Würzburg

Demonstration in Würzburg: Es hapert am Pflegeschlüssel

Rund 50 Personen demonstrierten am Dienstag vor dem Juliusspital für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege.
Foto: Silvia Gralla | Rund 50 Personen demonstrierten am Dienstag vor dem Juliusspital für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege.

Weder haben sie freitags frei noch kommt samstags das Sams: Die Rede ist von Pflegern und Pflegerinnen. Vielmehr ist für sie (fast) immer "Dienst-Tag". Während zu Beginn des Lockdowns ihrer Arbeit mit Balkon-Ovationen gedankt wurde, scheint die anfängliche Aufmerksamkeit und Anerkennung für Menschen, die in helfenden Berufen arbeiten, mittlerweile abgeebbt zu sein.

Pflege-Bündnis "Dienst-Tag für Menschen"

Um auf das Anliegen der Pflegekräfte aufmerksam zu machen, hat das neu gegründete unterfränkische Pflege-Bündnis "Dienst-Tag für Menschen" nun auf unbestimmte Zeit wöchentliche Demonstrationen in Würzburg angekündigt. Dabei soll es nicht um massenhaften Protest gehen – vielmehr sollen stets rund 50 Vertreter der zugehörigen Organisationen in der Innenstadt Präsenz zeigen.

"Wir wollen nicht, dass es bei dem Applaus von damals bleibt", so Annette Noffz, Stiftungsdirektorin im Bürgerspital, bei der Demo-Aktion am frühen Dienstagabend an der Juliuspromenade. Es gehe um "langanhaltende Wertschätzung", die sich nicht zuletzt in adäquater Bezahlung widerspiegeln soll. Dass sie als Führungskraft Seite an Seite mit Beschäftigten aus Pflege, Gesundheitswesen und Behindertenhilfe auf die Straße geht, wirkt ungewöhnlich. Ebenso die überschaubare Teilnehmerzahl, pro Kundgebung sind es rund 50 Personen.  Aber es sei eine "bewusst stille Demonstration", sagt Walter Herberth, Leiter der Stiftung Juliusspital. Die Gefahren von Covid kenne man in der Pflege aus nächster Nähe, daher werde mit den Hygieneregeln nicht leichtfertig umgegangen.

Verbesserungen gefordert

Das Bündnis besteht aus Einrichtungen und Organisation wie dem Blindeninstitut oder der Würzburger Caritas. Konkret werden drei Punkte gefordert: Erstens müsse der Mensch wieder im Mittelpunkt stehen. Die Gewinnorientierung privater Betreiber von Pflegeeinrichtungen resultiere in einem Kostendruck für die gesamte Branche. Zweitens macht sich das Bündnis für den Abbau von Bürokratie und zeitraubenden Dokumentationspflichten stark. Zeit, die am Ende beim Patienten fehle. Zuletzt wird eine tarifgebundene Vergütung für alle in der Pflege arbeitenden Menschen gefordert, außerdem eine 35-Stunden-Woche sowie höhere Wochenend- und Nachtzulagen.

Hoffnung auf einen flächendeckenden Tarifvertrag haben jüngst die Pflege-Reformpläne von Gesundheitsminister Spahn aufkommen lassen. Noch mehr jedoch als die Gehaltsabrechnung beschäftigt die Pfleger und Pflegerinnen der Personalnotstand. "Es fehlen einfach die Leute", klagt Sophia, die beim Arbeiter-Samariter-Bund beschäftigt ist. Es brauche einen "besseren Pflegeschlüssel", also wie viel zu versorgende Patienten auf einen Mitarbeiter kommen. "Daran hapert es wirklich!"

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