Erlach

Ein Hofladen für den selbst gebrannten Schnaps

Yvonne und Stefan Nagler (mit Sohn Tobias) aus Erlach stellen schon seit Jahren Schnaps und Likör her und wollen ihre Produkte nun im eigenen Hofladen anbieten. Andere Bauern aus Erlach sollen weitere Lebensmittel beisteuern.
Foto: CLAUDIA SCHUHMANN | Yvonne und Stefan Nagler (mit Sohn Tobias) aus Erlach stellen schon seit Jahren Schnaps und Likör her und wollen ihre Produkte nun im eigenen Hofladen anbieten.
„Wir wollen erst mal klein anfangen.“
Yvonne Nagler, Künftige Hofladen-Besitzerin

Seit vielen Jahren stellt Stefan Nagler aus Erlach Schnäpse und Liköre her – im Nebenerwerb. Bisher hat seine Frau Yvonne die hochprozentigen Erzeugnisse hauptsächlich auf Weihnachtsmärkten in der Umgebung verkauft. Doch immer mehr Kunden kamen aus eigenem Antrieb zu Naglers auf den Hof, um direkt vor Ort einzukaufen. Das brachte das Ehepaar auf die Idee, einen Hofladen einzurichten, in dem es auch noch andere regionale Produkte geben soll. Familie Nagler ist nur ein Beispiel unter vielen in der Region.

Hofläden sind meist ein zweites Standbein im Betrieb

Ein Hofladen als zweites Standbein: Der Einstieg in die Direktvermarktung will gut überlegt sein. Das weiß auch Marianne Schenk, die beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Würzburg Ansprechpartnerin für interessierte Landwirte ist. Derer gibt es nach einer jahrelangen Stagnation jetzt wieder mehr, hat Marianne Schenk festgestellt. Dass Kunden regionale Produkte verstärkt nachfragen, hat laut ihrer Aussage mehrere Gründe. Als Initialzündung könne die BSE-Krise gelten, die Deutschland im Jahr 2000 erreichte, sagt Schenk. Damals hätten immer mehr Menschen wissen wollen, woher das Fleisch, das sie verzehren, eigentlich kommt.

Damit im Zusammenhang stehe auch der Wunsch, über die Haltungsbedingungen der Tiere bescheid zu wissen. Lebensmittelskandale seien grundsätzlich immer ein Auslöser für mehr Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten, deren Herkunft man nachvollziehen könne, sagt Marianne Schenk. In den vergangenen Jahren sei dazu noch ein verstärktes Bewusstsein für den Klimaschutz gekommen. Den Menschen sei es auch aus diesem Grund wichtig, regionale Lebensmittel einzukaufen.

Der personelle Aufwand ist nicht zu unterschätzen

Für die wenigsten Landwirte mit Hofladen im Landkreis Würzburg sei die Direktvermarktung das einzige Standbein, erklärt Schenk. „Diversifizierung“ lautet das Schlagwort. Das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten fördert die Bestrebungen von Bauern, sich zum Zwecke der Risikostreuung und Schaffung von Zusatzeinkommen möglichst breit aufzustellen. Ein Hofladen, sagt Schenk, sei aber arbeitsintensiv. Außerdem müsse erst einmal investiert werden: in die Ausstattung des Ladens und des Lagers, und auch der personelle Aufwand sei nicht zu unterschätzen.

Familie Nagler ist das bewusst. „Wir wollen erst mal klein anfangen“, sagt Yvonne Nagler. Das Ehepaar hat zwei kleine Kinder und plant, einen Nebenraum des landwirtschaftlichen Anwesens in Erlach zum Hofladen umzubauen. Früher war das ein Probierraum, derzeit befindet sich dort noch die Küche. Um den Verkauf möchte sich Yvonne Nagler kümmern, die sich zum Glück in Sachen Kinderbetreuung auf die Großeltern verlassen kann.

Im Schnapsbrennen steckt viel Arbeit

Dass mit dem Hofladen keine großen Reichtümer anzuhäufen sein werden, weiß Yvonne Nagler sehr wohl. Ihr geht es vor allem um eine Bestätigung für die Arbeit ihres Mannes, der die Schnäpse und Liköre mit viel zeitlichem Aufwand herstellt. „Ich finde es schade, den Schnaps einfach an einen Großhändler abzugeben“, sagt seine Frau. Viel Arbeit steckt in der Herstellung: vom Aufsammeln des Obstes über das Einmaischen bis hin zum eigentlichen Brennvorgang und der anschließenden Abfüllung und Etikettierung.

Vor einigen Jahren hat die Familie eine neue Destille angeschafft. „Da steht in etwa der Wert eines Kleinwagens“, sagt Stefan Nagler und zeigt stolz den großen Kessel, in dem er seine Obstbrände herstellt. 1964 hatte sein Vater das Brennrecht erworben, und der Sohn führt die Tradition nun fort. Ehefrau Yvonne hat vor, ihren Kunden im neuen Hofladen nicht nur die hausgemachten Brände und Liköre zum Kauf anzubieten, sondern auch andere landwirtschaftliche Produkte aus der Region. „Nachbarn haben uns Kartoffeln, Eier und Honig angeboten“, erzählt Yvonne Nagler.

Rat und Hilfe gibt es beim Amt

Möglichst noch vor der kommenden Weihnachtsmarkt-Saison soll der Hofladen fertig sein. Den bürokratischen Aufwand findet Yvonne Nagler vertretbar: „Ich muss ein Gewerbe anmelden, außerdem benötigt man ein Gesundheitszeugnis, und die Lebensmittelkontrolleure kommen.“ Wer sich mit dem Thema noch nicht so ausführlich befasst hat wie Familie Nagler, findet beim AELF Rat und Hilfe. Die Mitarbeiter des Amtes schauen sich den Betrieb an, etwa Struktur und Lage. Anhand dessen können sie abschätzen, ob ein Hofladen erfolgreich sein kann und und welcher Höhe sich die Investitionen in etwa bewegen würden.

Es gibt laut Marianne Schenk auch die Möglichkeit, eine Grundlagenzertifizierung zu erwerben, die übers Jahr verteilt bayernweit in sechs Modulen angeboten wird. Außerdem informiert das Amt über weitere Vertriebsmöglichkeiten und ermöglicht die Vernetzung mit anderen. Nicht zuletzt kann beim AELF auch ein Förderantrag gestellt werden. 25 Prozent der förderfähigen Investitionen für einen Hofladen werden übernommen – allerdings nur, wenn das Konzept als erfolgversprechend eingeschätzt wird.

Auch die Allianz Maindreieck will ein Verzeichnis erstellen

Für Kunden gibt es Listen mit den Hofläden in der Region. Dass großes Interesse an Direktvermarktung besteht, hat auch Holger Becker festgestellt. Er ist Allianzmanager der interkommunalen Allianz Maindreieck und plant ebenfalls die Erstellung eines Direktvermarkterverzeichnisses für den Bereich der zwölf Allianzgemeinden. Das Verzeichnis ist allerdings noch nicht fertig.

Direktvermarkter im Internet unter

www.landkreis-wuerzburg.de/Unser-Landkreis/Agenda-21 oder unter

www.regionales-bayern.de

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