LAUDA

Druiden müssen draußen bleiben

Letzte Handgriffe: Im Keltendorf Dubra in Lauda baut Andreas Jouaux, Vorsitzender des Keltenvereins Dubra, an einer keltischen Hütte.
Foto: Claudia Schuhmann | Letzte Handgriffe: Im Keltendorf Dubra in Lauda baut Andreas Jouaux, Vorsitzender des Keltenvereins Dubra, an einer keltischen Hütte.

Das Taubertal ist voll von Funden aus der Keltenzeit. Und doch ist es noch immer ein geheimnisumwittertes Volk, das vor Jahrtausenden hier siedelte. Wenig mehr ist von ihnen erhalten als verzierte Tongefäße, Hügelgräber und Erdverfärbungen, die von ihren hölzernen Häusern herrühren. Der Keltenverein Dubra widmet sich dieser untergegangenen Kultur und errichtet auf einem Grundstück nahe des Bahnhofs in Lauda ein keltisches Dorf.

Wissenschaftlich untermauert

Wie haben die Kelten überhaupt gelebt? Wie sah ihr Alltag aus? „Na ja, sie werden wohl morgens aufgestanden und ihrer Arbeit nachgegangen sein“, schmunzelt Matthias Weber. Der Archäologe ist praktisch veranlagt und spirituell umwölkter Legendenbildung grundsätzlich eher abgeneigt. Auf dem 500 Quadratmeter großen Areal, das die Stadt Lauda-Königshofen dem Verein zur Verfügung gestellt hat, möchte er wissenschaftlich untermauert ein realistisches Keltendorf errichten. Die Vereinsmitglieder wollen den Alltag der Kelten erlebbar machen.

Was sie nicht wollen, ist, die Esoteriker und „Baum-Umarmer“ anzulocken. „Ich betrachte mich als den bewaffneten Arm im Kampf gegen die avalonischen Nebel“, erklärt Matthias Weber und versucht erfolglos, ein ernstes Gesicht zu machen. Weber weiß natürlich, dass die Kelten Druiden hatten, die für die spirituellen Angelegenheiten ihrer Gemeinschaft zuständig waren. Vor allem aber war es ein Volk, das Ackerbau betrieb, Vieh hielt und dann und wann in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt war.

„Die Kelten lebten zumeist in Dörfern zusammen“, sagt Andreas Jouaux, Vorsitzender des Vereins und gerade damit beschäftigt, die Wände des Grubenhauses mit Lehm zu verkleiden. Grubenhäuser werden so bezeichnet, weil sie ein Stück in der Erde vergraben sind. Die Kelten nutzten sie als Werkstätten. Die Kühle des Erdbodens erleichterte das Weben oder Töpfern. Im Keltenpark ist das Grubenhaus das erste Gebäude, das entsteht. Der Verein möchte außerdem einen Getreidespeicher bauen, der zum Schutz gegen Schädlinge erhöht steht, und mindestens ein keltisches Wohnhaus.

Ein Nutzgärtlein ist bereits angelegt. Hier wachsen Pflanzen, die die Kelten anbauten. Dazu gehören Koriander, Minze, Huflattich, Borretsch, Kerbel, Dill, Salbei und Baldrian. Auch alte Getreidesorten wie Hafer, Emmer und Einkorn gedeihen hier. Sollte auch der Keltenpark wie geplant gedeihen, haben die rund 50 Mitglieder sogar vor, mehrere Hof-stellen zu errichten. Jede soll einer bestimmten keltischen Epoche zugeordnet werden. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder zum Arbeitseinsatz auf ihrem Gelände.

Die Kelten, die mit der Entwicklung des Eisens zu einer Großmacht in Europa wurden, bevölkerten den Kontinent über einen langen Zeitraum. Ihre Epoche erstreckte sich vom sechsten vorchristlichen Jahrhundert über die Hallstattzeit (800 bis 500 vor Christus) und die Latenezeit (500 vor Christus bis zur Zeitenwende) bis ins dritte nachchristliche Jahrhundert. Dubra, verrät Andreas Jouaux, sei der keltische Name für die Tauber und bedeute entweder schnelles oder schwarzes Wasser. „Da streiten sich die Gelehrten noch“, schmunzelt er.

Archäologe Matthias Weber erzählt, wie umtriebig dieses Volk war: „300 vor Christus zogen sie über die Alpen und plünderten Rom. Sie plünderten auch Ankara und kehrten mit vielen neuen Kulturgütern wie Schmuck oder auch der drehbaren Töpferscheibe zurück.“

Der rege kulturelle Austausch kam allerdings nicht nur auf kriegerischem Wege zustande. Durch das Taubertal verlief die Handelsroute zwischen Schwarzem Meer und Nordsee. Das Stammland der Kelten, sagt der Archäologe, erstreckte sich von Ungarn über Österreich, Süddeutschland und die Schweiz bis nach Frankreich, der Heimat der wohl bislang berühmtesten Kelten: Asterix und Obelix.

Vermutlich vermischten sich die Kelten irgendwann mit anderen Völkern, wie etwa den Germanen und Römern. Letztere hätten jedoch, so Weber, das Taubertal als einzigen Landstrich in Baden-Württemberg niemals besetzt. Der Archäologe hat als Fernziel eine Vernetzung der verschiedenen Fundorte in der Region vor Augen. Eine Attraktion ist das keltische Oppidum im Creglinger Ortsteil Finsterlohr, eine große befestigte Anlage. „Da könnte man einen Schwerpunkt setzen“, sagt Weber.

Radweg am Gelände

Der Keltenverein freut sich über die Pläne der Stadt, den Radweg am Gelände vorbeizuführen. Der eine oder andere Radler werde bestimmt Interesse zeigen, glauben die Vereinsmitglieder. Vorerst aber müssen die „originalen“ keltischen Gebäude den „Kelten-TÜV“ überstehen, den Matthias Weber verkörpert. Von außen sollen keine modernen Baumaterialien wie Schrauben oder Nägel zu sehen sein, die aber trotzdem vorhanden sind. Die modernen Bauvorschriften gelten nun mal auch für historische Nachbauten.

Stabile Behausung: Das Grubenhaus aus Lehm.
Foto: Schuhmann | Stabile Behausung: Das Grubenhaus aus Lehm.
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