WÜRZBURG

Deutliches Votum: Mit dem Provinz-Slogan raus aus der Provinz

Gut hundert Vertreter aus Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben hatte die Würzburg AG eingeladen, etwa die Hälfte kam: Eine 50-köpfige Findungskommission hat 83 Ideen, Vorschläge und Entwürfe für eine Würzburger Image-Kampagne unter die Lupe genommen. Das überraschende Ergebnis: Der von den Gastgebern ausgearbeitete Slogan „Würzburg – Die Provinz auf Weltniveau" setzte sich, wie bereits kurz berichtet, in der entscheidenden Runde recht deutlich gegen neun Konkurrenten durch.
Engagiert machten sich 50 Mitglieder einer Findungskommission auf die Suche nach einem Würzburg-Slogan.
Foto: FOTO Patrick Wötzel | Engagiert machten sich 50 Mitglieder einer Findungskommission auf die Suche nach einem Würzburg-Slogan.

Zuvor hatten 90 kreative Köpfe bei einem Wettbewerb auf der Internet-Plattform „jovoto" Vorschläge und Ideen für eine Würzburg-Kampagne eingereicht. 82 davon wurden vom Vorstand der Würzburg AG ausgesucht und der Findungskommission präsentiert. Die Veranstaltung war straff organisiert: In drei Gruppen bewerteten die Gäste im Vogel Convention Center in einer ersten Runde die jovoto-Ergebnisse. Dabei trennte sich recht schnell die Spreu vom Weizen.

Neun Entwürfe setzten sich in der ersten Runde durch und wurden anschließend der kompletten Kommission noch einmal vorgestellt. Die Mitglieder konnten sehr flexibel abstimmen: Zwischen null und fünf Punkten durften sie für jeden einzelnen Entwurf vergeben. Weiter kamen in der ersten Runde nur solche Vorschläge, die optisch bereits gut aufbereitet waren und einen direkten Würzburg-Bezug herzustellen wussten.

Bei dem Entwurf mit dem Slogan „Würzburg - Überraschend anders", der am Ende den zweiten Platz erreichte, dribbelt zum Beispiel Basketball-Star Dirk Nowitzki durch die Residenz, vor dem Hintergrund der Festung ist ein Golfplatz zu sehen, ein Kreuzfahrtschiff hat vor der charakteristischen Silhouette des Heizkraftwerks an der Friedensbrücke angelegt.

Nicht verpflichtet waren die Wettbewerbsteilnehmer, den Slogan „Provinz auf Weltniveau" zu verwenden. Der Begriff „Provinz" tauchte eher selten auf, das „Weltniveau" viel häufiger. „Für mich war das Wort Provinz noch viel zu oft zu sehen", meinte Peter Grethler, Geschäftsführer der Distelhäuser Brauerei. Gefühlsmäßig aber waren die Befürworter des umstrittenen Slogans in der Überzahl.

Richtig spannend wurde es erst in der zweiten Runde: Die Macher der Würzburg AG stellten ihren Vorschlag gegen die neun Sieger der ersten Runde zur Abstimmung. Der Modus war der gleiche, insgesamt wurden 593 Stimmen vergeben. „Würzburg - Die Provinz auf Weltniveau" erhielt mit Abstand die meisten: 157 rote Punkte klebten nach wenigen Minuten neben den drei Plakat-Entwürfen, die bisher vorliegen. Die zweitplatzierte Kampagnen-Idee „Würzburg – überraschend anders" erhielt 123 Stimmen, knapp vor "WürZ.B.urg", die die Vorzüge der Stadt an ausgewählten Beispielen präsentiert . Sie erhielt 118 Stimmen.

Der Applaus nach der Bekanntgabe des Ergebnisses spricht dafür, dass die große Mehrheit hinter der Entscheidung steht. Kritische Stimmen gab es nicht mehr zu hören, im Gegenteil: „Wenn sich diese Kampagne durchsetzt", sind wir keine Provinz mehr", sagte Geschäftsfrau Heike Keller.

Bei der Würzburg AG" ist man zufrieden: „Das Ergebnis ist deutlicher, als ich es erwartet habe", sagte Klaus Walther. Auf dem Weg zu einer Imagekampagne für die Stadt ist damit aber nur ein erster Schritt getan. „Wir werden den Prozess dokumentieren und den politischen Entscheidungsträgern vorlegen. Dann sehen wir unsere Aufgabe als beendet an", so Walthers Vorstandskollege Claus Schreiner. Soll heißen: Der Stadtrat soll sich mit dem Siegerentwurf auseinandersetzen und eine Werbeagentur mit der Ausarbeitung einer Kampagne beauftragen. „Dabei werden wir auch die anderen guten Ideen nicht verheimlichen", betonte Walther.

Glaubt man den Worten von Würzburg-AG-Aufsichtsrat und Werbe-Profi Dieter Schneider, dann hat „Würzburg – Die Provinz auf Weltniveau" beste Chancen, die Stadt voranzubringen. Denn: „Eine erfolgreiche Kampagne darf nicht harmonisch und konsensfähig sein, sondern muss polarisieren.“

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