REGION WÜRZBURG

Ein Elch mit Geheimnis

Sie sind von beeindruckender Statur und trotzdem fast lautlos unterwegs. Ein junges Elchpärchen schleicht durchs Unterholz. Mit dem neuen Gehege ist den Mitarbeitern eine neue Attraktion gelungen.
Elche lieben Wasser: Im neuen Elchgehege im Wildpark Bad Mergentheim ist auch daran gedacht worden und der junge Bulle testest es auch gleich schon.
Foto: Wildpark Bad Mergentheim | Elche lieben Wasser: Im neuen Elchgehege im Wildpark Bad Mergentheim ist auch daran gedacht worden und der junge Bulle testest es auch gleich schon.

Eigenartig, aber schön. So beschreibt Frank Hofmann, Geschäftsführer des Bad Mergentheimer Wildparkes, seine beiden neuesten Errungenschaften. Vor wenigen Tagen erst sind zwei Elche in das große Gehege eingezogen, das eigens für sie entworfen und gebaut wurde. Auf einer Fläche von zwei Hektar ist alles da, was das Elchherz begehrt: große Bäume, zwei Weiher zur Erfrischung in sommerlicher Hitze und sogar ein Unterstand für schlechtes Wetter.

Die ersten Besucher sind bereits auf die Tarnfarbe des Elchfelles hereingefallen. „Die dachten, es seien noch gar keine Elche da“, schmunzelt Hofmann. Und tatsächlich: Schlummert der Elch im Unterholz, ist er trotz seiner Größe kaum zu sehen. Die beiden Neuzugänge sind ein knappes Jahr alt und damit noch Jugendliche. Ihre volle Größe erreichen sie erst mit drei oder vier Jahren. Dann kann ihre Schulterhöhe bis zu zwei Meter betragen, ein Elchbulle bringt an die 500 Kilo auf die Waage.

Das männliche Tier wurde im Münchener Zoo Hellabrunn geboren, die Elchkuh im Tierpark Lüneburger Heide. Erst in Bad Mergentheim trafen das Nordlicht und der Oberbayer aufeinander. Obwohl Elche von Haus aus Einzelgänger sind, kommen die beiden gut miteinander aus. In ihren Heimatzoos lebten sie mit mehreren Artgenossen zusammen, so dass beide bald Anschluss suchten, als die Benebelung durch die Reisenarkose abgeklungen war.

Das neue Elchgehege lässt sich in zwei Teile trennen. Mitten hindurch führt der Fußweg, von dem aus die Besucher nach den Elchen Ausschau halten können. Mit dieser Maßnahme haben die Wildparkmitarbeiter Vorsorge für eventuellen Nachwuchs getroffen. Manche Elchbullen entpuppen sich nämlich im Erwachsenenalter als richtige Stinkstiefel und attackieren die eigenen Jungen. Frank Hofmann hat ziemlichen Respekt vor den großen Tieren. „Sie können nach vorne und hinten mit den Hufen ausschlagen“, erklärt er. Sogar ein Wolf sollte besser die Pfoten von einem Elch lassen, wenn er nicht im Rudel jagt.

Kein Maschendrahtzaun

Von den großen Holzbalustraden am Gehege kann man die Tiere in Ruhe beobachten. Auf einen störenden Maschendrahtzaun wurde wie überall im Wildpark auch hier verzichtet. Noch wirken die jungen Tiere fast zierlich. Vor allem das Mädchen, das aus einem Zwillingswurf stammt. Der deutlich größere bayerische Bulle war ein Einzelkind und konnte die Milchreserven seiner Mutter für sich allein beanspruchen. Trotz ihrer merkwürdigen Proportionen mit dem wuchtigen Oberkörper und den endlos langen Beinen traben die Wiederkäuer elegant und federnd durch den Wald. „Angeblich können sie sich vollkommen lautlos bewegen“, sagt Frank Hofmann beeindruckt.

