Würzburg

Dr. Helds Corona-Tagebuch: Ein schwerer Verlauf kann jeden treffen

Die Zahl der Covid-Patienten sinkt leicht, Impf-Nachschub kommt. Aber: Auch Jüngere erkranken schwer. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte, berichtet.
'Die Patienten, die bei uns im Klinikum derzeit intensiv versorgt und beatmet werden, sind mitnichten alle hochbetagt', sagt Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte. 
Foto: Thomas Obermeier | "Die Patienten, die bei uns im Klinikum derzeit intensiv versorgt und beatmet werden, sind mitnichten alle hochbetagt", sagt Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte. 

Zu Wochenbeginn haben wir im Klinikum Würzburg Mitte 30 Covid-Patienten, davon werden sechs auf den Intensivstationen beider Standorte behandelt. Insgesamt sind die Corona-Zahlen in den vergangenen Tagen etwas rückläufig. Das stimmt mich hoffnungsvoll – von Entwarnung kann man allerdings noch keinesfalls sprechen.

Die große Herausforderung bleibt die Versorgung der Intensivpatienten. Das liegt auch daran, dass die Corona-Lage in der gesamten Region weiter angespannt ist. Gerade in der vergangenen Woche haben uns wiederholt Anfragen erreicht, ob wir bei Bedarf Patienten übernehmen könnten.

Was auffällt: Die Patienten, die bei uns im Klinikum derzeit intensiv versorgt und beatmet werden, sind mitnichten alle hochbetagt. Zum Beispiel behandeln wir eine Frau, die seit einem Unfall querschnittsgelähmt und dadurch vorerkrankt ist. Sie ist erst 43 Jahre alt. Die anderen Intensiv-Corona-Patienten haben sogar keine wesentlichen Vorerkrankungen. Das zeigt, dass schwere Covid-Verläufe jeden treffen können.

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Die Zahl der Corona-Patienten aus Pflegeheimen hingegen geht bei uns aktuell zurück. Es scheint weniger Ausbrüche in Senioreneinrichtungen zu geben und das würde man den Heimen wirklich wünschen. Denn wir wissen, wie schwierig es etwa ist, demente Patienten unter Isolationsbedingungen zu versorgen. Da wird den Pflegekräften sehr viel abverlangt und Unglaubliches geleistet.

200 weitere Impfstoff-Dosen für die Klinik-Mitarbeiter

Erfreulich für uns im Klinikum ist, dass Impfstoff-Nachschub kommt. Wir rechnen am Mittwoch mit 200 weiteren Dosen für unsere Mitarbeiter. Das ist wichtig und positiv, denn die Nachfrage ist enorm.

Generell müssen wir unsere Organisation jetzt nach den Feiertagswochen noch einmal überprüfen und eventuell neu justieren. Beispielsweise mit Blick auf die operative Versorgung, denn zum Glück haben wir wieder mehr Betten zur Verfügung. Das liegt auch an weniger Krankheitsfällen beim Personal – hier hat sich die Situation im Vergleich zur Weihnachtszeit entspannt. So können wir gegebenenfalls wieder mehr planbare Operationen und Diagnostik anbieten. Und das ist auch nötig: Alle Fachbereiche haben eine lange Warteliste von Patienten. Bei Eingriffen, die eine Intensivversorgung nach sich ziehen, müssen wir allerdings weiter von Tag zu Tag entscheiden, ob wir sie durchführen können.

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Was mich darüber hinaus in den vergangenen Tagen beschäftigt hat, ist das Thema Kommunikation. Natürlich ist es gerade in Krisen wichtig, dass man klar und verbindlich kommuniziert. Leider hat man im Moment teilweise das Gefühl, dass jeder Freiraum ausgenutzt wird – egal ob es um Besuchsregeln in Kliniken geht oder Kontaktbeschränkungen im Alltag. Manchmal scheint es, als würde nur noch das schriftliche Wort oder gar die gesetzliche Anordnung zählen. Das ist schade.

Wenn man etwa liest, wie aktuell Ansprüche auf Kapazitäten, auf Rechte und vor allem auf den Impfstoff erhoben werden, da kommt man schon ins Nachdenken. Ich würde mir hier mehr Einsicht wünschen – und dass jeder Einzelne mehr Verantwortung übernimmt.

Priv.-Doz. Dr. Matthias Held (50) ist Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte. Dort ist der Lungenspezialist für die Covid-19-Patienten zuständig. Per Tagebuch gibt er seit vielen Wochen regelmäßig Einblicke in den Klinikalltag: www.mainpost.de/corona-tagebuch

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