Steinbachtal

Die Tochter des Erbauers der Mozartschule schreibt einen offenen Brief

Musikunterricht Ende der 50er Jahre in der Mozartschule: Die Klasse spielt die Kindersinfonie von Joseph Haydn, Barbara Schlick ist die junge Dame am Klavier.   SCHLICK
Foto: Foto: | Musikunterricht Ende der 50er Jahre in der Mozartschule: Die Klasse spielt die Kindersinfonie von Joseph Haydn, Barbara Schlick ist die junge Dame am Klavier. SCHLICK

Mit Erstaunen, Entrüstung und auch Trauer habe ich erfahren müssen, dass meine Heimatstadt Würzburg die von meinem Vater Rudolf Schlick erbaute Mozartschule abreißen, das Grundstück an einen Investor verkaufen und auf dem Gelände ein Einkaufszentrum und/oder Wohnungen bauen lassen will, und all dies aus rein wirtschaftlichen Gründen. So angenehm das Wohnen dort sein mag, so wenig darf meiner Meinung nach dafür ein solches Gebäude und ein so wertvolles Gelände in unmittelbarer Nähe der Residenz für kurzfristigen Gewinn geopfert werden.

Die Mozartschule war und ist doch ein wunderbares Beispiel für den Aufbruch nach dem verheerenden Krieg und der furchtbaren Zerstörung, die er mit sich brachte. Die Schule ist von der Bausubstanz offensichtlich in Ordnung, nur recht vernachlässigt und heruntergekommen, wie ich bei meinen verschiedenen Besuchen in Würzburg feststellen musste.

Ist es denn möglich, dass die Stadt das unter Denkmalschutz gestellte Gebäude-Ensemble zum Verkauf anbietet und zum Abriss freigibt? Darf man einfach das Bauwerk eines Architekten ohne Rücksicht auf den Urheber und auch uns, seine Erben, zerstören? Ebenso und eklatanter noch gilt diese Frage für die wunderbaren, einzigartigen Wand-Kunstwerke in der Mozartschule und auch an der Fassade, die nirgends weiterleben könnten. Eine „Abnahme“ und Anbringung an einem anderen Ort (wo?) halte ich für ausgeschlossen.

Wie glücklich waren wir damals 1957, ich war 14 Jahre alt, dass wir aus den sehr beengten und damals etwas dunkel erscheinenden Räumen des Instituts der Englischen Fräulein in der Annastraße in die helle, freundliche und großzügige Schule mit diesem ganz neuen Geist und Flair einziehen und dort unser Abitur machen durften. Dies bestätigen mir auch meine damaligen Mitschülerinnen bei unseren regelmäßigen Treffen immer wieder.

In dieses im Herzen der Stadt liegenden Gebäude, das mein Vater mit viel Gespür für die städtebauliche Lage, mit Kunstsinn, Liebe zum Detail und immer auch mit Blick auf die jungen Menschen, die dort lernen sollten, entworfen hat, sollte nach meiner Überzeugung Kultur und Kulturarbeit im weitesten und vielseitigsten Sinne einziehen dürfen. So fände ich es zum Beispiel wunderbar, wenn dort die Würzburger Sing- und Musikschule endlich eine angemessene Heimat fände. Mir als Sängerin und Professorin für Gesang liegt es sehr am Herzen, dass viele junge Menschen möglichst früh und in idealer Umgebung an die Musik herangeführt werden. Wo ginge das besser als hier!

Die Autorin:

Barbara Schlick ist die Tochter des Architekten der Mozartschule und damaligen Leiter des Würzburger Hochbauamtes Rudolf Schlick. Die 72-Jährige hat sich an die Redaktion gewandt, um in die Debatte um Abriss oder Erhalt des Denkmals einen sehr persönlichen Beitrag einzubringen. Die gebürtige Würzburgerin ist Sopranistin und genießt als Interpretin barocker und klassischer Musik internationalen Ruf. Seit 1997 ist sie Professorin der Hochschule für Musik Köln in Wuppertal. Sie lebt in Brühl und besucht in regelmäßig ihre Schwester.

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