Würzburg

Doppelkopf-Klub: Würzburgs härteste Aufnahmeprüfung

Seit fünf Jahren gibt es den Würzburger Doppelkopf-Klub. Rein zu kommen, ist schwieriger als in manchen Szene-Club. Warum das Spiel in Bayern so exotisch und exklusiv ist.
In Bayern gibt es gerade mal zwei Doppelkopf-Clubs, einer davon in Würzburg. 
Foto: Thomas Obermeier | In Bayern gibt es gerade mal zwei Doppelkopf-Clubs, einer davon in Würzburg. 

Füchse, Dullen, Re-Parteien, Kontra-Parteien, Hochzeiten, Pflichtsoli und Charly. Sie verstehen nur Bahnhof? Dann brauchen Sie sich bei Eckhard "Ecki" Stretzel nicht zu melden. Der 76-Jährige ist Vorsitzender des ersten Würzburger Doppelkopf-Klubs. Und in den kommt nur, wer Stretzel und seiner Frau Astrid beweist, dass er das komplizierte Kartenspiel mit all seinen Finessen beherrscht.

Doppelkopf! Vorstand Eckhard Stretzel erzählt, wie es vor fünf Jahren zur Vereinsgründung kam.
Foto: Thomas Obermeier | Doppelkopf! Vorstand Eckhard Stretzel erzählt, wie es vor fünf Jahren zur Vereinsgründung kam.

Wer das kann, der ist damit zumindest in Bayern ein Exot. „Nördlich des Mains wird Doppelkopf gespielt, bis in den hohen Norden. Ich sag mal, oberhalb des Weißwurstäquators“, sagt Stretzel und lacht. „Aber hier in Bayern können es die wenigsten.“ Tatsächlich ist der Würzburger Doppelkopf-Klub einer von nur zweien im ganzen Freistaat, zwei Drittel der Spieler sind keine Franken. Nur noch in München wird organisiert Doko gekartet, wie das Spiel umgangssprachlich genannt wird. Überall sonst dominieren im Wirtshaus die verwandten Kartenspiele Schafkopf und Skat. Fünf Jahre lang gibt es den Würzburger Klub nun schon, über 100 000 Spiele haben die 35 Mitglieder bislang gespielt. Gefeiert wird an diesem Samstag – natürlich mit einem ausführlichen Doppelkopf-Turnier.

"Wer das streng findet, der war noch nicht beim Bridge." 
Eckard Stretzel über die Regeln im Würzburger Doppelkopf-Klub

Fünf Jahre nach Gründung ist jeder Klubabend perfekt durchgeplant. Aus einem losen Treffen von Hobby-Doppelkopflern ist ein streng organisierter Verbund geworden. Wer von den 35 Spielern zwischen 29 und 76 Jahren kommt, muss in der Woche vorher Bescheid geben. Nur so können die Stretzels vor Beginn die Tische mit Platzkarten vorbereiten. Und jede Woche wird aufwendig ausgelost, wer mit wem den Abend über spielt. „Eine Stunde eher bin ich da, so viel Zeit brauche ich auch“, sagt Eckhard Stretzel.

Vorgedruckte Punktezettel und Kugelschreiber liegen auf jedem Tisch bereit. In jedem Kartenspiel steckt ein am Computer erstellter, feinsäuberlich zurechtgeschnittener Zettel mit Datum. Wurde ein Spiel zehn Mal benutzt, wird es weggeschmissen, weil es dann zu abgegriffen ist. Die Namensschilder, die jeder Spieler verbindlich tragen muss, werden alphabetisch geordnet aufgelegt. Sie verraten nicht nur den Vornamen, sondern auch wie viele Spiele man schon gespielt hat. Für Tausend gespielte Spiele gibt es einen Stern, ein bisschen wie auf den Trikots der Fußballnationalmannschaft.

Genaue Statistik: Doppelkopf im Klub ist auch was für Zahlen-Fetischisten
Foto: Thomas Obermeier | Genaue Statistik: Doppelkopf im Klub ist auch was für Zahlen-Fetischisten

Wer nicht Punkt 19 Uhr erscheint, hat verloren: „Wenn einmal begonnen ist, kann keiner mehr dazu kommen,“ sagt Stretzel. Alles kein Larifari: „Die Unterhaltung endet, wenn wir mit dem Spiel beginnen. Es darf mal kurz über einen Spielzug geredet, auch mal über die Karten geärgert werden – aber gequatscht wird nebenher nicht.“ Ob das nicht etwas streng ist? „Wer das streng findet, der war noch nicht beim Bridge“, sagt Stretzel, lacht kurz – und erklärt dann weiter den durchgetakteten Ablauf. 24 Spiele müssen an einem Abend pro Tisch gespielt werden, so sagen es die Regeln des Deutschen Doppelkopf-Verbands. Bis 22 Uhr müssen die Spiele gespielt sein – so sind die Regeln des Würzburger Klubs.

