Würzburg

Experte: Crowdfunding braucht Vertrauen und Transparenz

Das schnelle Geld von der Masse klingt verlockend, doch was gibt es dabei zu beachten? Ein Würzburger Professor klärt auf.
Crowdfunding ist bei Gründern derzeit sehr beliebt.
Foto: Lucas Kesselhut | Crowdfunding ist bei Gründern derzeit sehr beliebt.

Kreative Unternehmer sind längst nicht mehr auf Großinvestoren angewiesen, um eine Geschäftsidee zu verwirklichen. Wer heute ein Musikvideo drehen will oder einen Roman schreiben möchte, stellt seine Idee einfach auf einer Internetplattform vor, gibt das gewünschte Kapital und die Laufzeit an und muss nur noch genügend Unterstützer finden. Doch ist das wirklich so einfach? Prof. Sascha Walter ist Experte für Unternehmensgründung und Unternehmensführung an der Universität Würzburg und gibt Antworten.

Frage: Ist das Crowdfunding als Finanzierungsform aus Ihrer Sicht ein Thema in Würzburg?

Sascha Walter: Ja, zunehmend. Es laufen derzeit diverse Würzburger Kampagnen auf den einschlägigen Plattformen. Ferner hat Würzburg lebendige Gemeinschaften von Kunstschaffenden und Unternehmensgründerinnen- und gründern, die von Crowdfunding profitieren können.

Professor Sascha Walter von der Universität Würzburg.
Foto: Uni Würzburg | Professor Sascha Walter von der Universität Würzburg.
Warum ist es so beliebt?

Walter: Crowdfunding fällt in mindestens zwei Trends: Wir wollen „Gutes“ tun und das am liebsten von unseren Smartphones aus.

Welche Vorteile hat Crowdfunding?

Walter: Viele sehen in Crowdfunding vor allem eine Geldquelle für Initiativen, die bislang woanders geringe Finanzierungschancen hätten. Aber Crowdfunding ist mehr. Denken Sie zum Beispiel an Entwickler von Handyspielen. Hier hilft Crowdfunding, den Markt besser zu verstehen (Kommt das Spiel überhaupt an?), das Spiel sogar vor dessen Herstellung bekannt zu machen und später mitunter klassische Investoren zu gewinnen. Selbst wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wird, kann die Kampagne Ideen zur Verbesserung des Spiels liefern.

Nachteile gibt es sicher doch auch?

Walter: Crowdfunding liefert üblicherweise kleinere Beträge. Daher ist es für klassische, technologiebasierte Unternehmensgründungen oft ungeeignet.

Gibt es auch schwarze Schafe in diesem Bereich oder ist Crowdfunding eine relativ sichere und seriöse Möglichkeit der Finanzierung?

Walter: Geld zieht üblicherweise Kriminelle an. Die etablierten Crowdfundingplattformen versuchen – auch zum Selbstschutz – hier einen bestmöglichen Schutz zu bieten und entfernen betrügerische Kampagnen. Man sollte daher als Geldgeber auch bei Kleinstbeträgen nicht nur einer rührseligen Geschichte folgen, sondern weitere Informationen über eine Kampagne berücksichtigen. Insgesamt sehe ich Crowdfunding jedoch als seriöse Finanzierungsform an – oder würden Sie bei einem schwarzen Schaf unter 1000 die gesamte Herde schlachten? 

Welche Tipps haben Sie für Leute, um eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne zu starten?

Walter: Auf Vertrauensbildung und Netzwerkeffekte setzen, also möglichst früh viele Unterstützer finden und die Kampagne intensiv über soziale Netzwerke bewerben. Zudem transparent und aktuell bleiben, also ausreichend und zielgruppenspezifische Informationen und Projektupdates bereit stellen und auf frühere Crowdfundingerfolge verweisen.

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