Zellerau

Die zwei stillen Jubiläen der DJK Würzburg

"Sport um der Menschen willen" lautet das Motto des größten Vereins. Für fast alle Interessengruppen werden Sportarten angeboten. Und das bereits seit 100 Jahren.
Sportliche Aushängeschilder der DJK Würzburg: Die beiden früheren Spitzenhandballerinnen und Schwestern Anni (links) und Steffi Placht. (Archivfoto)
Foto: Jutta Bouschen | Sportliche Aushängeschilder der DJK Würzburg: Die beiden früheren Spitzenhandballerinnen und Schwestern Anni (links) und Steffi Placht. (Archivfoto)

Die DJK Würzburg hat heuer gleich zwei große Jubiläen – und die wenigsten in der Stadt dürften bislang davon wissen. Denn sämtliche Feierlichkeiten mussten coronabedingt abgesagt werden. "Wir haben sie um genau ein Jahr verschoben", sagt Geschäftsstellenleiterin Jutta Bouschen. Am 19. September 1920 – also vor genau 100 Jahren – hat sich in den Sanderauer Huttensälen der bundesweite DJK-Sportverband gegründet, der übrigens im Mai ebenfalls ein großes Fest in Würzburg steigen lassen wollte. Mehr oder weniger parallel entstanden damals in der Domstadt auch mehrere Sportgruppen unter diesem Dach. Während des Dritten Reiches ist die Deutsche Jugendkraft deutschlandweit von den Nazis verboten worden.

Carl Mosterts, Gründer des bundesweiten DJK-Sportverbandes in Würzburg. 
Foto: DJK Würzburg | Carl Mosterts, Gründer des bundesweiten DJK-Sportverbandes in Würzburg. 

Im Mai 1950 – also vor 70 Jahren – erfolgte dann die Wiedergründung eines großen Sportvereins, dem Sportbund DJK Würzburg. Zu ihren besten Zeiten hatten die Zellerauer weit mehr als 2000 Mitglieder. Im Jubiläumsjahr sind es an die 1800, womit die DJK nach wie vor zu den größten Vereinen in der Stadt gehört. Die Corona-Pandemie hat das Vereinsleben an der Frankfurter Straße vorübergehend zum Erliegen gebracht. "Das war natürlich auch für uns etwas nie Dagewesenes", sagt Bouschen im Gespräch mit dieser Redaktion: "Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass uns die Mitglieder trotz des Shutdowns die Treue gehalten haben."

Schwimmer und Turner stellen die meisten Mitglieder

Die DJK Würzburg sei ein christlich geprägter Mehrspartenverein, so Bouschen. "Das erkennt man beispielsweise daran, dass wir genau wie andere DJKler einen geistlichen Beirat haben." Das Sportartenspektrum reicht von der japanischen Kampfkunst Aikido über Fußball bis hin zum Tennis auf den Plätzen an der Mainaustraße. Dem Leistungssport verweigere man sich dabei nicht, sagt Bouschen: "Geld wird hierfür bei uns aber generell keines mehr gezahlt." Sowohl im Basketball (Männer) als auch im Handball (Frauen) hatte die DJK einst sogar Bundesliga-Teams. Die bekanntesten Aushängeschilder haben es zu internationalem Ruhm gebracht: Basketballer Dirk Nowitzki sowie die Handball-Schwestern Anni und Steffi Placht.

Bouschen war in den 1980er Jahren selbst auch Torfrau der ersten Handball-Mannschaft, ehe es sie ins Rheinland verschlug. Vor etwa vier Jahren kehrte sie nach Würzburg zurück. DJK-Vorsitzende ist in diesem doppelten Jubiläumsjahr Apothekerin und CSU-Stadträtin Sonja Buchberger, ihre Stellvertreter sind Astrid Hutka und Peter Reinhart. Leistungsmäßig noch immer weit vorne mit dabei sind die Schwimmer und Turner. Sie stellen auch die Abteilungen mit den meisten Mitgliedern.

"Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig das Vereinsleben für die Menschen ist."
Jutta Bouschen, Geschäftsstellenleiterin

Einen regelrechten Boom erlebt der Verein seit Jahren im KiSS-Bereich, etwa 400 Teilnehmer sind es dort mittlerweile. "Wir wollen den Kindern ab eineinhalb Jahren den Spaß am Sport vermitteln – im Turnen, aber auch in vielen anderen Bereichen wie den Ballsportarten", sagt Leiter Simon Löhr. Das fünfwöchige Sommerprogramm auf der modernen Anlage, die auch mit einem Beachvolleyball-Feld ausgestattet ist, ging Ende August zu Ende. Für den Re-Start in der dritten September-Woche ist Löhr optimistisch: "Wir haben jetzt so vieles überstanden und fühlen uns gut gerüstet."

Doch nicht nur die Jüngsten, sondern auch Ältere finden bei der DJK Würzburg eine Heimat. "Wir bieten Herzsportgruppen an und eine, die sich an Menschen mit Demenz richtet", sagt Bouschen. Ihr tue es weh, dass letztere ihren Betrieb noch nicht wieder aufnehmen konnte. "Aber deren Übungen leben von Berührungen." Im Wiederaufbau befinden sich aktuell die Leichtathleten und Handballer, wobei letztere das Problem haben, dass selbst die große DJK-Halle ab einer gewissen Jugendklasse nicht mehr ausreichend ist. "Es ist in Würzburg nicht leicht, an passende Hallenkapazitäten zu kommen", sagt Bouschen.

Trotz aller Unwägbarkeiten sind sie und ihre Mitstreiter gerade in diesem so unplanmäßig verlaufenen DJK-Jubiläumsjahr optimistisch: "Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig das Vereinsleben für die Menschen ist. Wir hoffen, dass sie sich ein Stück weit auch wieder dorthin zurückbesinnen."  Getreu dem langjährigen DJK-Motto: "Sport um der Menschen willen."

Theresa Galz und FSJlerin Laura haben während des fünfwöchigen Sommerferienprogramms tatkräftig unterstützt. So boten die beiden beispielsweise einen Inliner-Kurs an.
Foto: Jörg Rieger | Theresa Galz und FSJlerin Laura haben während des fünfwöchigen Sommerferienprogramms tatkräftig unterstützt. So boten die beiden beispielsweise einen Inliner-Kurs an.
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