"Entzugserscheinungen. Das Spielen im Verein hat uns so gefehlt."
Die Stretzels über die Zeit nach ihrem Umzug aus Hessen nach Würzburg

Angefangen hatte alles etwas unorganisierter, mit einer Annonce: „Doppelkopf-Begeisterte gesucht!“, ließen Eckhard und Astrid Stretzel immer wieder in die Zeitung setzen, nachdem sie von Offenbach nach Würzburg gezogen waren. „Wir haben da jahrelang im Verein gespielt und hier hat es uns so gefehlt“, sagt Astrid Stretzel. „Entzugserscheinungen“, habe er gehabt, sagt ihr Mann.

Auf die ersten Anzeigen 2013 meldet sich niemand, zu unbekannt ist in Unterfranken das Spiel. „Aber ich hab’ nicht aufgegeben“, erinnert sich Eckhard Stretzel. Irgendwann startet er eine richtige Doppelkopf-Werbe-Offensive, die Anzeigen werden größer und erscheinen jede Woche. Und endlich, die Stretzels finden ihre ersten zwei Mitspieler.

Von da an verwandelt sich das Wohnzimmer in eine Spielstätte. Erst spielt das Ehepaar jeden Montag mit den zwei neuen Spielpartnern. Irgendwann reicht der eine Tag nicht mehr, eine neue Anzeige zieht neue Mitspieler an. „Also haben wir am Dienstag auch gespielt. Und dann irgendwann noch am Mittwoch. Und dann am Donnerstag.“ Vier Spieler braucht es für Doppelkopf, jedes Mal, wenn die Stretzels zwei gefunden haben, eröffnen sie eine neue Runde.

Warum es sogar Astrid Stretzel zu viel wurde und warum der Name des Wirtshauses ungenannt bleibt

„Als Eckhard damit ankam, dass wir ja auch noch am Freitag spielen könnten, wurde es mir zu viel“, sagt seine Frau. „Da hat sie gestreikt“, sagt ihr Mann lachend, „und ich hab mir gedacht: Dann gründ’ ich eben einfach einen Klub.“ Genug Leute hat er zusammen, am 19. Mai 2014 treffen sich 13 Doppelkopfler in der Stadt: Der 1. Würzburger Doppelkopf-Klub ist geboren.

Mehr als die Hälfte der Karten ist Trumpf, höchster Trumpf ist die Dulle, die Herz Zehn.
Foto: Thomas Obermeier | Mehr als die Hälfte der Karten ist Trumpf, höchster Trumpf ist die Dulle, die Herz Zehn.

Bald trifft sich der Klub wöchentlich, die Interessenten werden mehr. Wer die Grundregeln beherrscht und einfach so mitspielen will, hat schon damals die Rechnung ohne Eckhard Stretzel gemacht. So ist es bis heute: „Es ist ärgerlich, wenn jemand zum Klubabend kommt, sagt, dass er Doppelkopf kann und dann einen Bock nach dem anderen spielt.“ Öffentlich verraten, wo sie sich zum Spielen treffen, möchte Stretzel deshalb nicht. „Das haben wir einmal gemacht und schon standen Leute da, die einfach so mitspielen wollten. Das geht nicht.“

Schwierig genug sei es ohnehin, eine passende Lokalität zu finden. „Wirtsleute mögen keine Kartenspieler – die sind so in ihr Spiel vertieft, dass sie das Trinken vergessen.“ Alkohol trinkt so gut wie keiner der Klub-Spieler, und an Essen ist in der konzentrierten Atmosphäre mit den eng gestellten Tischen nicht zu denken. Deshalb hat Stretzel mit dem Wirt und seinen Klubmitgliedern einen Mindestumsatz von fünf Euro pro Abend vereinbart.

Welches Programm die Anwärter durchlaufen müssen

Statt einfach reinzuschneien, durchlaufen die Anwärter ein mehrstufiges Programm, bis sie im Klub aufgenommen werden. „Als erstes telefoniere ich mit dem Interessenten. Da stelle ich ein paar Fragen, lasse einzelne Karten erklären. Da sehe ich sofort, wer die Grundregeln kennt“, sagt Stretzel. Dann laden die Stretzels die Interessenten zu sich nach Hause ein und holen noch erfahrenen Mitspieler dazu. "Voraussetzung ist, dass der Anwärter die Regeln beherrscht und grundsätzlich Doppelkopf spielen kann. Wir geben ihm dann drei Abende, uns zu beweisen, dass er auch ein guter Spieler ist." Stretzel will sehen, "ob einer nur die Karten schmeißt oder auch taktisch was draufhat“.