Kulinarische Vorlieben

Er und sein Kollege Marcus Rügamer haben sich während der dreijährigen Planungsphase intensiv mit dem Thema Elch beschäftigt. Deshalb weiß Hofmann, dass der Elch zu den „Trughirschen“ zählt: Schaut aus wie ein Hirsch, benimmt sich aber wie ein Reh. Am liebsten werden nämlich frische Zweige, Laub und Wasserpflanzen verspeist, auch Kräuter oder Gräser. In Sachen Elch-Kulinarik hat sich das Wildparkteam in anderen Tierparks kundig gemacht. „Manche füttern Elche mit Bananen“, wundert sich Frank Hofmann.

„Aber wenn sie Bananen bräuchten, würden sie wohl nicht gerade in Skandinavien leben.“ Auch Kartoffeln, wie andernorts üblich, haben die Bad Mergentheimer nicht auf die Speisekarte ihrer Elche gesetzt. „Ich habe noch nie einen Elch gesehen, der mit einem Kartoffeldämpfer unterwegs war“, sagt Hofmann und grinst. An verschiedenen Stellen des Geheges sind Futterplätze installiert. Damit sollen die Elche angelockt werden, wenn im Wildpark die Fütterungsrunde stattfindet. „Ob das funktioniert, wird uns der Elch schon zeigen“, sagt Hofmann. Weil der Nachschub an Zweigen und Blättern stets rollen muss, ist die Elchhaltung aufwendig.

Frank Hofmann und Marcus Rügamer halten das Elchgehege für eine echte Attraktion. „Die Leute mögen halt die großen Tiere“, verrät Hofmann. Er selbst fände auch ein Gehege für den seltenen Feldhamster sehr spannend. „Aber damit lockt man keinen hinter dem Ofen hervor.“ Eine spannende Frage hat der Elchbulle bisher offen gelassen: Was für eine Geweihform wird er später mal zeigen? Ob sie einen „Stangenelch“ oder einen „Schaufler“ erworben haben, wissen die Wildparkmitarbeiter selbst noch nicht.

Geöffnet ist der Wildpark vom 17. März bis 4. November 2012 täglich von 9 bis 18 Uhr, letzter Einlass ist um 16.30 Uhr. Die Fütterungsrunden beginnen um 9.45 und 13.30 Uhr.

Der Elch

Lebensraum: Der Elch ist der größte heute vorkommende Hirsch. Er bevorzugt als Lebensraum die nördlichen Wälder und ist in Nordeuropa, Nordamerika und Asien anzutreffen.

 

Unterarten: Der europäische Elch hat eine Schulterhöhe von etwa 1,70 Meter. Deutlich größer und schwerer ist der Alaska-Elch, dessen Schulterhöhe bei zwei Metern liegt und der bis zu einer Tonne wiegen kann. Daneben gibt es noch kaukasische, ostsibirische sowie Yellowstone-, Ussuri- und Kamtschatkaelche.

 

Lebensweise: Der Elch ist sowohl am Tag als auch in der Nacht aktiv. Zu schaffen macht ihm vor allem große Hitze. Deshalb werden Elche oft in Sümpfen stehend angetroffen, die sie zwecks Kühlung aufsuchen.

 

Sprichwort: Der Satz „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“ ist heute ein geflügeltes Wort. Ersonnen hat ihn der deutsche Lyriker und Karikaturist F.W. Bernstein.

Neues Elchgehege: Von hier aus können die Besucher die Elche beobachten.
| Neues Elchgehege: Von hier aus können die Besucher die Elche beobachten.
Geradezu zierlich: Noch ist das junge Elchpärchen nicht ausgewachsen. Dies sind Elche erst mit drei bis vier Jahren.
| Geradezu zierlich: Noch ist das junge Elchpärchen nicht ausgewachsen. Dies sind Elche erst mit drei bis vier Jahren.
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