VEITSHÖCHHEIM

Erster Maintal-Ultratrail mit einem „Ja, ich will“ nach 62 Kilometern

Erster Maintal-Ultratrail: 260 Läufer waren voll des Lobes über die Strecke und die Organisation. Und der Versbacher Mario Rothemel nutzte den Mammut-Lauf in Veitshöchheim sogleich für einen Heiratsantrag.
Und los! Rund 260 Läufer machten sich Samstagfrüh in Veitshöchheim auf den Weg.
| Und los! Rund 260 Läufer machten sich Samstagfrüh in Veitshöchheim auf den Weg.

Hundert Meter vor dem Zieleinlauf, nach fast 62 Kilometern Maintal-Ultratrail-Lauf in etwas mehr als sieben Stunden, bleibt der Läufer mit der Nummer 48 plötzlich stehen und holt ganz tief Luft. Aus der Lautsprecheranlage singt Peter Maffay seinen Song „Mit dir“. Aus einer Fangruppe mit Transparenten an der Kurve vor dem Ziel löst sich eine junge Frau und geht auf Startnummer 48 zu. Michaela Herold bleibt drei Meter vor Mario Rothemel (Versbach) stehen, und ihr gemeinsamer Sohn Xavi (3) überreicht der völlig überraschten Mama einen Blumenstrauß. Mario geht vor seiner Freundin auf die Knie, auf dem Sportplatz des SV Veitshöchheim wird es still – nur der Maffay-Song ist zu hören. Vor den Augen von gut zweihundert Läufern und Helfern macht Mario seiner Michaela eine Liebeserklärung, dreht den Blumenstrauß um und öffnet eine kleine Schachtel mit zwei Ringen. „Ja, ich will!“ sagt Michaela Herold mit fester Stimme, umarmt und küsst ihren Mario. Unter dem Jubel und Beifall der Zuschauer läuft das zukünftige Ehepaar mitsamt Sohn über die Ziellinie.

Download: Ergebnisliste Maintal-Ultratrail

Mit diesem Heiratsantrag hat der erste Maintal-Ultratrail-Lauf in Veitshöchheim der Geschichte des Laufsports in der Region eine wunderschöne Fußnote verpasst. Überhaupt steckt dieser Lauf voller Geschichten. Über die Strecke

etwa, die von allen 260 Läufern, egal ob sie den Ultratrail-Lauf über 62 Kilometer oder die Trail-Strecke über „nur“ 28 Kilometer absolvierten, nur Bestnoten bekam. Die Läufer voll des Lobes, wie zum Beispiel Iris Preissinger aus Bamberg. An ihrer Seite ist Lasse unterwegs, ein etwa fünfjähriger skandinavischer Laufhund, den sie aus dem Tierheim geholt hat. „Der Hund ist bestimmt 100 Kilometer gelaufen“, sagt sie, „immer vor und zurück, der kriegt nicht genug“. Dem Vierbeiner würde jetzt eine Stunde Regeneration reichen, dann würde er liebend gern wieder loslaufen. „Ich brauche dann doch etwas mehr Ruhe“, sagt Preissinger und lacht. Mit angezogener Handbremse, weil ohne jeden Zeitdruck war Janina Seyler (Würzburg) die 28 Kilometer unterwegs. „Das war für mich jetzt ein Frühstückslauf“, erzählt sie. In zwei Wochen will sie einen Halbmarathon (21,5 Kilometer) laufen, und zwar in so kurzer Zeit wie möglich. „Da war das jetzt nur eine Vorbelastung, und mir blieb unterwegs Zeit, noch zu ratschen.“ Somit habe sie bei diesem Lauf im Grunde genommen entspannt.

Zoltan Kalman hat sich auch etwas beeilt mit dem Zieleinlauf, „ich muss heute noch arbeiten“. Also läuft er sich vormittags warm, um nachmittags seinem Job als Kellner nachgehen zu können. Gemeinsam mit seinem Laufpartner Christoph Momber (beide aus Würzburg) waren beide schon an mehreren Laufevents dabei, „dieser Lauf hier in Veitshöchheim ist echt schön, eine tolle Strecke“, so die Meinung von Momber. Beide wissen, wovon sie reden, sie waren beim letzten Zugspitzlauf dabei. „Dieser Lauf hier war auch sehr toll organisiert“, sagt Kalman.