Können gefragt: Am Tisch beim Klubabend. 
Foto: Thomas Obermeier | Können gefragt: Am Tisch beim Klubabend. 

Wer nach drei Abenden nicht von sich überzeugen konnte, hat nur eine Chance, noch aufgenommen zu werden: Er kann einen der Anfängerkurse besuchen. „Ausnahmen machen wir da keine. Das bremst sonst die ganze Runde.“ Die Kurse bieten die Stretzels seit vier Jahren an, Voraussetzung ist, dass ihre Schüler zumindest Skat oder Schafkopf beherrschen und mit Trümpfen und Stichen etwas anfangen können.

An bis zu 13 Abenden werden dann Regeln und Spielweisen gepaukt, danach wird entschieden, wer gut genug ist für die Aufnahme in den Klub. „Beim ersten Anfängerkurs haben wir von 20 Leuten acht hinterher aufgenommen“, sagt Stretzel.

"Mehr als fünf Mal sollte man nicht den gleichen Bock karten.“
Klub-Chef Eckhard Stretzel über die Geduld mit Anfängern 

Eine der Glücklichen ist Hilde Wachler. Sie kam als Schafkopfspielerin in den Kurs, heute spielt sie begeistert Doppelkopf. „Das ist so viel variantenreicher, feiner und auch anspruchsvoller“, sagt sie, während sie gekonnt die Karten mischt und schwungvoll an ihre Mitspieler verteilt. „Mich hat es sofort mitgerissen und bis heute lerne ich bei jedem Klubabend dazu.“ Fehler, ja, die muss man machen, das sieht auch Stretzel so. „Aber mehr als fünf Mal sollte man nicht den gleichen Bock karten.“

Fünf Fehler, drei Test-Abende: Eckhard Stretzel hat es mit den Zahlen. Jedes Quartal erstellt er eine Statistik, die den Fortschritt der Spieler dokumentiert. Dazu wird jährlich ein Klubmeister ermittelt. Die letzten vier Jahre war das Dietmar Winkler, ein gebürtiger Kitzinger und damit ausnahmsweise mal ein Franke, der Eckhard Stretzel Jahr für Jahr auf den zweiten Platz verweist.

Winkler hat als Kind Doppelkopf von seinem Vater gelernt, der hat es in der Kriegsgefangenschaft gespielt. Warum er so gut kartet? „Ich kann mir die Karten gut merken, weiß, was schon gelegt ist. Ich behalte den Überblick und hab ein gutes Gedächtnis – und Glück“, sagt er.

„Gehirnjogging“, nennt Stretzel das Spiel, da muss Winkler zustimmen. „Manchmal gehe ich heim und bin richtig erschöpft.“ Aber wiederkommen, das tut er dennoch jede Woche. 

Doppelkopf und der Würzburger Klub
Das Spiel wird zu viert mit zwei Kartenspielen jeweils von der neun bis zur Ass gespielt, üblicherweise mit dem französischen Blatt. Das sind 48 Spielkarten. Mehr als die Hälfte der Karten ist Trumpf, höchster Trumpf ist die Dulle, die Herz Zehn.
Wie beim Schafkopf stellt sich erst während des Spiels heraus, wer mit wem zusammenspielt. Spielerfahrung, gute Kenntnis von spieltaktischen Finessen und vor allem ein gutes Gedächtnis bilden die Basis für eine erfolgreiche Doppelkopf-Partie. Die Spielregeln variieren regional und nach individueller Vereinbarung. Die Abwandlungen und Sonderregeln sind beinahe unzählbar. Wer Skat oder Schafkopf beherrscht, tut sich leichter, das Spiel zu erlernen.
Im Deutschen Doppelkopf-Verband, DDV, der 1982 gegründet wurde, sind derzeit 71 Spielklubs gelistet. Der Würzburger Klub ist nicht darunter, da er nach einem leicht von den DDV-Regeln abweichendem Regelwerk spielt. Auch veranstaltet der Würzburger Klub nur interne Turniere und nimmt nicht an externen Wettbewerben teil.
 
Wer Interesse an einem Anfängerkurs hat, kann sich bei Eckhard Stretzel melden unter 0931-3599176 oder per Mail an doppelkopf-wuerzburg@gmx.de. Wenn genügend Anwärter zusammengekommen sind, findet der nächste Kurs statt.
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