Würzburg

Dr. Helds Corona-Tagebuch: Warum noch keiner dem Frieden traut

Die Patientenzahl sinkt, auf der Intensivstation ist Platz. Können die Mitarbeiter aufatmen? Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte, berichtet.
Alle seien noch sehr vorsichtig nach dem Ausnahmezustand, sagt Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte.
Foto: Daniel Peter | Alle seien noch sehr vorsichtig nach dem Ausnahmezustand, sagt Dr. Matthias Held, Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte.

Wir sind am Montag im Klinikum Würzburg Mitte mit 17 Corona-Patienten in die neue Woche gestartet – etwas weniger als vor dem Wochenende. Neben Entlassungen gab es aber leider auch zwei Todesfälle, das ist immer traurig für alle.

Positiv hingegen ist: Auf der Intensivstation hatten wir am Morgen nur noch zwei Covid-Erkrankte – und einen der beiden Patienten konnten wir ebenfalls auf die Normalstation verlegen. Der Mann war mehrere Tage lang mit einer High-Flow-Sauerstofftherapie und Dexamethason behandelt worden, teilweise auch in der Corona-typischen Bauchlage. Zum Glück konnten wir so eine invasive Beatmung verhindern und sein Zustand hat sich von Tag zu Tag verbessert.

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Generell haben wir momentan genügend Platz auf den Intensivstationen an beiden Standorten. Auch gehen die Belegungszahlen mit Covid-Patienten insgesamt kontinuierlich zurück. Das ist sehr erfreulich, und wir denken intern darüber nach, ob wir die Corona-Isolierstation bald stufenweise verkleinern können. Das würde mehr Kapazitäten für Patienten und mehr Personal für andere Bereiche bedeuten. Nur ehrlicherweise muss man sagen, dass alle noch sehr vorsichtig sind, diesen Schritt der Rückorganisation zu gehen. Noch traut keiner dem Frieden so recht, es herrscht eine gewisse Verunsicherung. Ich kann das gut verstehen.

Weniger hochbetagte Corona-Patienten im Klinikum

Aber aus meiner Sicht hat sich die Situation für uns erkennbar entspannt. Ich hoffe daher, dass es in den nächsten Tagen so bleibt und wir allen Mut machen und sagen können: Schaut, es geht nach vorne! Und: Sollten wir die Corona-Isolierstation tatsächlich verkleinern, muss natürlich kein Patient Angst haben – wir sind flexibel, die Konzepte zur Erweiterung liegen bereit und bei Bedarf können wir schnell wieder Platz schaffen.

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Was uns beim Blick auf unsere Ressourcen derzeit auffällt, ist ein Engpass ganz neuer Art. Wir haben zwar ausreichend Laborkapazitäten, Medikamente und Schutzausstattung – aber bei speziellen technischen Verbrauchsmaterialien ist der Markt sehr angespannt und die Einkäufer tun sich schwer. Ein Beispiel sind Nadelsets, wie man sie zum endobronchialen Ultraschall benötigt. Das betrifft nicht die Versorgung von Covid-Patienten, sondern etwa die Abklärung von Tumorerkrankungen. Hier zeigt sich, dass durch die Einschränkungen der Wirtschaft rund um Corona offenbar weniger produziert wurde und weniger verfügbar ist.

Verändert im Vergleich zum Frühjahr hat sich auch die Zahl der hochbetagten Patienten. Zu Beginn der Pandemie gab es häufiger Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen und in der Folge kamen zahlreiche Senioren zu uns. Heute sind das deutlich weniger. Ob man das nach sechs Wochen allerdings bereits verlässlich auf die Impfungen zurückführen kann, würde ich bezweifeln. Sicher ist, die Heime haben Corona mit ihren Hygienemaßnahmen besser im Griff, sie schützen sich. Dass wie in den Herbstmonaten fünf bis sechs Patienten auf einmal aus einer Einrichtung zu uns ins Klinikum gebracht wurden, das hatten wir länger nicht mehr. Und auch das ist natürlich positiv.

Priv.-Doz. Dr. Matthias Held (50) ist Ärztlicher Direktor am Klinikum Würzburg Mitte. Dort ist der Lungenspezialist für die Covid-19-Patienten zuständig. Per Tagebuch gibt er seit vielen Wochen regelmäßig Einblicke in den Klinikalltag: www.mainpost.de/corona-tagebuch

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