In der Tat stecken gute zwei Jahre Vorarbeit drin, und das Team um Günter Hermann (iWelt-Marathon Würzburg) leistete allerbeste Arbeit. An allen wichtigen Punkten, auch an Straßenübergängen, standen Helfer, und sie kümmerten sich auch an den Versorgungsstationen um die Läufer. Thomas Gumpert war noch am Vorabend bis nachts mit dem Cross–Motorrad unterwegs, um die Strecke anzuschauen. An mehreren Stellen hatten Unbekannte Schilder verdreht und die mit Sägespänen ausgelegte Strecke geändert. „Das ist mir unverständlich“, sagt Gumpert, „auf die Gesundheit der Läufer wird da keine Rücksicht genommen“. Letztlich bleibt der Lauf ohne Verletzungen, die Helfer der Johanniter Unfallhilfe sind bis auf wenige kleinere Blessuren weitgehend beschäftigungslos.

Alle Hände voll zu tun haben hingegen drei Masseurinnen von der Massageschule unter der Leitung von Peter Grüning, die den Läufern auf drei hergerichteten Tischen nach der Strecke die Gelenke und Muskeln entspannen. Auch die von Rainer Waßmann aus Thüngersheim. Nach dem Rockrace in Würzburg wollte er eigentlich etwas ausspannen, „aber heute Morgen ging es meinen Füßen gut, also hab ich nachgemeldet“. Als Ortskundiger kennt er die Strecke sehr gut, vor allem das Laufen auf dem Mainwanderweg hat ihm sehr gut gefallen.

Was auch der Meinung der eineiigen Zwillinge Frank und Rüdiger Burger (52) entspricht. Für Rüdiger ist es dieses Jahr schon der siebte Ultratrail-Lauf, sein Bruder hat einen mehr zurück gelegt. „Diesen Maintal-Ultratrail werden wir auf jeden Fall weiter empfehlen, es ist ein anspruchsvoller und sehr guter Lauf“, sagt Rüdiger, und sein Bruder hebt anerkennend den Daumen.

„Der Weg ist das Ziel“ – mit diesem Transparent hat die oben erwähnte Michaela Herold als Zuschauerin auf der Strecke mit ihren Eltern und der 17-jährigen Tochter von Mario Rothemel ihren Noch-Freund angefeuert. Dabei, erzählt Mario später, war sein eigentliches Ziel der Heiratsantrag kurz vor dem Zieleinlauf. Eigens dafür hat er monatelang für diesen Lauf über exakt 61,7 Kilometer trainiert. Neben seinen Freunden steckten in diesem „Komplott“ die Eltern der Braut, enge Verwandte, Freunde und ein ganzes Organisationsteam unter einer Decke. Für Michaela ist die Überraschung perfekt. Zumindest fast. „Als ich unser Lied von Peter Maffay gehört habe, hat er sich verraten“, sagt sie später und wischt sich Tränen aus den Augen. Und nach neun Jahren Beziehung sagen beide bald ganz offiziell im Standesamt: „Ja, ich will.“

„Das war für mich jetzt ein Frühstückslauf.“
Läuferin Janina Seyler über die 28 Kilometer-Strecke
Entspannung: Drei Masseurinnen kümmerten sich um die tapferen Läufer.
| Entspannung: Drei Masseurinnen kümmerten sich um die tapferen Läufer.
Zwischenstopp von Herzen: Nach 62 Kilometern, kurz vor dem Ziel, ging Mario Rothemel in die Knie – um seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen.
Foto: guido Chuleck | Zwischenstopp von Herzen: Nach 62 Kilometern, kurz vor dem Ziel, ging Mario Rothemel in die Knie – um seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen.
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