Uengershausen

Dorfleben im Dorfladen

Aktives Ehrenamt: Stellvertretend für alle fleißigen Helfer stehen (von links) Margarete Zimmermann, Renate Leicht, Sigrid Kranz, Birgit Zimmermann, Jürgen Kranz und Horst Kohmann im Dorfladen Uengershausen.
Foto: Wilma Wolf | Aktives Ehrenamt: Stellvertretend für alle fleißigen Helfer stehen (von links) Margarete Zimmermann, Renate Leicht, Sigrid Kranz, Birgit Zimmermann, Jürgen Kranz und Horst Kohmann im Dorfladen Uengershausen.

In Uengershausen wird Ehrenamt täglich aus Neue gelebt. Denn ohne viele fleißige ehrenamtliche Hände wäre der Dorfladen zum Scheitern verurteilt. Vor drei Jahren öffnete der Dorfladen seine Pforten. Doch lange vorher schon hatten einige Uengershäuser von einem Tante-Emma-Laden mitten im Ort geträumt, allen voran Sigrid Kranz. Die Idee aber hatte der damalige Bürgermeister Karl Hügelschäffer. In Sigrid Kranz und ihrem Mann Jürgen fand er zwei engagierte Bürger, die vehement und unermüdlich für die Verwirklichung des Ladens kämpften.

Ohne zu ahnen, was es an Hürden zu nehmen galt, schritten die Uengershäuser Anfang 2013 zur Tat. In vier Monaten intensivster Arbeit und rund 2000 freiwilligen Stunden zauberten sie aus der ehemaligen VR-Bank ein kleines Schmuckstück. Eine echte Mammutaufgabe mit vielen schlaflosen Nächten, sagt Sigrid Kranz: „Wir sind da sehr euphorisch reingestolpert, das war irre mutig. Und vieles hat sich dann positiv ergeben.“

So haben Margarete und Birgit Zimmermann in Uengershausen die komplette Buchführung ehrenamtlich übernommen. Ein enormer Kostenfaktor, meint Kranz, die ehrenamtlich unbezahlte Geschäftsführerin ist. Siegbert und Renate Leicht und weitere zwölf Frauen machen die alljährliche Inventur und Bewertung der rund 1400 Artikel. Ehrenamtlich. Eine Wahnsinnsaufgabe die sehr viel Zeit und zahlreiche Espressi kostet.

Und da wären noch die rund 35 Personen, vor allem Frauen, die tagtäglich ehrenamtlich für den reibungslosen Ablauf des Geschäftes sorgen. Regale einräumen, kehren, putzen, spülen. Und verkaufen. „Alle Verkäuferinnen bezahlen, das können wir uns nicht leisten, dafür ist der Umsatz in der Gemeinde mit 560 Einwohnern zu gering“, meint Kranz. Und die kaufen nicht alle im Uengershäuser Lädle ein, weil es doch viele Supermärkte in der Nähe gebe.

„Da fehlt mir die Solidarität mit der älteren Generation und den Kindern, die hier den Umgang mit Geld lernen“, so Kranz weiter. Aber mit den Preisen der Supermärkte könne der kleine Laden nicht konkurrieren, auch wenn es sich oft nur um ein paar Cent handle.

Dabei ist das Angebot im Dorfladen groß. Katzenfutter, Ketchup, Klopapier, Kondome, selbst gemachte Uengershäuser Nudeln, Honig und Schnaps, Fleisch und Wurst aus Riedenheim und Reichenberg, Mehl aus Fuchsstadt und dem Taubertal, Backwaren aus Kist, Essig und Secco aus Sommerhausen und viele weitere Produkte aus der Region. „Mit diesem Sortiment kann man locker über die Runden kommen“, meint Horst Kohmann, der „Hausmeister“ und Mann für alle Fälle.

Zwischen 1200 und 1400 Artikel findet der Kunde hier, ein Vollsortiment mit allem, was man zum täglichen Leben braucht. Frisches Obst und Gemüse genauso wie Getränke, Grillkohle, Schreibwaren und Zeitschriften. Und täglich frische Brötchen.

Und die Bilanz nach drei Jahren? „Die ersten eineinhalb Jahre waren äußerst schwierig. Aber heute würde ich sagen, es hat sich gelohnt, es tut Uengershausen sehr gut und der Laden trägt sich“, erläutert Kranz. Am Anfang allerdings habe man Verluste gemacht. Aber man habe dazu gelernt. Zum einen wurden die Lohnkosten gesenkt und durch ehrenamtliche Stunden im Verkauf ausgeglichen. Zum anderen kaufe man bewusster und teilweise etwas günstiger für den Laden ein.

„Dorfladen bedeutet, sich täglich kümmern, täglich arbeiten, täglich kleinere und größere Probleme lösen“, meint Kranz. Aber es bedeute auch Freude darüber, den Senioren und Kindern vor Ort ein Stück Selbstständigkeit zurückgeben zu können. Darüber hinaus diene der Laden nicht nur der Nahversorgung, sondern auch dem sozialen Miteinander.

„Die Menschen in Uengershausen und den Nachbargemeinden sind wieder näher zusammen gerückt. Hier findet täglich Dorfleben statt“, meint Jürgen Kranz. Doch ohne das tägliche unermüdliche ehrenamtliche Engagement wäre der Laden nicht überlebensfähig.

Damit das Projekt weiterhin bestehen kann, werde nun dringend eine energetische Sanierung des Gebäudes benötigt, so Kranz weiter. Auch die Fassade solle schöner werden. Und ein paar Nebengebäude sollen noch als Getränkelager entstehen.

Die Marktgemeinde Reichenberg unterstützt das Vorhaben und stellt das Gebäude auch weiterhin mietfrei zur Verfügung. Nun warte man auf die nötigen finanziellen Mittel für die weiteren Vorhaben, sagen die Verantwortlichen, die sich für die Zukunft eines wünschen: „Es wäre toll, wenn mehr Dorfbewohner die Einsicht gewinnen würden, dass der Dorfladen ein Gewinn für das ganze Dorf und letztlich für sie selbst ist.“

Weitere Infos unter

www.dorfladen-uengershausen.de

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