Würzburg

Der Mann, dem Tausende Frauen Herz und Geldbeutel öffneten

Bilder des einst in Unterfranken stationierten US-Soldaten Bryan Denny faszinierten kontaktsuchende Frauen in aller Welt. Die Fotos waren von Betrügern missbraucht worden.
Drei Namen, immer der gleiche Mann auf dem Bild: Mit gestohlenen Fotos des zeitweise in Schweinfurt und Würzburg stationierten Oberst Bryan Denny betrogen Internet-Romeos Tausende von zahlungswilligen Frauen.
Foto: Screenshot ACCO/Bryan Denny | Drei Namen, immer der gleiche Mann auf dem Bild: Mit gestohlenen Fotos des zeitweise in Schweinfurt und Würzburg stationierten Oberst Bryan Denny betrogen Internet-Romeos Tausende von zahlungswilligen Frauen.

Das Bild des Mannes hatte etwas Vertrauen-erweckendes. Frauen in aller Welt wunderten sich nicht lange über die Kontaktaufnahme über Facebook, Twitter oder LinkedIn. Sie mochten die Komplimente und die einfühlsame Art des US-Offiziers, der sie scheinbar zufällig im Internet ansprach.

"Ich habe heute Nacht von Dir geträumt"

Frauen wie die allein lebende Charlotte (Name geändert) aus dem Raum Würzburg fanden dann schnell immer vertraulichere Botschaften. "Guten Morgen meine Süße, wie hast du geschlafen, ich habe heute Nacht von dir geträumt!" Dann: "Mit dir will ich den Rest meines Lebens verbringen."

Einsame Frauen begannen zu träumen – und schickten dem Mann auf dem Foto willig Geld, wenn er plötzlich von finanziellen Nöten erzählte. Ermittler von FBI und BKA wissen: Der Trick mit dem Bild eines Soldaten ist eine der erfolgreichsten Varianten von Internet-Romeos – eine Masche, die sich Romance Scamming nennt. 

Der Soldat hielt Charlotte – trotz beginnender Zweifel – mit immer aberwitzigeren Geschichten bei der Stange, mal mit einem geheimen Einsatz in Afghanistan, mal mit der angeblich tragischen Erkrankung seines Sohnes. 18.000 Euro zahlte sie in mehreren Raten – Geld, das sie jahrelang abstottern muss. Als sie nichts mehr hatte (und das ihrem Liebling auch via Internet gestand), brach der schmucke Offizier den Kontakt ab.

Bryan Denny war als US-Offizier in Würzburg und Schweinfurt stationiert. Internet-Romeos nutzten sein Bild, um mit falscher Identität Frauen zu täuschen und von ihnen Geld abzuzocken
Foto: ACCO/Denny | Bryan Denny war als US-Offizier in Würzburg und Schweinfurt stationiert. Internet-Romeos nutzten sein Bild, um mit falscher Identität Frauen zu täuschen und von ihnen Geld abzuzocken

Bryan Denny gab es wirklich – aber er ahnte nichts von Charlotte und all den anderen Frauen. Andere machten mit seinem Bild und falscher Identität Kasse. Der echte Denny war als Offizier bei einer Panzereinheit in Würzburg, Schweinfurt und Vilseck stationiert, hat Frau und Sohn und liebt den Federweißen auf fränkischen Weinfesten.

Denny, ranghoher Offizier bei der "Stryker"-Brigade, wurde von Franken aus in Einsätze geschickt, zum Golf und in den Irak, nach Bosnien und Afghanistan. 2015 ging er in Pension und lebt heute in Williamsburg in Virginia. Dort erhielt er plötzlich eine rätselhafte Nachricht auf LinkedIn: "Ich muss ernsthaft mit Dir reden, Bryan", schrieb eine unbekannte Frau aus Kanada: "Ich dachte, du besuchst mich, wenn dein Einsatz in Syrien zu Ende ist?"

Allein auf Facebook existierten 4000 falsche Konten von ihm

Denny war ratlos: Er kannte weder den Namen noch das Bild der Frau, war nie in Syrien im Einsatz und hatte nicht vor, nach Kanada zu reisen. Er dachte zuerst an eine Verwechslung, machte sich auf die Suche im Internet: Überraschend fand er etwa 100 Einträge, in denen sein Name und Bild benutzt worden war, um Frauen das Geld aus der Tasche zu ziehen – Frauen, von denen er nie etwas gehört hatte.

Oft benutzten die Betrüger zu seinem Bild falsche Lebensläufe und Namen. "Ich war jeder von Frank Smith über Scott Glenn bis Ricardo Montalban", sagte er dem Sender "ABC News". Es seien falsche Profile erstellt worden: "Sergeant, Colonel, Major, Oberstleutnant. Ich leitete angeblich die humanitäre Hilfsmission im Irak, Afghanistan, Syrien." Allein auf Facebook fand er über 4000 falsche Konten, auf denen 51 geklaute Bilder von ihm benutzt wurden. Kassiert wurde, was zu kriegen war, von kleinen Beträgen bis zu sechsstelligen Summen.

Die wahren Empfänger des Geldes vermuten Ermittler in Nigeria oder Ghana. Das FBI weiß: Die Identität von Offizieren wird gerne benutzt. Sie wirken seriös und die Betrüger tun sich leichter, zu erklären, wenn sie gerade mal keine Zeit haben. Sogar die Fotos eines Bundeswehr-Generals wurden dafür schon missbraucht.

So wurde Dennys Einheit nach der Rückkehr aus dem Irak-Einsatz im Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt willkommen geheißen. Hier und in Würzburg war der spätere Oberst vier Jahre lang stationiert.
Foto: Archivfoto Ruppert | So wurde Dennys Einheit nach der Rückkehr aus dem Irak-Einsatz im Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt willkommen geheißen. Hier und in Würzburg war der spätere Oberst vier Jahre lang stationiert.

Auch die unterfränkische Polizei berichtet immer wieder von solchen Betrugsfällen – auch wenn die Betrogenen (nicht nur Frauen) oft beschämt schweigen. "Die Frauen sind nicht dumm", betont eine Kripo-Beamtin. "Aber die Täter sind unheimlich sensibel und stellen es psychologisch sehr geschickt an."

Ex-Oberst nahm den Kampf gegen die Love-Scammer auf

Der pensionierte Oberst Bryan Denny ging zum Angriff über: Er macht seinen Fall öffentlich, erzählt seine Geschichte von der "New York Times" bis zum "Spiegel", geht ins Fernsehen und macht Druck auf Internet-Anbieter wie Facebook, die Identität ihrer Nutzer besser zu überprüfen.

Bryan Denny hat Facebook einen Teil seiner Bilder zu Testzwecken überlassen, damit die Abwehr-Mechanismen geschärft werden. Aber immer wieder schlüpfen Internet-Romeos mit seinem Bild durch die Barrieren und zocken Frauen ab. Er will nicht nachlassen, wirbt bei Politiken für strengere Gesetze – bis dahin sieht er sich und seine Geschichte "als warnendes Beispiel, sich beim Nutzen des Internets nicht in falscher Sicherheit zu wiegen".

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