritt, berichtete auch von den schwierigen Situationen, die es in anderen Gemeinden zu bewältigen gab, in dem sich das UL nieder ließ.

"Ich bin kein Prophet" entgegnete Alfred Singer auf die Frage, wie sich das Miteinander in Gelchsheim gestalten wird. Er riet abschließend, nicht mit Angst oder Schrecken auf die neuen Mitbürger zu reagieren, keine kämpferischen Auseinandersetzungen zu suchen, sondern die Situation als Herausforderung zu betrachten und als gläubige Gemeinschaft zu überzeugen.

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