Würzburg

Drogen-Prozess: Fernseh-Polizist steht vor Gericht

Christian G. ist Polizist. Unter dem Künstlernamen Chris van Varenberg mimt der gebürtige Würzburger auch im Fernsehen Polizisten, als Schuspieler in Serien wie „Rosenheim-Cops“und „K11“. Nun hat er ungewollt im richtigen Leben eine Hauptrolle: als Angeklagter in einem Drogen-Prozess in Bamberg.

Zeugen aus dem Drogen-Milieu belasten ihn: Christian G. habe als Begleitschutz vor zehn Jahren auf dem Beifahrersitz gesessen, wenn eine damalige Freundin in den Raum Nürnberg fuhr, um kiloweise Haschisch zu holen. Die Vorwürfe tauchten erst vor drei Jahren auf. Nun soll das Landgericht den Fall des Würzburgers klären, der zuvor in Forchheim als Polizist Dienst tat.

Krimis und Ritterspiele

Als Schauspieler ist er unter dem Künstlernamen Chris van Varenberg bekannt: ein athletischer Sunny-Boy mit Bart, langen Haaren und einem Faible für das Mittelalter. „Sei tapfer und ehrenhaft“ heißt es auf einem Bild seiner Internetseite, auf der er in Rüstung vor einem Schwert kniet. Andere Fotos zeigen ihn als Anwalt und Polizist – ein bekanntes Gesicht, das man aus Serien wie „K11“, den „Rosenheim-Cops“ oder dem Franken-Krimi „Seilschaften“ kennt.

Auch bei Mittelalter-Festspielen wie in Giebelstadt (Lkr. Würzburg) steht er auf der Bühne, wie 2006 als Florian Geyers ritterlicher Mitstreiter Stephan von Mentzingen.

Mit dem Prozess in Bamberg geht er offen um, stellt Berichte selbst auf seiner Facebook-Seite ein – und bekommt dafür viel Zuspruch. „Ich bin unschuldig“ antwortet er auf Anfrage. „Sagen zwar alle, ist aber so.“

Widersprüchliche Zeugen

Die Vorwürfe hat eine Frau aus dem Drogenmilieu gegenüber Ermittlern erhoben – in unterschiedlichen Versionen. Zu beweisen wäre, ob G. überhaupt eine mit ihm angeklagte Haschkäuferin auf ihren Einkaufsfahrten begleitete. Ebenso unklar ist, ob er wusste, zu welchem Zweck seine damalige Freundin in die Nähe von Nürnberg fuhr.

Er selbst bestritt die Vorwürfe. Die mitangeklagte Frau gab die Drogenfahrten zu. Doch sie entlastete ihn: Sie sei „prinzipiell allein gefahren“.

Eine Belastungszeugin erschien nicht zum Prozess. Andere wirken zwiespältig – wie jene Zeugin, die mit dem Nürnberger Dealer befreundet war, bei dem die Drogen einst gekauft wurden. Oder sie verwickeln sich in Widersprüche – wie der Zeuge, der selbst gesehen haben will, wie der Polizist Drogen konsumierte.

Die Szene wirkt so kitschig, als stamme sie aus einer TV-Gerichts-Show. Der Verteidiger zeigt dem Zeugen ein Bild des Angeklagten mit einer dunkelhäutigen Frau. „Ja, die hat auch mit uns getrunken“, erinnert sich der Zeuge. „Das geht gar nicht, diese Frau hat noch nie deutschen Boden betreten“, hält der Verteidiger dagegen: Die Frau ist eine Bekannte aus einem Kenia-Urlaub.

Der Prozess – der schon seit Freitag fertig sein sollte – zieht sich in die Länge, Ende ungewiss. Ob G. – selbst bei einem Freispruch – wieder die Uniform der bayerischen Polizei tragen wird? „Mein Beruf als Polizist ist meine Berufung, Schreiben ein Ventil, Schauspielerei ein Hobby — ich flüchte gern: in die Natur, in andere Rollen,“ sagt er früher mal. Doch die „müssen zu meinem Charakter passen“, betonte Chris van Varenberg. „Das Prinzip der Ritterlichkeit ist meine Lebenseinstellung.“

Buch über einen Herumtreiber

Vor dem Drogenfall hatte Christian G., der nach eigenen Angaben nun Fitnesstrainer, Ernährungsberater und Schauspieler ist, an einem weiteren Beruf gebastelt: Als Autor eines Mittelalter-Romans, wie sogar „Bild“ im Prozess vermerkt. „Domschatten“ hieß laut Nürnberger Nachrichten 2013 das Projekt, das schon 225 Seiten „und einen dicken Stapel Handschriftliches“ umfasste. Van Varenbergs Worten zufolge ist es die Heldenreise eines „liebenswerten Herumtreibers“ zwischen Würzburg und Bamberg, „der die Chance bekommt, sein Leben zu verändern“.

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