Würzburg

Das sollte jeder wissen: Die 10 wichtigsten Fakten zu Zecken

Wie leben Zecken und warum fürchten wir sie? Zoologen Dr. Dieter Mahsberg von der Uni Würzburg hat die Antworten.
Fünf Millimeter kleines Zeckenweibchen bei der Eiablage. „Jetzt versteht man auch, warum man sich an manchen Stellen ganz viele kleine Zecken einfangen kann“, sagt der Fotograf, Zoologe Dr. Dieter Mahsberg.
Foto: Dieter Mahsberg | Fünf Millimeter kleines Zeckenweibchen bei der Eiablage. „Jetzt versteht man auch, warum man sich an manchen Stellen ganz viele kleine Zecken einfangen kann“, sagt der Fotograf, Zoologe Dr. Dieter Mahsberg.

Zecken sind eine Ordnung der Milben - und sie saugen Wirbeltier-Blut. Weil viele Zeckenarten bedeutende Krankheitsüberträger sind, sind sie gefürchtet. Was muss man über die Parasiten wissen? Dr. Dieter Mahsberg, Zoologe und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie der Uni Würzburg, gibt Antworten. 

1. Wie gefährlich sind Zecken und warum?

Da Zecken vor ihrer Blutmahlzeit Speichel ins Wirtsgewebe absondern, der die Blutgerinnung hemmt und lokal betäubt, können darüber auch Krankheitserreger übertragen werden. Diese kommen von den anderen Wirten, an denen Zecken während ihrer Entwicklung Blut saugen, vor allem von Vögeln und Mäusen.

2. Wo muss man sich beim Spaziergang vor ihnen in acht nehmen?

Zecken streift man meist im Gras oder an Büschen ab, von wo aus sie sich den Weg auf unsere Haut suchen, um dort einzustechen und Blut zu trinken. Vom Baum fallen sie nie.

3. Wann stechen Zecken und wann nicht?

Zecken sind im Winter meist inaktiv, werden bei Temperaturen ab zehn Grad aber aktiv. Durch die immer milderen Winter verlängert sich die Zeckenaktivität im Jahr daher weiter und kann schon im Februar beginnen. Am aktivsten sind sie meist im Frühsommer (Mai/Juni). Bei großer Hitze und Trockenheit ziehen sie sich in schattige und feuchtere Bodenbereiche zurück. Infos zur aktuellen Zeckenaktivität gibt der Zeckenradar: www.zecken-radar.de. Zecken können viele Monate hungern und ungünstige Zeiten „aussitzen“, bis ein geeigneter Wirt daher kommt.

4. Gibt es Gegenden, in denen keine Zecken leben?

Zecken gibt es überall, wo es das Klima erlaubt, auch in Skandinavien. Besonders artenreich sind Zecken in den Tropen. Dort sind sie auch für einige schwere Erkrankungen von Nutztieren verantwortlich. Der Klimawandel wird die Nord- und Höhenausbreitung von Zecken und möglicherweise auch die Etablierung gebietsfremder Arten fördern.

5.  Welche Zeckenarten gibt es?

Weltweit gibt es etwa 900 Arten, in Deutschland 30 teils schwer bestimmbare.

6.  Wie sieht ein Zeckenleben aus?

Eine Zecke durchläuft drei Entwicklungsstadien, wobei sie jeweils einen neuen Wirte befällt und Krankheitserreger weitergeben kann.

Fachmann für Schlangen, Vogelspinnen . . . und Insekten: Dr. Dieter Mahsberg.
Foto: Thomas Obermeier | Fachmann für Schlangen, Vogelspinnen . . . und Insekten: Dr. Dieter Mahsberg.

7. Wen befallen diese Spinnentiere?

Die Kombination der entscheidenden Faktoren ist von Mensch zu Mensch verschieden, daher gibt es bevorzugte und eher gemiedene Opfer – ganz sicher kann sich aber niemand sein. Bis auf den Holzbock Ixodes ricinus gehen Zecken eher selten an Menschen, manche Arten haben bestimmte Wirtspräferenzen, die schon der Name andeutet: Taubenzecke, Igelzecke, Schafszecke.

8. Sterben Zecken, wenn man sie im Klo runterspült oder in der Waschmaschine mitwäscht?

Zecken sind durch ihren Körperbau perfekt an das Leben im Fell oder Gefieder ihrer Wirte angepasst und halten daher auch relativ harten Umgang gut aus. Sie können lange hungern und ertragen Frost. Mit verschlossenen Atemöffnungen überleben sie auch untergetaucht lange. Daher sind die Klo- und Waschmaschinenmethoden nur bedingt empfehlenswert. Eine Zecke besser zwischen den Fingernägeln zerreiben, danach Hände waschen. Wenn man viele Zecken gefunden hat, kann man sie beispielsweise in einem Gläschen mit Alkohol töten. Ein Zeckenweibchen hat mehrere Tausend Nachkommen – die Natur hat sie somit darauf vorbereitet, dass viele davon nicht überleben.

9. Wie schützt man sich und Haustiere vor Zecken?

Bei Tieren hilft ein Zeckenhalsband. Vorsicht: Bestimmte Stoffe in Zeckenmitteln können für Hunde wirksam, für Katzen tödlich sein! Hausmittel wie Knoblauch im Fressen oder ein Bernsteinhalsband funktionieren nicht. Zecken haben sehr empfindliche Sinnesorgane, mit denen sie die Hauttemperatur, die Kohlenstoffdioxidkonzentration der Atemluft und Ammoniak im Schweiß messen können. 

10. Welche natürlichen Feinde haben Zecken?

Es gibt etliche Zeckenfeinde, von Vögeln angefangen bis zu bestimmten Wespenarten, Fadenwürmern und Mikroorganismen. Die Erhaltung biologischer Vielfalt fördert somit auch die natürlichen Gegenspieler der vom Menschen eher ungeliebten Zecken. Diese sind als Blut saugende Parasiten aber genau wie Bestäuber (beispielsweise Bienen) und Verwerter von organischem Abfall (wie Asseln und Regenwürmer) Teile von Ökosystemen. Sie sind damit in den Fluss von Energie und Nährstoffen eingebunden und haben dadurch bestimmte Funktionen, die wir Großteils noch gar nicht kennen.

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